Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

In Freiburg wurde deutschlandweit das erste permanente Kunstherz vom Typ Jarvik 2000 implantiert

29.05.2001


Das Kunstherz arbeitet mit 8000–12 000 Umdrehungen pro Minute
© 2001 BILD ONLINE


Mit dem Stecker im Ohr: das autarke, daumengroße System kann pro Minute 6 Liter Blut fördern


Am 16. Mai hat ein Ärzteteam des Universitätsklinikums Freiburg unter Leitung von Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf, dem Ärztlichen Direktor der Abteilung Herz- und Gefäßchirurgie, erstmals in Deutschland ein neuartiges permanentes, mechanisches Kunstherz implantiert. Bei dem Patienten handelte es sich um einen 59jährigen Mann mit lebensbedrohlichem Herzversagen aufgrund einer chronischen Herzmuskelerkrankung. Der Patient musste zuletzt auf der Intensivstation behandelt werden. Nur durch Infusion hochwirksamer Medikamente zur Kreislaufunterstützung konnte er am Leben erhalten werden.
Die allgemein als "Kunstherz" bezeichneten Kreislaufunterstützungssysteme sind fast ausschließlich Blutpumpen, die zur Unterstützung des eigenen Herzens eingesetzt werden. Dabei wird die Pumpe unter die Bauchdecke implantiert und durch Schläuche mit dem Herzen verbunden. "Echte Kunstherzen", die nach Entfernung des eigenen Herzens eingepflanzt werden, sind bisher nur in Einzelfällen zur Anwendung gekommen und konnten sich wegen zahlreicher Probleme nicht durchsetzen.
Bei dem neuen System handelt es sich um eine etwa daumengroße, elektrisch angetriebene Turbine, die direkt in die Spitze der linken Herzkammer eingebracht wird. Die Pumpe arbeitet mit einer Drehzahl von 8.000-12.000 Umdrehungen pro Minute und kann bis zu 6 Liter Blut pro Minute fördern.


Das Blut wird von der linken Herzkammer über ein künstliches Blutgefäß von etwa 10 cm Länge in die Hauptschlagader gepumpt. Die ganze Pumpe wiegt weniger als 100 g. Antrieb und Steuerung erfolgen über ein dünnes Kabel, das unter der Haut bis hinter das linke Ohr geleitet wird und in einem kleinen, unter dem Haar nicht sichtbaren Stecker endet. Dort wird es mit dem Batteriekabel verbunden, die Batterien selbst trägt der Patient in einer kleinen Umhängetasche.

Die Ausleitung des Steuerkabels aus der Kopfhaut hat den Vorteil, dass eine Infektion des Systems praktisch ausgeschlossen ist, ganz im Gegensatz zu den bisher verwendeten Kreislaufpumpen, deren Antriebskabel aus der Bauchdecke herausgeführt wurden.

Das System mit dem Namen "Jarvik 2000" wurde am Texas Heart Institute in Houston/Texas entwickelt. Das Implantationsteam der Freiburger Universität hatte zuvor in Houston einen Trainingskurs absolviert und sich mit allen Details der Operation und Nachbetreuung vertraut gemacht. Der vierstündige Eingriff verlief völlig problemlos. Am nächsten Morgen war der Patient bereits aus der Narkose erwacht und begann, sich mit der Handhabung seiner Pumpe vertraut zu machen.

Die Einführung des "Jarvik 2000" ist ein bedeutender Schritt in der Behandlung der schweren Herzinsuffizienz. Bislang kann den schwerkranken Patienten dauerhaft nur durch eine Herztransplantation geholfen werden. Leider steht aufgrund des Mangels an Spenderorganen diese Behandlung nicht allen Patienten rechtzeitig zur Verfügung. In Deutschland können maximal 400-500 Herztransplantation pro Jahr durchgeführt werden, die Wartezeit beträgt derzeit 1 - 1,5 Jahre.

Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme, meist auch als "Kunstherz" bezeichnet, sind derzeit nur als Überbrückung bis zur Herztransplantation zugelassen, da es nach einigen Monaten gehäuft zu Komplikationen, wie z.B. Infektionen oder Schlaganfällen, kommen kann. Das neue System dürfte die Sicherheit auch für eine längerfristige Kreislaufunterstützung wesentlich verbessern und könnte in der Zukunft eine echte Alternative zur Herztransplantation eröffnen.


Kontakt:
Ärztlicher Direktor
Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf
Herz-Kreislauf-Zentrum Freiburg - Abt. Herz- und Gefäßchirurgie -
Hugstetter Str. 55, D-79106 Freiburg
Telefon: 0761 / 270-2818 + 270-8888
Telefax: 0761 / 270-2550 + 270-2788
e-mail: beyers@ch11.ukl.uni-freiburg.de
Homepage: http://herzchirurgie.ukl.uni-freiburg.de

Leiter Kommunikation und Presse | idw

Weitere Berichte zu: Gefäßchirurgie Herztransplantation Kunstherz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte