Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was hilft gegen Schnarchen?

25.05.2001


Gewichtsreduktion und Alkoholabstinenz können nächtliche "Schnarchkonzerte" bessern. Auch Operationen helfen, wenn die Indikation kritisch gestellt wird, betonen Experten auf der Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie in Hamburg.

... mehr zu:
»Apnoe »Atemgeräusch »Schnarchen

(Hamburg) "Männer müssen schnarchen, um wilde Tiere von ihren Frauen fernzuhalten." Diese Entschuldigung des Ehemannes in einer Film-Komödie bietet jenen Menschen jedoch kaum Trost, die von ihrem Partner durch "laute Atemgeräusche der oberen Atemwege im Schlaf" - so die offizielle Definition - um die Nachtruhe gebracht werden. Und dies geschieht in vielen Schlafzimmern: "Mehr als die Hälfte der 50-Jährigen schnarcht", erklärt Professor Wolfgang Pirsig von der Ulmer HNO-Universitätsklinik, "und mit steigendem Alter wächst die Zahl der Betroffenen."

In vielen Fällen sind die Atemgeräusche nicht nur lästig, sondern auch Symptom einer Schlaf-Atemstörung (Schlaf-Apnoe) mit nächtlichen Atemstillständen. Dauern diese jeweils länger als zehn Sekunden, sinkt der Sauerstoffgehalt des Blutes. Herzrhytmusstörungen und Tagesmüdigkeit können dann die Folge sein.


Schwerkranke Schnarcher erhalten überwiegend eine Atemmaske. Diese öffnet im Schlaf mittels etwas Überdruck den in der Apnoe kollabierten Mundrachen. Allerdings akzeptieren nur 60 Prozent der Patienten die Maske länger als drei Jahre. "Darum müssen wir diesen Patienten andere Optionen anbieten", sagt Pirsig.

Bei vielen Schnarchern mit Übergewicht bessert sich das Leiden, wenn sie abnehmen. "Doch nur drei Prozent können auf Dauer das reduzierte Gewicht halten", bedauert der Ulmer Schlafmediziner. Auch abendlicher Alkoholkonsum und Beruhigungsmittel fördern das Schnarchen. "Ebenso spielt die Schlafposition eine Rolle", berichtet Pirsig. Darum kann es einen Versuch Wert sein, den Schläfer für einige Wochen so zu konditionieren, dass er nicht mehr auf dem Rücken schläft. Hier helfen die neuen "Rückenlage-Verhinderungswesten", die das in die Pyjama-Jacke eingenähte Bällchen aus Großmutters Zeiten ersetzen. Auch nächtlich zu tragende Bißschienen oder Naseneingangserweiterer werden eingesetzt.

Doch mitunter ist ein operativer Eingriff unvermeidbar. Bei stark schnarchenden Kindern kann beispielsweise die Entfernung übergroßer Rachen- und/oder Gaumenmandeln helfen. Auch bei Erwachsenen kann diese Operation eine Apnoe reduzieren. Operative Korrekturen an Ober- und Unterkiefer können bei einzelnen Patienten mit einem Fehlbiss schweres Schnarchen fast völlig beseitigen.

Möglich sind auch Operationen am weichen Gaumen und am Zungengrund. Neben der klassischen Methode, der "Uvulopalatopharyngoplastik", kurz UPPP genannt, erproben HNO-Ärzte inzwischen auch Eingriffe mit dem Laser und elektrischer Energie mit Radiofrequenz. "Bei diesen neueren Verfahren fehlen jedoch noch die Langzeitergebnisse, um ihren Wert abschließend beurteilen zu können", erklärt Pirsig.

Generell gilt, dass alle operativen Eingriffe bei übergewichtigen Patienten, die starke Schnarcher sind, zumeist nur geringfügige Verbesserungen bringen. Das belegen neue Untersuchungen, die auf der Hamburger Fachtagung präsentiert werden. Auch fortgesetzter Alkoholkonsum beeinträchtigt die Erfolgsaussichten nach der Operation. "Darum ist unser größtes Problem zur Zeit die zuverlässige individuelle Vorhersage des Therapie-Erfolges", bedauert Pirsig.

Pressekonferenz
Freitag, 25. Mai 2001, 13.00 Uhr
Raum "Planten und Blomen", CCH, Am Dammtor, Hamburg

Pressestelle: Barbara Ritzert, ProScientia GmbH
Andecheser Weg 17; 82343 Pöcking; Tel.: 08157/93 97-0; Fax: 08157/93 97-97;
e-mail: ritzert@proscientia.de
Rückfragen an:

Prof. Dr. med. Wolfgang Pirsig
Universitäts-HNO-Klinik Ulm
Prittwitzstr. 43
89075 Ulm
Fax: 0731/50033155

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Berichte zu: Apnoe Atemgeräusch Schnarchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie