Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Implantierbare Hörgeräte auf dem Prüfstand

25.05.2001


Schätzungsweise ein Prozent der Patienten, die ein Hörgerät benötigen, können mit konventionellen Geräten nicht zufriedenstellend versorgt werden. Dann können implantierbare Hörgeräte helfen. Zwei Systeme befinden sich zur Zeit in Deutschland auf dem Markt. Über ihre Erfahrungen mit diesen Implantaten berichten Experten auf der Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie in Hamburg.

... mehr zu:
»Hörgerät »TICA »Vollimplantat

(Hamburg) In Deutschland sind schätzungsweise 14 Millionen Menschen schwerhörig. Die meisten leiden an einer so genannten Innenohr-Schwerhörigkeit, verursacht durch geschädigte Sinneszellen im Innenohr. Die Betroffenen können darum Gesprächen nicht mehr folgen und sich in lauter Umgebung nur schlecht orientieren. Eine wachsende soziale Isolation ist die Folge.

Den meisten Patienten können HNO-Ärzte mit konventionellen Hörgeräten helfen, die hinter oder im Ohr getragen werden. Allerdings haben auch die modernsten Geräte ihre Grenzen: "Das Ohrpass-Stück kann unangenehme Rückkoppelungsphänomene, etwa Pfeifen und Piepsen, sowie Entzündungen des Gehörgangs verursachen", erklärt Professor Rudolf Leuwer von der HNO-Klinik der Universität Hamburg. Ebenso empfinden manche Patienten die "Verstopfung" des Gehörgangs als störend und hören ihre eigene Stimme nur verfremdet. Auch die Miniaturisierung fordert ihren Tribut: Vor allem hohe Töne überfordern den winzigen Lautsprecher im Gehörgang, Verzerrungen und Rauschen stören die Patienten.


Diese Probleme gibt es bei voll- und teil-implantierbaren Hörgeräten nicht. "Ihr gemeinsames Merkmal ist die Umgehung des Trommelfells als akustischer Schallaufnehmer und die direkte Übertragung der Schallimpulse durch Vibrationen auf die Gehörknöchelchen", beschreibt Leuwer die Vorteile der neuen Technik. Indiziert sind die Implantate bei Patienten mit mittel- bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit und einem Hörverlust vor allem bei hohen Tonfrequenzen.

Zwei Systeme stehen zur Zeit in Deutschland zur Verfügung: Das teil-implantierbare "Soundbridge" und das "TICA" genannte Vollimplantat. Bei dem teil-implantierbaren Gerät wird nur der elektromechanische Wandler, der umgewandelte Schallsignale als Vibration auf die Gehörknöchelchen überträgt, und die dazugehörige Empfängerspule implantiert. Stromquelle, Mikroprozessor und Mikrophon werden äußerlich getragen. Bei dem Vollimplantat werden alle Komponenten eingepflanzt.

Weltweit wurden bislang zirka 500 Patienten mit dem Teilimplantat versorgt. Das TICA ist derzeit nur in Deutschland verfügbar und wird von 33 Patienten getragen.

Leuwer hat seit 1999 insgesamt sechs Patienten ein Soundbridge-Gerät implantiert und im vergangenen Jahr erstmals ein TICA eingesetzt. Drei weitere Patienten werden zur Zeit auf ein TICA vorbereitet. Denn der Implantation müssen umfangreiche Untersuchungen vorausgehen.

"Unsere bisherigen Erfahrungen decken sich mit den Ergebnissen klinischer Studien", sagt Leuwer. "Die Patienten haben ein subjektiv natürlicheres Empfinden von Geräuschen und Sprache." Das Risiko des Eingriffs liegt nicht höher als das herkömmlicher Mittelohr-Operationen. Zur technischen Überprüfung des TICA während der Operation haben die Hamburger Ärzte einen speziellen Test entwickelt.

Für die Experten sind die neuen Möglichkeiten "gleichzeitig faszinierend und vielversprechend", so Leuwer, der jedoch für einen kritischen Umgang mit dieser neuen Technologie plädiert. So macht etwa der Austausch der Stromquelle nach drei bis fünf Jahren bei dem Vollimplantat einen erneuten, wenn auch kleinen operativen Eingriff erforderlich. Auch das Richtungshören sowie die Verarbeitung von Störschall kann aufgrund der bislang üblichen Versorgung nur eines Ohres in Einzelfällen beeinträchtigt sein.

"Aufgrund des Entwicklungsstandes der Implantologie und der hohen Kosten raten wir zur Zeit von einer beidseitigen Implantation jedoch noch ab", sagt Leuwer. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten (DM 20.000,- für das Soundbridge, DM 50.000,- für das TICA incl. Operation) nur in Ausnahmefällen.

Pressekonferenz
Freitag, 25. Mai 2001, 13.00 Uhr
Raum "Planten und Blomen", CCH, Am Dammtor, Hamburg

Pressestelle: Barbara Ritzert, ProScientia GmbH
Andecheser Weg 17; 82343 Pöcking; Tel.: 08157/93 97-0; Fax: 08157/93 97-97;
e-mail: ritzert@proscientia.de

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Rudolf Leuwer
Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg;
Tel.: 040-42803-2374; Fax: 040-42803-6319
e-mail: leuwer@uke-uni-hamburg.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Berichte zu: Hörgerät TICA Vollimplantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie