Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Viel versprechender Alzheimer-Wirkstoff

05.05.2004


In-vitro-Tests mit mehreren Wirkstoffen aus der Substanzgruppe der Acylaminopyrazole haben sich als äußerst erfolgversprechend erwiesen. Der Wirkstoffe hindern bestimmte bei der Alzheimer-Krankheit abnormal veränderten Eiweiße im Gehirn an der Verklumpung und schützen Nervenzellen vor dem Absterben. Nun sind in-vivo-Tests an Mäusen geplant.



Mehrere Wirkstoffe aus der Substanzgruppe der Acylaminopyrazole haben sich während der in vitro-Testphase an lebenden Nervenzellen als äußerst viel versprechend für die Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit erwiesen und sollen nun in vivo an genveränderten Mäusen getestet werden. Entwickelt wurde die Substanzgruppe von einer Arbeitsgruppe um Thomas Schrader, Professor am Fachbereich Chemie der Philipps-Universität Marburg, und Detlev Riesner, Professor am Institut für Physikalische Biologie der Universität Düsseldorf. Bereits im Jahr 2002 wurde sie von der TransMIT GmbH - der Gesellschaft für Technologietransfer der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Fachhochschule Gießen-Friedberg - zum Patent angemeldet. Die Untersuchungen fanden in Kooperation mit der im österreichischen Graz ansässigen JSW-Research Forschungslabor GmbH statt.

... mehr zu:
»Alzheimer »Eiweiß »Nervenzelle »TransMIT


Die ersten in-vitro-Tests an Zellkulturen haben gezeigt, dass einige der untersuchten Wirkstoffe die für Alzheimer typische Verklumpung von Eiweißen verhindern. Ebenso erwies sich, dass sie Nervenzellen im Gehirn (Neuronen) vor der toxischen Wirkung von bereits abnormal veränderten Eiweißen schützen und selbst in geringen Dosen nicht toxisch wirken. Nach diesen Untersuchungen steht nun auch fest, welche Substanzen bei der von Frühsommer bis Oktober 2004 vorgesehenen in-vivo-Testreihe zum Einsatz kommen. Die Testreihe wird an genveränderten "Alzheimer"-Mäusen erfolgen. Falls sich die positiven Befunde wie erwartet im Tiermodell reproduzieren lassen, gehen die Kooperationspartner davon aus, möglicherweise schon in einigen Jahren ein wirksames Medikament zur Behandlung und Heilung von Alzheimer-Erkrankungen vorlegen zu können.

Der Wirkmechanismus wird von einem künstlichen, am Computer maßgeschneiderten Molekül ausgelöst. Es hindert abnormal veränderte Eiweiße - wie sie im Falle von Alzheimer- sowie Creutzfeld-Jacob-Erkrankungen sowie bei BSE auftreten - an der Verklumpung und beugt so einem Absterben der Neuronen vor. Solche Eiweißmoleküle bilden bei Erkrankung ihre ursprünglich vorwiegend helix-, also schraubenförmige Struktur in eine so genannte Beta-Faltblatt-Struktur um, die aufgrund ihrer klebrigen Oberfläche zur Bildung von Ablagerungen im Gehirn führt, den so genannten "Plaques". Werden die Eiweißmoleküle nicht schnell genug abgebaut oder ausgeschieden, beeinträchtigen sie die Sauerstoffversorgung und damit die Funktion der Nervenzellen so stark, dass diese absterben. Die neuen Wirkstoffe verhindern die Verklumpung, indem sie sich wie Kappen auf die klebrigen Regionen legen. Die solchermaßen unschädlich gemachten Eiweißmoleküle werden anschließend über körpereigene Mechanismen abgebaut.

Die Zahl der in Deutschland mittelschwer und schwer Demenzerkrankten liegt bei gut einer Million und soll bis 2050 auf etwa zwei Millionen ansteigen. In Europa leiden rund drei Prozent der über 60-jährigen an Alzheimer.

Informationen zu den beteiligten Gesellschaften:

TransMIT GmbH: Die TransMIT wurde im Jahr 1996 als Gesellschaft der mittelhessischen Hochschulen, Volksbanken und Sparkassen sowie der IHK Gießen-Friedberg gegründet. Sie erschließt und vermarktet im Schnittfeld von Wissenschaft und Wirtschaft professionell die Potenziale von Hochschulen. Der Geschäftsbereich Patente, Innovations- und Gründerberatung widmet sich der Bewertung, dem Schutz und der Umsetzung von nationalen und internationalen Innovations- und Wachstumsvorhaben. Das Geschäftssegment Kommunikationsdienste und -netze bietet die komplette Internet-Servicepalette vom einfachen Netzzugang über Web-Design, Datenbankanbindungen, Online-Shopping-Systeme, Lernen im Netz bis hin zu virtuellen Events. Die TransMIT-Akademie führt Weiterbildungsveranstaltungen zu neuen Technologien und Entwicklungen durch und die 52 TransMIT-Zentren vermarkten innovative Technologien und Dienstleistungen der mittelhessischen Hochschulen in den Bereichen Life Sciences, Technik, Kommunikation/Medien/Literatur, Unternehmensführung/Management, Informations- und Kommunikationstechnik.

Zu den Kunden der TransMIT zählen namhafte Unternehmen aus den Branchen Pharma/Medizin, Biotechnologie, Chemie, Automobil, Anlagen- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Optik, Informationstechnologie, Neue Medien, Telekommunikation sowie Handel und Dienstleistung. Referenzprojekte sind unter anderem das Mathematikmuseum zum Anfassen, die H-IP-O (Hessische Intellectual Property Offensive), die Aktionslinie hessen-teleworking, die Aktionslinie hessen-biotech! sowie das Wissenschaftsportal der European Polymer Federation (EPF).

JSW-Research Forschungslabor GmbH: Im Jahr 1999 von Dr. Manfred Windisch gegründet, ist die Grazer Gesellschaft auf die Durchführung von experimentellen und klinischen Studien für neue Arzneimittel im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen spezialisiert und verfügt über international anerkannte Expertise im Bereich transgener Krankheitsmodelle. In Zusammenarbeit mit dem Marburger Forscherteam wurden bislang die Neurotoxizität, d.h. die Giftwirkung der Acylaminopyrazole auf Gehirnzellen, und die Neuroprotektivität, d.h. die Schutzwirkung dieser Substanzen auf die Gehirnzellen, an Zellkulturen untersucht. Nach erfolgreichem Ablauf der in-vitro-Tests werden nun in-vivo-Tests mit transgenen Mäusen folgen.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Thomas Schrader: Fachbereich Chemie, Universität Marburg, Hans-Meerwein-Straße, 35032 Marburg, Tel. (06421) 28 25544, E-Mail: schradet@staff.uni-marburg.de

Dr. Peter Stumpf: TransMIT GmbH, Kerkrader Straße 3, 35394 Gießen, Tel. (0641) 94364 12, E-Mail: stumpf@transmit.de

Dr. Manfred Windisch: JSW-Research Forschungslabor GmbH, Rankengasse 28, A-8020 Graz, Tel. +43 (316) 7651 14, E-Mail: mwindisch@jswresearch.com

Thilo Körkel | idw
Weitere Informationen:
http://www.transmit.de
http://www.jswresearch.com

Weitere Berichte zu: Alzheimer Eiweiß Nervenzelle TransMIT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie