Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei Krebspatienten leidet die Seele mit

04.05.2004


Krebs bedeutet für viele Patienten eine große körperliche Belastung. Aber auch die Seele leidet: Viele Betroffene bleiben mit ihren psychischen Problemen sich selbst überlassen. Denn die wenigsten Krebs-Zentren bieten eine psycho-onkologische Betreuung an. "Unser Anliegen ist es, den kranken Menschen in seiner Gesamtheit wahrzunehmen, als Einheit von Körper und Seele", erläutert Professor Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. Daher fördert die Organisation jetzt ein Projekt mit über 200.000 Euro im Clinical Cancer Center der Technischen Universität München, das die Psycho-Onkologie in die Behandlung krebskranker Menschen integriert.



Wieso habe gerade ich Krebs bekommen? Werde ich wieder gesund? Was geschieht mit meiner Familie, so lange ich nicht zu Hause sein kann? Solche Fragen stellen sich sicher viele Krebspatienten. "Um zu verhindern, dass Gefühle wie Angst und Depressionen die Genesung verschlechtern, müssen die psycho-sozialen Beschwerden frühzeitig erkannt und behandelt werden", erklärt die Projektleiterin Professor Dr. Almuth Sellschopp. "Denn die Lebensqualität und damit auch der Heilungsprozess des Betroffenen hängt entscheidend davon ab, wie es ihm gelingt, sich in der belastenden Situation zu orientieren," betont die Leiterin der Arbeitsgruppe Psycho-Onkologie am Tumortherapie-Zentrum des Klinikum rechts der Isar.



Die rechtzeitige Beachtung von psychischen Symptomen bei Krebspatienten ist bislang jedoch ein Stiefkind geblieben. Auch am Münchener Clinical Cancer Center war die Psycho-Onkologie bisher nicht in die Abläufe integriert. Dieses Tumortherapie-Zentrum wurde bereits 1999 durch die Unterstützung der Deutschen Krebshilfe am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München initiiert. Das Ziel des innovativen Clinical Cancer Centers ist es, durch interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Krebstherapie die Qualität der medizinischen Behandlung zu steigern und die Patientenversorgung zu verbessern.

Um die Krebspatienten auch psychologisch betreuen zu können, wird an dem Zentrum jetzt ein neues Screening-Verfahren eingesetzt: Es soll dem Arzt ermöglichen, psycho-soziale Risikopatienten zu erkennen, um ihnen frühzeitig eine psycho-onkologische Behandlung anbieten zu können. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht ein Kurz-Fragebogen, den der Arzt nach der Patienten-Anamnese ausfüllt. "Primäres Ziel dieser Befragung ist es, psycho-sozial besonders belastete Risiko-Patienten zuverlässig identifizieren zu können", erklärt die Projektleiterin. Zusätzlich geben die Patienten in Selbstauskunfts-Fragebögen an, welche körperlichen und psychischen Belastungen und Einschränkungen sie erleben und wie sie ihren Gesundheitszustand und ihre Lebensqualität selbst einstufen. Stellt sich für einen Patienten ein hohes psycho-soziales Belastungsprofil dar, so wird ein Psycho-Onkologe hinzugezogen, um weitergehende diagnostische Gespräche zu führen und einen Behandlungsplan auszuarbeiten.

Nach seiner Entlassung erhält der Patient einen weiteren Fragebogen. Dieser soll klären, ob sich die Berücksichtigung seiner psycho-sozialen Situation positiv ausgewirkt hat auf sein psychisches Befinden, seine Lebensqualität und auf seine Zufriedenheit mit dem Krankenhausaufenthalt während der onkologischen Behandlung.

"Durch die Einbindung der Psycho-Onkologie in das Clinical Cancer Center in München soll die seit langem bestehende Zusammenarbeit von Onkologen und Psycho-Onkologen am Klinikum rechts der Isar weiter ausgebaut und die ganzheitliche Versorgung der Patienten verbessert werden", erläutert Frau Professor Sellschopp.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Krebspatient Psycho-Onkologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Erste Verteidigungslinie gegen Grippe weiter entschlüsselt
21.02.2018 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Behandlung mit Immunglobulinen hilft gegen Entzündung der weißen Hirnsubstanz bei Kindern
21.02.2018 | Universität Witten/Herdecke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics