Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brust-Biopsie im Kernspintomographen

23.05.2001


Direkt im Kernspintomographen können mit dem vom Forschungszentrum Karlsruhe und der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickelten Biopsie- und Therapiesystem Gewebeproben bei Brustkrebs-Verdacht entnommen werden.


ROBITOM kann mit einer Biopsie-Nadel Gewebeproben bei Brustkrebs-Verdacht direkt im Kernspintomographen entnehmen; in Zukunft soll direkt im Anschluss an die Biopsie auch die minimal-invasive Behandlung eines Tumors möglich sein


Hochpräzises, computergesteuertes Biopsie- und Therapiesystem für Brustkrebs besteht ersten klinischen Einsatz


Die Diagnostik von Brustkrebs (Mammakarzinom) in der Frühphase hat sich durch die Einführung der Magnet-Resonanz-Mammographie erheblich verbessert. In enger Zusammenarbeit zwischen dem Forschungszentrum Karlsruhe und der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist nun ein neuartiges Gerät entwickelt worden, welches direkt im starken Magnetfeld eines Kernspintomographen einen neu entdeckten Kleinsttumor computergestützt biopsieren und therapieren kann. Fernziel ist die Entdeckung und therapeutische Entfernung des Tumors in einem einzigen Untersuchungsgang. Erste klinische Versuche in der Universitätsklinik Jena verliefen erfolgreich.

Das Mammakarzinom stellt wegen seiner Häufigkeit und seiner hohen Sterblichkeitsrate ein großes medizinisches, psychologisches und gesundheitspolitisches Problem dar. In westlichen Ländern ist es die häufigste Krebsart bei Frauen und die häufigste Todesursache der Altersgruppe unter 50 Jahren, obwohl diese Tumoren relativ langsam wachsen und deshalb bei frühzeitiger Erkennung vor einer Metastasierung leicht entfernt werden könnten. Erst seit der Einführung der Magnet-Resonanz-Mammographie vor 17 Jahren hat sich die Früherkennung stark verbessert: Nun können die Tumoren schon ab etwa 3 mm Durchmesser mit der höchsten Genauigkeit aller bildgebenden Methoden nachgewiesen werden. Mit den Verbesserungen in der Diagnostik wurde nun auch die Therapie hin zu minimal-invasiven, ambulanten und patientenschonenden Verfahren weiterentwickelt.

Die technischen Anforderungen bei der Entwicklung von Geräten für den Einsatz in Kernspintomographen werden durch die dort herrschenden extrem hohen Magnetfelder (bis zu 3 Tesla, was dem 50.000-fachen des Erdmagnetfeldes entspricht) vorgegeben: Einerseits müssen die eingebrachten Geräte in diesen Feldern noch einsatzfähig sein, andererseits darf ihr Einsatz die exakten Bilder aus dem Tomographen nicht stören. Damit kommen für den Aufbau nur nicht magnetisierbare Materialien wie Kunststoffe, Keramiken oder Titan sowie spezielle Antriebe und Mess-Sensoren in Frage.
In einer Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Institut für Medizintechnik und Biophysik des Forschungszentrums Karlsruhe wurde nun ein hochpräzises Biopsie- und Therapiesystem entwickelt, welches direkt im starken Magnetfeld eines Kernspintomographen einen neu entdeckten Kleinsttumor computergestützt biopsieren und therapieren kann. Das Fernziel dieser wissenschaftlichen Kooperation ist die Entdeckung und therapeutische Entfernung des Tumors in einem einzigen Untersuchungsgang, und zwar auf ambulantem Wege in nur 30 Minuten. Die Vorteile einer frühen Diagnostik und einer minimal-invasiven Therapie, z. B. durch Kryo- oder Lasertherapie, werden so kombiniert.
"Die Gewebeentnahme kann nach lokaler Betäubung der Einstichstelle mit einer Biopsienadel direkt im Tomographen erfolgen", erläutert Dr. Harald Fischer, der das Projekt im Institut für Medizintechnik und Biophysik des Forschungszentrums Karlsruhe leitet. "Dabei kann die Lage der Biopsienadel jederzeit kontrolliert werden. Es ist also sichergestellt, dass die Gewebeprobe genau an der Verdachtsstelle entnommen wird."
Nach verschiedenen Vorversuchen konnte das Verfahren im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena erstmals an Patientinnen eingesetzt werden. Die durchgeführten Biopsien verliefen erfolgreich.
Das Gerät mit dem Namen ROBITOM (Robotic system for biopsy and interventional therapy of mammary lesions) soll nun so weiterentwickelt werden, dass in einem einzigen Behandlungsvorgang Diagnose, Biopsie und gegebenenfalls auch Therapie durchgeführt werden. Nach histologischer Bestätigung des Krebsverdachts durch die Biopsie kann sofort eine minimal-invasive Behandlung des Tumors erfolgen. Der gesamte Eingriff wird weniger als 30 Minuten dauern. Die Patientin kann sofort nach der ambulanten Diagnostik und Entfernung des Mammakarzinoms das Klinikum wieder verlassen. Die Behandlung wird damit nicht nur sicherer und kostengünstiger, sondern auch wesentlich schonender für die Patientinnen.
"Die Patientin der Zukunft kommt um 9 Uhr in die Klinik, erfährt 10 Minuten später, dass sie einen kleinen bösartigen Tumor hat, um 9.20 Uhr ist dieser Tumor biopsiert und um 9.30 Uhr durch minimal-invasive Methoden entfernt. Wenn sie nach Hause geht, hat sie erfahren, dass sie zwar einen Brustkrebs hatte, aber gleichzeitig die erfreuliche Nachricht bekommen, dass dieser Brustkrebs in einem frühen, heilbaren Stadium entfernt wurde", so Professor Dr. Werner A. Kaiser, Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Universitätsklinik der Friedrich-Schiller-Universität Jena.


Inge Arnold | idw

Weitere Berichte zu: Biopsie Brustkrebs Kernspintomograph Mammakarzinom Radiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Starkes Übergewicht: Magenbypass und Schlauchmagen vergleichbar
17.01.2018 | Universität Basel

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie