Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entwicklung neuer selektiver Estrogenrezeptor-Modulatoren

23.05.2001


Modell für die Bindung neuartiger SERM-Antiestrogene an den Östrogenrezeptor


Medizinische Chemiker der Freien Universität (FU) untersuchen die Struktur-Wirkungsbeziehungen neuartiger hormonell wirksamer Verbindungen. Im Mittelpunkt der Arbeiten, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Forschungskommission der FU gefördert werden, steht die Entwicklung selektiver Estrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) zur Therapie von Mammatumoren.



Modell für die Bindung neuartiger SERM-Antiestrogene an den Östrogenrezeptor
Jährlich erkranken allein in Deutschland über 40.000 Frauen an Brustkrebs. Die 5-Jahresüberlebensrate könnte deutlich gesteigert werden, wenn es Alternativen zu den bisher verwendeten Medikamenten und Therapieschemata geben würde. Wie viele andere Gewebe im Körper, kann das Wachstum von Mammatumoren durch steroidale Estrogene beeinflusst werden. Das Wissen über die Wirkungsweise dieser Hormone hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Zusammen mit den Gestagen regulieren Estrogene nahezu alle Reproduktionsvorgänge bei der Frau. Sie entfalten jedoch auch eine Reihe sexual-unspezifischer Wirkungen. So fördern sie die Reifung der Knochen, erweitern kleine Blutgefäße und haben sowohl neuro- als auch kardioprotektive Effekte. In der Regel ist ihre Wirkung rezeptorvermittelt. Um aktiv werden zu können, müssen sie also an spezifische Estrogenrezeptoren (ER) ankoppeln. Im menschlichen Körper sind bisher zwei Estrogenrezeptoren (ERa und ERb) bekannt, die in den Zielgeweben in unterschiedlicher Verteilung vorliegen können.


Zur Entwicklung selektiv wirkender Tumortherapeutika können diese Rezeptoren als Carrier eingesetzt werden. Durch die Verknüpfung der Wirkprofile von Zytostatika (z.B. des Cisplatins) und echter Antiestrogene, wäre die Entwicklung einer neuen Generation hochspezifischer Therapeutika möglich. Erste Wirkstoffe dieser Substanzklasse waren in der Lage, im Tierversuch (Maus) das Wachstum hormonabhängiger Mammatumore komplett zu unterbinden.

Neben diesen Wirkstoffen entwickelt die Arbeitsgruppe um Prof. Ronald Gust am Institut für Pharmazie der FU neuartige SERM-Antiestrogene, die mit dem körpereigenen Estrogen um die Rezeptorbindung konkurrieren. Diese Substanzen sollen als gewebsspezifische Therapeutika dienen, die zwar die positiven, protektiven Effekte der Estrogene entfalten, aber keine wachstumsfördernden (proliferativen) Auswirkungen auf Brustgewebe oder Gebärmutterschleimhaut haben. Derartige Wirkstoffe wären zur vorbeugenden Behandlung des Mammakarzinoms von großem Interesse.

Besonders vielversprechend als Leitstrukturen für SERM-Antiestrogene sind die im Hause entwickelten Typ-II-Estrogene. Zu dieser Gruppe gehören heterozyklische Verbindungen des Piperazin-, Imidazolin- und Imidazoltyps. Mit Hilfe von Molecular Modelling Studien wurde ein Bindungsstellenmodell für Typ-II-Estrogene entwickelt. Es konnte gezeigt werden, dass sich - entgegen der bisherigen Annahme - nicht alle hormonell wirksamen Substanzen in identischer Weise an den Estrogenrezeptor binden, sondern dass dieser verschiedene Anker besitzt, an denen die kleinen Moleküle ankoppeln können. Entsprechend scheint auch die Genaktivierung des ER in unterschiedlicher Weise zu erfolgen.

Derzeit werden weitere Modellverbindungen synthetisiert und deren dreidimensionale Struktur mit spektroskopischen Methoden aufgeklärt. Die Bindung der Wirkstoffe wird auf molekularer Ebene im Luciferase-Assay (an der MCF7-2a-Zelllinie) verfolgt. Zusätzlich werden Estrogenrezeptorstudien im Ganz-Zell-Assay und an isolierten tierischen Uterusgewebe (Kalb) durchgeführt.

Catarina Pietschmann

Nähere Informationen erteilt Ihnen gern:
Univ.-Prof. Dr. Ronald Gust, Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin, Königin-Luise-Str. 2 u. 4, 14195 Berlin, Tel.: 030 / 838-53272, Fax: 030 / 838-53854, E-Mail: rgust@zedat.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie