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Anti-Alkoholpflaster im Testverfahren

20.04.2004


Mecamylamin als Hemmer der Trinklust



Wissenschaftler der Duke University haben erstmals ein Anti-Alkoholpflaster entwickelt. Das Pflaster, das ähnlich wie ein Nikotinblocker-Pflaster funktionieren soll, soll die Lust auf das Trinken nehmen. Erste Testversuche mit dem Pflaster werden nun durchgeführt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature. Der Wirkstoff Mecamylamin soll nämlich nicht nur die Lust auf die Zigarette, sondern auch die Lust auf das Trinken nehmen.



Jed Rose und sein Forschungsteam planen festzustellen, ob das Mecamylamin-Pflaster ähnliche Wirkungen entfaltet wie etwa die Einnahme von Mecamylamin-Pillen. In ersten Versuchen führten die Pillen nämlich dazu, dass die Probanden, die durchschnittlich zehn Drinks pro Woche zu sich nahmen, nach etwa vier Wochen nur noch sechs Drinks pro Woche konsumierten. Mecamylamin blockiert im Nervensystem Nikotin-Andockstellen, die Wohlfühlzentren im Gehirn anregen. Offenbar entfaltet Alkohol einen Teil seiner Wirkung ebenfalls über diese Andockstellen, weshalb Mecamylamin stimulierenden Getränken den Reiz nimmt, erklären die Forscher. Nach Untersuchungen scheinen nämlich Alkohol und Nikotin auf ähnliche Weise zu wirken. Das erklärt auch, warum Alkoholiker oft zur Zigarette greifen und umgekehrt Raucher im Durchschnitt häufiger trinken. Mecamylamin ist seit den 50-er Jahren bekannt. Das Medikament wurde zuerst gegen Bluthochdruck entwickelt, wirkt aber auch auf das Gehirn, indem es die Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin verhindert.

In den USA sind etwa 14 Mio. Menschen alkoholkrank, weitere Millionen trinken zu viel. Bisher gibt es bereits einige Medikamente, die die Lust auf das Trinken hemmen. Dazu zählt zum Beispiel Disulfiram, das unter dem Namen Antabuse vermarktet wird. Dieses Medikament führt dazu, dass dem Patienten bei Alkoholgenuss schlecht wird. "Das Pflaster macht Menschen nicht notwendigerweise nüchterner, aber es soll zumindest helfen, weniger zu trinken", so Rose. Forscher suchen nämlich nicht nur nach einer Behandlung, sondern auch nach einer wirksamen Vorbeugung gegen den steigenden Alkoholkonsum. In der Studie mit Mecamylamin-Pillen gab es jedoch zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

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