Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Säure weist Helicobacter den Weg

06.04.2004


Forscher entdeckten erstmals, wie sich das Magenbakterium im Schleim orientiert



Er vermehrt sich im Magenschleim, verursacht Entzündungen, Geschwüre und erhöht das Risiko für Magenkrebs: Helicobacter pylori ist ein Bakterium, das im Magenschleim lebt und sich dort vermehrt - der Schleim umgibt die Magenwände von innen und schützt sie so vor der selbst produzierten Säure. Wie es dem Krankheitserreger gelingt, sich im Schleim zu orientieren, fanden jetzt erstmals Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gemeinsam mit Forschern der Universitäten Bochum und Würzburg heraus: Helicobacter nutzt den Säuregradienten im Schleim - vom sauren pH-Wert im Mageninnenraum bis zum fast neutralen pH-Wert direkt an der Zellschicht der Magenwände. Zum ersten Mal gelang es auch, dies in vivo, also im Magen von narkotisierten lebenden Tieren, zu untersuchen. Die Ergebnisse werden heute am 6. April 2004 im amerikanischen Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Sie könnten dazu dienen, die Wirkung der bislang erfolgreich eingesetzten Medikamente zu verstehen und in Zukunft noch effektivere Substanzen zu entwickeln.



"Bislang wussten wir nicht, was Helicobacter den Weg weist", sagt Professor Dr. Sebastian Suerbaum, Direktor der MHH-Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, der die Untersuchung gemeinsam mit Privatdozent Dr. Sören Schreiber vom Institut für Physiologie der Universität Bochum geleitet hat. Das Problem für Helicobacter: Ständig produzieren Drüsen der Magenschleimhaut eine große Menge an Schleim, der an der Oberfläche der Schleimschicht im Innenraum beständig abgetragen wird. Das Bakterium muss also beweglich sein, um sich - wie auf einem Fließband - an der bevorzugten Stelle in der Nähe der Schleimhautzellen aufzuhalten. Nur dort herrschen die idealen Bedingungen, unter denen der Keim sich wohl fühlt und über längere Zeit gedeihen kann. "Aus anderen Untersuchungen wissen wir, dass sich bewegliche Bakterien an Konzentrationsunterschieden chemischer Substanzen, so genannten Gradienten, orientieren", sagt Professor Suerbaum. Deshalb untersuchten die Forscher drei verschiedene chemische Gradienten innerhalb der Schleimschicht: den Säuregradienten (pH-Wert), den Kohlensäure-Gradienten (Bikarbonat/CO2) und den Harnstoff-Gradienten (Urea/Ammonium).

Das Ergebnis: Wird der Säuregradient aufgehoben, verliert Helicobacter die Orientierung und verteilt sich im gesamten Schleim - die Störung der anderen Gradienten hatte keine Auswirkungen. "Das könnte erklären, warum die bislang eingesetzten Medikamente gegen Helicobacter, Antibiotika in Kombination mit Protonenpumpen-Hemmern, so erfolgreich sind: Protonenpumpen-Hemmer lassen den pH-Wert im Hohlraum ansteigen", sagt Professor Suerbaum. "Mit diesem Wissen könnten neue Medikamente entwickelt werden, die auf das chemotaktische System von Helicobacter zielen. Auch die Untersuchung nicht allein an Zellkulturen, sondern am komplexen System in einem Tiermodell kann uns helfen, die Wechselwirkungen zwischen Bakterien und ihren Wirten sehr viel besser zu verstehen."

Weitere Informationen gibt gern Professor Dr. Sebastian Suerbaum, Telefon: (0511) 532-6770, oder per-E-Mail: suerbaum.sebastian@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Berichte zu: Bakterium Gradient Helicobacter pyleri Säuregradient

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise