Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HIV: Zahl der Neuinfektionen steigt wieder an

01.04.2004


Infektiologische Tagung am Samstag, 3. April, in Würzburg



Die HIV-Epidemie könnte in Deutschland eine neue Dynamik erhalten, warnt das Robert-Koch-Institut (Berlin): War bis Ende der 90er-Jahre die Zahl der Neuinfektionen stetig gesunken, so stieg sie von knapp 1.500 im Jahr 2000 auf 1.700 für 2003. Dieser bundesweite Trend lässt sich auch am Klinikum der Uni Würzburg nachvollziehen, wie der Infektiologe Hartwig Klinker im Vorfeld einer Tagung in Würzburg sagte.

... mehr zu:
»Aids »HIV »Neuinfektion


Klinker leitet an der Medizinischen Poliklinik die Leber- und Infektionsambulanz, wo ständig 250 HIV-Patienten aus ganz Unterfranken und angrenzenden Gebieten betreut werden. "Vor allem bei homosexuellen Männern sind bundesweit deutlich mehr Neuinfektionen zu verzeichnen", so Dr. Klinker: Im Jahr 2003 seien bei dieser Gruppe laut Robert-Koch-Institut 25 Prozent mehr Neuinfektionen registriert worden als 2002.

Der Würzburger Mediziner sieht hierfür mehrere Gründe: Aufklärungskampagnen wurden zurückgefahren, die Männer schützen sich heute deutlich seltener vor der Infektion. "In den 80er- und 90er-Jahren hatte fast jeder Homosexuelle in seinem Bekanntenkreis einen Todesfall durch Aids, die Leute hatten Angst und verhielten sich entsprechend vorsichtig." Heute ist die Situation anders: Durch neue Medikamente ist die HIV-Infektion zwar nicht heilbar, aber doch behandelbar geworden. Die Betroffenen können in der Regel lange und gut mit der Infektion leben, und das hat nach Ansicht von Klinker die Auswirkung, "dass Aids besonders für junge Homosexuelle sehr weit weg ist. Sie kennen zwar vielleicht jemand, der infiziert ist. Weil der aber durch die Therapie gesund bleibt, wirkt die Krankheit nicht mehr so bedrohlich."

Zurzeit stehen für die Behandlung der HIV-Infektion 20 Medikamente zur Verfügung, die miteinander kombiniert werden. Die Patienten müssen mindestens drei, manchmal auch vier oder fünf Präparate gleichzeitig einnehmen. Durch diese Dauerbehandlung wird die Vermehrung der Viren unterdrückt, Aids bricht nicht aus.

Die Nebenwirkungen der Therapie können aber beträchtlich sein. Sie reichen von Übelkeit und Durchfall bis hin zu Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder Veränderungen des Blutbildes. Bei 30 Prozent der Patienten kommt es laut Klinker zu einer so genannten Lipodystrophie: Die Fettverteilung im Körper verändert sich. Am Bauch oder im Nacken sammelt sich vermehrt Fett an, während es sich an Armen, Beinen und Wangen zurückbildet. "Dadurch sehen die Betroffenen sehr krank aus", wie Klinker sagt. Oft komme es zusätzlich zu einer Störung des Fettstoffwechsels, zur Erhöhung des Cholesterins und der Fettsäuren im Blut - mit den bekannten Risiken: Gefäßverschluss, Herzinfarkt, Schlaganfall.

"Wir wissen nicht, woher diese ernst zu nehmende Langzeit-Nebenwirkung kommt", so Klinker. Fest stehe bislang nur, dass nicht die Medikamente allein dafür verantwortlich seien. Mit solchen und anderen Aspekten der HIV-Erkrankung sowie mit dem Thema Virushepatitis befasst sich am Samstag, 3. April, das 3. Würzburger Infektiologische Symposium. HIV und Hepatitisviren haben viele Gemeinsamkeiten - angefangen von den Infektionswegen bis hin zur Diagnostik und Therapie - und werden darum im Doppelpack diskutiert.

Auch die Hepatitisformen B und C verlaufen oft chronisch und ziehen schwere Folgekrankheiten nach sich, nämlich eine Leberzirrhose bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen, unter Umständen gefolgt von Leberkrebs, der nach wie vor schlecht zu behandeln ist. Allein in der Infektionsambulanz der Würzburger Uni wurden in den vergangenen fünf Jahren rund 400 Hepatitis-B-Infizierte behandelt und an die 1.200 Patienten mit der C-Variante des Virus. Der größte Unterschied zu HIV: Beide Formen der Hepatitis sind heilbar.

Das Symposium findet im Philosophiegebäude der Universität am Hubland statt und wird von Klinker und seinen Mitarbeitern organisiert. Die Veranstalter rechnen mit 300 Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet. Dabei handelt es sich vorwiegend um Ärzte, zum geringeren Teil um Vertreter von Selbsthilfegruppen oder Patienten.


Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.medpoli.uni-wuerzburg.de/hepinf/2004.htm#v2

Weitere Berichte zu: Aids HIV Neuinfektion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie