Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entwicklung hochaktiver Calcitonin-Analoga

01.05.2001


... mehr zu:
»Analoga »Calcitonin »Hormon
Synthetisches Hormon senkt den Calciumspiegel im Blut 400-fach schneller ab als bisher erreichbar

In Deutschland leiden ca. 6 Millionen Menschen an Osteoporose. Bei diesem kontinuierlichen, krankhaften Knochenschwund ist die Knochensubstanz um mehr als 30-40 % vermindert. Die Folge sind poröse Knochen, häufige Knochenbrüche und chronische Schmerzen. Das Hormon Calcitonin, ein Peptid aus 32 Aminosäuren, ist heutzutage das Medikament der Wahl, denn es hemmt den Knochenabbau, indem es der Calciumfreisetzung aus den Knochen entgegenwirkt und den Calciumspiegel im Blut senkt. Bisher musste dabei zumeist auf das synthetisch hergestellte Lachs-Calcitonin zurückgegriffen werden, denn humanes Calcitonin hat auf Grund seiner schwachen pharmakologischen Wirksamkeit kaum therapeutische Bedeutung. Lachs-Calcitonin ist in seiner Sequenz allerdings nur zu 50 % mit dem humanen Calcitonin identisch und verursacht damit häufig eine so genannte Desensibilisierung bei Langzeitpatienten. Das Medikament wirkt in der vorgegebenen Dosis nicht mehr. Therapieunterbrechung und Dosiserhöhung sind die Folge, die einhergehen mit unangenehmen Nebenwirkungen.

Forscher vom Physiologisch-chemischen Institut der Universität Tübingen haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart synthetische Analoga des humanen Calcitonins entwickelt. Diese Analoga weisen im Tiermodell eine um ein Vielfaches erhöhte hypocalcämische Aktivität auf, wobei eine sehr hohe strukturelle Identität zum natürlichen Hormon erhalten bleibt. Insgesamt mehr als 10 verschiedene Analoga wurden durch spezielle peptidsynthetische Methoden hergestellt, die sich nur minimal von der humanen Sequenz unterscheiden. Einem dieser Analoga, dem Analog CC19, fällt dabei überragende Bedeutung zu. »Dieses Analog hat eine 400-fach höhere hypocalcämische Wirkung, senkt also den Calciumspiegel im Blut 400-fach schneller ab als humanes Calcitonin und ist 4-mal potenter als das bisher beim Patienten eingesetzte Lachs-Calcitonin«, erklärt Dr. A. Kapurniotu, in deren Labor in Tübingen die grundsätzlichen Arbeiten zur Analogentwicklung durchgeführt wurden. Damit ist das Analog CC19 das bisher einzig bekannte Calcitonin mit einer höheren Aktivität als Lachs-Calcitonin. Die Entwicklung dieser hochaktiven synthetischen Hormone ist durch Stabilisierung der Proteinstruktur gelungen, die durch Ringbildung der Analoga erreicht wurde. Spektroskopische Methoden weisen dabei auf eine so genannte beta-Turn/beta-Faltblatt-Konformation in der Region zwischen den Aminosäureresten 17 und 21 hin. Bisher war beim Calcitonin nur eine alpha-Helix-Struktur bekannt. Darin dürfte nun die Ursache für die höhere Stabilität und damit Aktivität liegen.

Aufgrund der Nebenwirkungen des Lachs-Calcitonins ist die Entwicklung von pharmakologisch hochwirksamen humanen Calcitonin-Analoga von größtem medizinischen Interesse. Die entwickelte Molekülstrategie, die bereits durch zwei Patente abgesichert wurde, bietet hierfür potenzielle Kandidaten. Sie sollten nicht nur biologisch aktiver sein, sondern auch im menschlichen Körper langsamer abgebaut werden. Dadurch wäre die Einnahme von Medikamenten nicht mehr so häufig notwendig und längereTherapiezyklen sowie das Fehlen von Nebeneffekten dürften mit den neuen Calcitonin-Analoga nicht mehr in weiter Ferne liegen.


Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:

PD Dr. Aphrodite Kapurniotu
(Physiologisch-chemisches Institut, Universität Tübingen)
Telefon +49 (0) 7071 / 2 97 87 81
Telefax +49 (0) 7071 / 2 97 87 81
E-Mail afroditi.kapurniotu@uni-tuebingen.de

PD Dr. Jürgen Bernhagen
(Fraunhofer IGB, Stuttgart)
Telefon: +49 (0) 711 / 9 70 40 20
Telefax: +49 (0) 711 / 9 70 42 00
E-Mail Juergen.Bernhagen@igb.fhg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Claudia Vorbeck | idw

Weitere Berichte zu: Analoga Calcitonin Hormon

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Neue Therapie gegen osteoporosebedingte Knochenbrüche
26.09.2016 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Idealer Ablauf für GMP-konforme Projekte

26.09.2016 | Veranstaltungen

Einsteins Geburtsstadt wird für eine Woche Hauptstadt der Physik

23.09.2016 | Veranstaltungen

Industrie und Wissenschaft diskutieren künftigen Mobilfunk-Standard 5G auf Tagung in Kassel

23.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Leuchtender Zufall

26.09.2016 | Physik Astronomie

Monsunregen in China und Australien: riesige Wippe entdeckt

26.09.2016 | Geowissenschaften

Neue Mechanismen der Frosttoleranz von Pflanzen aufgedeckt

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie