Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wahrnehmung von Schmerzen wird durch frühere Schmerzereignisse beeinflusst

19.03.2004


Mechanismen des Lernens vom Tiermodell auf den Menschen übertragen - Prozess bei chronischen Schmerzpatienten eventuell verselbstständigt



Die Wahrnehmung von Schmerzen als stärker oder schwächer kann durch ein vorangegangenes Schmerzereignis beeinflusst werden. Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zeigen in einer Veröffentlichung des renommierten Journal of Neuroscience, dass die - für die Wahrnehmung des Schmerzes verantwortliche - Übertragung elektrischer Impulse an den Verbindungen der Nervenzellen im Rückenmark über eine lange Zeit gesteigert oder abgeschwächt werden kann und zwar in Abhängigkeit von der Art des vorangehenden schmerzhaften Reizes. Damit konnte ein zelluläres und tierexperimentelles Modell für synaptische Plastizität, das diesen Prozess der Schmerzübertragung erklären könnte, nun auch auf den Menschen übertragen werden. Die Erkenntnisse könnten nach Darstellung von Dr. Thomas Klein vom Institut für Physiologie und Pathophysiologie unter anderem auch für das Verständnis von chronischen Schmerzen hilfreich sein und die Wirkung bestimmter Behandlungs-methoden wie z.B. Akupunktur erklären.

... mehr zu:
»LTP »Ltd »Schmerzwahrnehmung


Die Erforschung von Langzeitpotenzierung (LTP) und Langzeitdepression (LTD) synaptischer Übertragungsstärke ist Gegenstand intensiver Bemühungen bei der Klärung von Mechanismen synaptischer Plastizität, welche als grundlegende Prozesse für Lernen und Gedächtnisbildung angesehen werden. Bislang fehlen allerdings noch direkte Belege, welche Rollen LTP und LTD bei der Initiierung und Modulation des menschlichen Verhaltens spielen. In der Arbeit "Perceptual correlates of nociceptive long-term potentiation and long-term depression in humans" (J Neurosci. 2004 Jan 28;24(4):964-71) von Dr. Thomas Klein aus der Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede am Institut für Physiologie und Pathophysiologie wird dieser Zusammenhang anhand des schmerzverarbeitenden (nozizeptiven) Systems untersucht.

Dabei machten die Autoren die Beobachtung, dass bestimmte hoch- bzw. niederfrequente elektrische Reizprotokolle, die im Tiermodell entweder LTP oder LTD auslösen, beim Menschen einerseits zu einer LTP-ähnlichen, lang andauernden Zunahme der Schmerzwahrnehmung (Hyperalgesie; nozizeptive LTP), andererseits zu einer LTD-ähnlichen, lang andauernden Abnahme der Schmerzwahrnehmung führten (Hypoalgesie; nozizeptive LTD).

Die LTP-ähnliche Zunahme der Schmerzwahrnehmung ist wahrscheinlich an der Chronifizierung von bestimmten Schmerzprozessen beteiligt, bei denen Patienten über lange Zeit Schmerzen erleben, obwohl das auslösende Ereignis oft schon Jahre zurückliegt und keine organischen Defekte zurückgeblieben sind. Möglicherweise bildet die Langzeitpotenzierung der synaptischen Übertragung die neu-robiologische Grundlage für diese über Jahre gesteigerte Schmerzwahrnehmung. Dagegen scheinen die LTD-ähnlichen Prozesse zu schmerzlindernden Effekten (Analgesie) beizutragen, die bei der erfolgreichen Behandlung von Schmerzen durch die sogenannte transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) oder aber auch bei bestimmten Formen der Akupunktur auftreten können. Die Autoren hoffen, mit den in ihrer Arbeit aufgezeigten Mechanismen einen Beitrag für die Aufklärung der Rolle von LTP und LTD beim Menschen im Allgemeinen und - im Bezug auf das nozizeptive System - einen weiteren Schritt zu einem besseren Verständnis der Mechanismen chronischer Schmerzen geleistet zu haben.

Kontakt und Informationen:

Institut für Physiologie und Pathophysiologie
Dr. Thomas Klein
Tel. 06131 39-20177, Fax -25902
E-Mail: thoklein@uni-mainz.de

Dr. Thomas Klein | idw
Weitere Informationen:
http://www.physiologie.uni-mainz.de/physio/treede/index.htm

Weitere Berichte zu: LTP Ltd Schmerzwahrnehmung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten