Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welttuberkulosetag 2004: besorgniserregende Resistenzentwicklung

16.03.2004


Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose & Robert Koch-Institut



Antibiotikaresistenzen bei Tuberkulose-Erregern sind weltweit verbreitet, und in einigen Regionen, darunter Osteuropa, haben sie erschreckende Ausmaße angenommen. Das sagte Kitty Lambregts von der "STOP TB-Kampagne" der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Vorstellung der globalen TB-Medikamenten-Resistenzstudie der WHO in Berlin. "Tuberkulose und resistente Erreger machen an den Grenzen nicht halt", stellt die WHO fest. Auch in Deutschland war bei der Resistenzentwicklung im Jahr 2002 eine steigende Tendenz gegenüber dem Vorjahr erkennbar. Der Anteil der isolierten Tuberkulose-Erreger mit einer Resistenz gegen mindestens eines der fünf Standardmedikamente lag bei 12,1 Prozent (2001: 10,9 Prozent). "Die Tuberkulose muss daher auch in Deutschland mit allen Mitteln verhindert und therapiert werden", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts.

... mehr zu:
»DZK »NUS »Resistenzentwicklung »Tuberkulose »Who


Weltweit tragen rund zwei Milliarden Menschen das Bakterium in sich, es erkranken jährlich über acht Millionen Menschen an Tuberkulose, ein Drittel davon stirbt an den Folgen der Erkrankung, obwohl es wirksame Medikamente und eine effiziente Strategie der WHO zur Behandlung und Kontrolle gibt ("DOTS" bzw. "DOTS-PLUS"). Bei unregelmäßiger oder abgebrochener Medikamenteneinnahme überleben vor allem solche Bakterienstämme, die unempfindlich gegen die verfügbaren Medikamente sind, also eine Resistenz besitzen. Dann ist die Behandlung sehr viel schwieriger und um ein Vielfaches teurer.

In den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (NUS) hat sich die Sterblichkeit an Tuberkulose seit 1990 nahezu verdreifacht auf 20 pro 100.000 Einwohner. Viele Personen werden aufgrund von Bagatelldelikten zu langen Haftstrafen verurteilt. In den Gefängnissen begünstigen schlechte hygienische Verhältnisse und Überfüllung eine Übertragung der Erreger. "Wegen der völlig unzureichenden medizinischen Versorgung kann eine Tuberkuloseerkrankung gleichbedeutend mit einem Todesurteil sein", meint Robert Loddenkemper, Lungenfacharzt in der Lungenklinik Heckeshorn (Berlin) und Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK). Das DZK, das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien, die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und andere deutsche Institutionen engagieren sich auch international bei der Bekämpfung der Tuberkulose vor Ort. Hinzu kommt, dass in den NUS der weltweit höchste Anstieg von HIV/AIDS beobachtet wird. "Damit ist dort eine weitere Zunahme der Tuberkulose zu befürchten, weil das durch HIV geschwächte Immunsystem dem Tuberkuloseerreger kaum etwas entgegenzusetzen hat", unterstreicht RKI-Präsident Kurth.

In Deutschland wurden im Jahr 2002 insgesamt 7.684 Neuerkrankungen gemäß Referenzdefinition übermittelt. Der Trend der vergangenen zehn Jahre ist rückläufig. Für 2001 liegen nun erstmals auch die vom Öffentlichen Gesundheitsdienst erhobenen Daten zum Behandlungsergebnis vor. Die Zielvorgabe der WHO (Behandlungserfolg in 85% der Fälle) wurde bei den unter 40-Jährigen erreicht. Bei höheren Altersgruppen kommt es zu einem Anstieg von Todesfällen an Tuberkulose oder anderen Ursachen, sodass der Anteil erfolgreicher Behandlungen deutlich unter das WHO-Ziel sinkt.

Heidrun Wothe | idw
Weitere Informationen:
http://www.who.int

Weitere Berichte zu: DZK NUS Resistenzentwicklung Tuberkulose Who

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie