Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Britische Regierung erlaubt Anbau von gv-Mais

15.03.2004


Die britische Regierung hat den Anbau von herbizidresistentem Mais zugestimmt - allerdings zeitlich begrenzt und unter einschränkenden Auflagen. Dagegen wird der Anbau von Raps und Zuckerrüben vorerst nicht erlaubt. Dennoch haben vor allem Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisationen die Entscheidung begrüßt. Kritik gab es von Umweltverbänden.


Margret Beckett, britische Umweltministerin: "Die FSE-Versuche haben weitreichende Fragen aufgeworfen zu Anbaukonzepten und ihrer Beziehung zur Umwelt. Sie haben auch den Fall-zu-Fall-Ansatz bekräftigt. Es gab keinen offenkundigen Unterschied zwischen gv- und konventionellen Pflanzen. Die besten, aber auch die schlechtesten Ergebnisse für die Umwelt lieferten Versuche mit konventionellen Pflanzen."



Die Entscheidung der Regierung, die Umweltministerin Margret Beckett am 9. März 2004 vor dem Unterhaus begründete, stützt sich auf die Ergebnisse einer dreijährigen Versuchsserie (FSE, Farm-Scale Evaluations), deren Ergebnisse im Herbst veröffentlicht wurden. Dabei ging es um die Auswirkungen verschiedener Unkrautbekämpfungs- Konzepte auf die Artenvielfalt. Für Mais, Raps und Rüben sollte herausgefunden werden, ob die neuen Systeme aus gentechnisch veränderten Pflanzen und passendem Komplementärherbizid hinsichtlich der Agrar-Biodiversität besser abschneiden als die derzeit in der Landwirtschaft üblichen Methoden.

... mehr zu:
»Artenvielfalt


Fragen der Produktsicherheit von gv-Pflanzen, können im Rahmen der vorgeschrieben Sicherheitsbewertung auf solider wissenschaftlicher Basis beantwortet werden. Auch akute toxische Auswirkungen auf andere Organismen oder ihr Verunkrautungspotenzial lassen sich vor der Zulassung einer gv-Pflanze einschätzen. Mögliche Folgen des Anbaus herbizidresistenter Pflanzen für die Artenvielfalt bei Pflanzen, Insekten oder Vögeln wurden aus Sicht der britischen Regierung dagegen in den Zulassungsverfahren nicht befriedigend berücksichtigt. Um diese Wissenslücke zu schließen, hatte sie die FSE-Untersuchungen in Auftrag gegeben.

Konsequent setzt die britische Regierung nun die Ergebnisse um.

Raps und Rüben: Kein Umweltvorteil, kein Anbau. Bei Zuckerrüben und Raps werden keine herbizidresistenten Sorten zugelassen wie sie im Rahmen der FSE-Studien getestet wurden. Entsprechenden Zulassungsanträgen in der EU will Großbritannien nicht zustimmen.

Bei Raps und Rüben hatten sich die derzeit üblichen konventionelle Unkrautbekämpfungskonzepte als weniger schädlich für die Agrar-Biodiversität gezeigt als solche mit herbizidresistenten Pflanzen.

Mais: Anbau ja, aber.... Bei Mais hingegen wird der Anbau herbizidresistenter Sorten erlaubt. Die HR-Konzepte mit gv-Mais hatten vor allem deshalb besser abgeschnitten, da das in Großbritannien übliche Herbizid Atrazin die Felder besonders gründlich aufräumt und Unkräuter fast vollständig vernichtet.

Die EU-Zulassung für Atrazin läuft jedoch 2006 aus. Spätestens dann müssen beim Maisanbau weniger umweltschädliche Herbizide eingesetzt werden. Als Folge davon könnten die HR-System ihre "Biodiversitäts- Vorteil" gegenüber dem herkömmlichen Standard-Konzept einbüssen. Umweltministerin Margret Beckett kündigte an, weitere Untersuchungen dazu durchführen zu wollen.

Der Anbau von herbizidresistenten Mais ist nur unter jenen Bedingungen erlaubt, die sich bei den FSE-Versuchen als vorteilhaft für die Artenvielfalt herausgestellt hatten. Die Sorten der FSU-Untersuchungen gehen auf den T25-Mais zurück, der 1998 in der EU zugelassen wurde. Diese Zulassung läuft 2006 aus. Die britische Regierung will einer Verlängerung nur zustimmen, denn die Biodiversitäts-Bilanz weiterhin positiv ausfällt.

Voraussetzung für den Anbau von gv-Mais sind zudem angemessene Koexistenz-Regeln, welche das Nebeneinander landwirtschaftlicher Systeme mit und ohne Gentechnik auf Dauer sichern. Solche Regeln sollen auch in Großbritannien umgehend ausgearbeitet werden. Umweltministerin Margret Beckett erwarten einen Anbau von gv-Mais in Großbritannien nicht vor 2005.

| BioSicherheit.de
Weitere Informationen:
http://www.biosicherheit.de

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise