Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliches Hautmodell: Ersatz für Tierversuche und Testobjekt für transdermale Therapeutika

17.04.2001


... mehr zu:
»Hautmodell
Pharmazeuten der Freien Universität Berlin untersuchen zusammen mit Partnern aus Hochschule, Industrie und Behörden kommerziell verfügbare Hautmodelle, die eine Alternative zu Tierversuchen darstellen. Anlass ist
unter anderem die anstehende Novelle des Chemikaliengesetzes, die zu einem deutlichen Anstieg von Tierversuchen führen könnte.

Tierversuche werden nicht nur im Rahmen der Arzneimittelentwicklung, sondern auch für toxikologische Untersuchungen von Chemikalien aller Art durchgeführt. Die geplante Gesetzesänderung sieht vor, dass künftig nicht nur alle neu auf den Markt kommenden Chemikalien geprüft werden müssen - in der Regel an Ratten - sondern auch alle bei der Synthese entstehenden Zwischenprodukte und "Altchemikalien". Anlass für die Novelle sind unter anderem Unfälle in der Chemischen Industrie (Hoechst, Sandoz) sowie potentielle Schädigungen von Beschäftigten in der Landwirtschaft durch das großflächige Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden.

Die Anzahl der notwendigen Tierversuche lässt sich stark reduzieren, wenn sich die Aufnahme von Fremdstoffen über die Haut mit Hilfe von Versuchen an humanen Hautmodellen abschätzen lässt. Substanzen, welche die intakte Haut nicht zu durchdringen vermögen, können dann einer vereinfachten Prüfung unterzogen werden. Wie präzise diese Vorhersagen mittels der Hautmodelle sind, untersucht derzeit die Arbeitsgruppe um Prof. Monika Schäfer-Korting vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin.

Hautmodelle von reproduzierbarer Beschaffenheit lassen sich in ausreichender Menge herstellen. Dazu werden menschliche Hautzellen - so genannte Keratinozyten - auf einem Polymer regelrecht ausgesät. Durch Teilung vermehren sich die Zellen, nach Kontakt mit Luft verhornen die obersten Hautschichten anschließend wie natürliche Haut. Nach bisherigen Erkenntnissen sind diese Hautmodelle etwas durchlässiger als die gesunde menschliche Haut. Die Aufnahme von Fremdstoffen wird dadurch eher über- als unterschätzt. Ein Effekt, der dem Sicherheitsbedürfnis Rechnung trägt. Weitere Testmodelle können aus Schlachthausmaterial gewonnen werden. Vor allem die kosmetische Industrie setzt in erheblichem Umfang auf Schweinehaut. Leider ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse mit diesen Modellen auf den Menschen bis heute noch nicht ausreichend gesichert.

Unzureichend ist vor allem das Wissen darüber, in wie weit unsere Haut fähig ist, Fremdstoffe (aber auch körpereigene Wirkstoffe) umzuwandeln. Während man ursprünglich davon ausging, dass Fremdstoffe nur in der Leber abgebaut werden, wird diese Fähigkeit mittlerweile auch anderen Organen zugesprochen. Da meist nicht klar ist, ob ein Fremdstoff selbst oder seine Abbauprodukte (Metaboliten) eine Schädigung des Menschen hervorrufen, ist die Aufklärung eventueller metabolischer Fähigkeiten der Haut von großer Bedeutung.

In einem weiteren Projekt der AG Schäfer-Korting werden an Hautmodellen alternative Applikati-onswege für Arzneimittel untersucht. Denn Wirkstoffe werden heute vermehrt transdermal - also über die Haut - in den Körper geschleust. Etabliert ist dieses Verfahren bereits in der Östrogensubstitution bei Frauen in der Postmenopause. Jüngst wurden auch Testosteronpflaster zur Substitution des Androgenmangels bei Männern in die Therapie eingeführt. Wie Untersuchungen der FU-Pharmazeuten zeigten, kommt es dabei jedoch zu einer erheblichen - und individuell stark schwankenden - Umwandlung von Testosteron in nur noch sehr schwach wirksame Androgene. Dies könnte ein wichtiger Grund für das geringe Ansprechen der Patienten auf die Therapie sein.

Nähere Informationen gibt Ihnen gern:
Univ.-Prof. Dr. Monika Schäfer-Korting, Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin, Königin-Luise-Str. 2 u. 4, 14195 Berlin, Tel.: 030 / 838-53283 und -53284, Fax: 030 / 838-54399, E-Mail: msk@zedat.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw

Weitere Berichte zu: Hautmodell

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics