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Neue Therapie nach Herzinfarkt mit Wachstumsfaktoren

03.03.2004


Kardiologen der Universität Jena erzielen erstmals ermutigende Erfolge mit neuer Herzinfarkttherapie



In Deutschland treten pro Jahr etwa 277.000 Herzinfarkte auf. Hervorgerufen durch ein verschlossenes Herzkranzgefäß geht dabei gesundes Herzmuskelgewebe kaputt. Bisher beschränkte sich die Therapie darauf, das verschlossene Gefäß schnellstmöglich mit Hilfe von Blutgerinnsel-auflösenden Medikamenten oder mechanisch mittels Herzkatheter und Gefäßstütze wieder zu eröffnen. Trotz dieser Maßnahmen gehen aber viele Herzmuskelzellen aufgrund der für mehrere Stunden unterbrochenen Durchblutung zugrunde. Diese Zellen zu ersetzen ist daher Ziel der internationalen medizinischen Forschung. Kardiologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist es nun mit einem eleganten Therapieverfahren erstmals gelungen, die körpereigenen Stammzellen von Infarkt-Patienten dazu anzuregen, das zerstörte Gewebe zu ersetzen. Die ermutigenden Ergebnisse, die die Jenaer Wissenschaftler mit der Gabe von Wachstumsfaktoren erzielten, sind jetzt in der neuesten Ausgabe der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (Nr. 129 (2004) S. 424-428 vom 27.02.04) erschienen.



"Seit ca. drei Jahren wird versucht, durch körpereigene Stammzellen eine Regeneration von Herzmuskelgewebe zu erreichen", berichtet Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla. "Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwendig", weiß der Direktor der Kardiologie des Jenaer Universitätsklinikums. Den Patienten wird dabei ca. fünf Tage nach dem Infarkt Knochenmark entnommen. Über das eröffnete Herzkranzgefäß werden die aufgereinigten körpereigenen Stammzellen wieder in die Nähe des zerstörten Gewebes gebracht. Sie sollen sich in diesem Milieu in funktionsfähige Muskel- und Blutgefäßzellen umwandeln. Nachteil des Verfahrens ist die den Patienten belastende Punktion des Beckenkammes zur Gewinnung von Knochenmark. Die Aufreinigung des Marks zum lokalen Wiedereinspritzen kann zudem nur in solchen Kliniken durchgeführt werden, in denen die Voraussetzungen für Knochenmarktransplantationen gegeben sind.

Daher suchten und fanden Prof. Figulla und sein Mitarbeiter Dr. Friedhelm Küthe zusammen mit anderen Wissenschaftlern des Uniklinikums einen anderen Weg, um die Herzmuskelzellen zu reparieren. Im Zeitraum von Juli bis November 2002 wurde fünf Patienten das verschlossene Herzkranzgefäß sofort nach Ankunft in der Klinik mit einem Herzkatheter und Einbringung einer Gefäßstütze wieder eröffnet. Zwei Tage nach dem akuten Infarkt wurde dann der Wachstumsfaktor G-CSF - ein zugelassenes Medikament - in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Damit erreichten die Jenaer Wissenschaftler einen ca. 10fachen Anstieg der weißen Blutkörperchen, der mit einem etwa 25fachen Anstieg der adulten Stammzellen, die natürlicherweise im Blut kursieren, verbunden war. Die vielen im Blut zirkulierenden Stammzellen hatten nun die Möglichkeit, sich entlang des wiedereröffneten Herzkranzgefäßes im Herzinfarktareal einzunisten und das Gewebe in den folgenden Wochen partiell zu reparieren.

Zur Kontrolle des Therapieerfolges wurden die Pumpfunktion, die Wandbewegung des Herzens im Infarktareal und die Durchblutung unmittelbar vor der Entlassung der Patienten und nach drei Monaten kontrolliert. Die Wissenschaftler haben damit weltweit erstmalig den Beweis erbracht, dass sich die Funktion der linken Herzkammer sowie die Durchblutung des vom Infarkt betroffenen Areals des Herzmuskels nach einer Therapie mit Wachstumsfaktoren deutlich verbessert hat. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse waren so ermutigend, dass die Behandlung in der Zwischenzeit an weiteren acht Patienten durchgeführt wurde. Zwischenergebnisse bestätigen die bei den ersten fünf Patienten erhobenen positiven Befunde.

"Das Besondere dieser Methode besteht u. a. auch in der einfachen Durchführbarkeit und der geringen Belastung des Patienten", sagt Dr. Küthe. Zudem könne das Verfahren in allen Krankenhäusern, welche Akut-Rekanalisationen von verschlossenen Herzkranzgefäßen durchführen, eingesetzt werden, betont der Jenaer Wissenschaftler.

Kontakt:

Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla
Klinik für Innere Medizin I der Universität Jena
Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Tel.: 03641 / 9324101
E-Mail: ingrid.nebe@med.uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.thieme-connect.com/DOI/DOI?10.1055/s-2004-820061

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