Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immun-Botenstoffe zeigen OP-Belastung an

01.03.2004


Mit Immun-Monitoring lässt sich der Eingriff besser planen


Nach einem schweren Unfall ist das Immunsystem in Alarm versetzt; die Immunzellen sind besonders aktiv, Immun-Botenstoffe (Zytokine) werden verstärkt produziert. Bislang wusste man zwar, dass das Ausmaß der Not-Operationen nach einem schweren Unfall eine zusätzliche Belastung darstellen kann. Allerdings mussten sich Mediziner bis vor kurzem auf sehr grobe Messgrößen (Blutdruck, Urinproduktion, Abfall der Körpertemperatur während der Operation, Änderungen der Blutgerinnung) verlassen, um die Belastung abzuschätzen.

Dass Ärzte mittlerweile über subtilere Messmethoden verfügen, die zusätzliche Belastung durch die Operation zu bestimmen, belegte nun ein Team um Professor Dr. Hans-Christoph Pape und Professor Dr. Christian Krettek, Direktor der Unfallchirurgischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Als Auszeichnung wurde die Studie für eine Sondersitzung, den "Speciality day", auf dem amerikanischen Orthopädenkongress (American Association of Orthopedic Surgeons, 10. bis 14. März in San Francisco, USA) vorgesehen.


An der randomisierten, prospektiven Studie nahmen insgesamt 35 Schwerverletzte aus drei Kliniken teil: aus der MHH, dem St. James’s University Hospital in Leeds, Großbritannien, und dem Uleval University Hospital, Oslo, Norwegen. Alle Patienten hatten vergleichbare Verletzungen: einen Bruch des Oberschenkel-Knochens und weitere, besonders schwere Verletzungen anderer Körperteile. Eine erste Gruppe (17 Patienten) versorgten die Ärzte sofort mit einem Knochenmarknagel, der den Oberschenkel stabilisierte. Die zweite Gruppe (18 Patienten) erhielt zunächst einen Fixateur, der die Knochen von außen in der richtigen Lage hielt. Erst in einem zweiten Eingriff setzten hier die Unfallchirurgen den Marknagel ein. Bei allen Patienten nahmen die Ärzte vor der Operation sowie sieben, 24 und 48 Stunden nach dem Erst-Eingriff Blut ab und untersuchten den Anstieg der Immun-Botenstoffe Interleukin 1, Interleukin 6 und Interleukin 8.

Die Ergebnisse: Bei den Patienten, die sofort mit einem Marknagel versorgt wurden, fanden die Forscher nach der Operation deutlich mehr entzündungssteigerndes Interleukin 6; dieser Anstieg trat bei der zweiten Gruppe nicht auf. "Eine Marknagelungs-Operation beeinflusst offensichtlich stark das Immunsystem", sagt Professor Dr. Hans-Christoph Pape. "Mit dem Immun-Monitoring können wir künftig bei Schwerverletzten in einem stabilen Zustand besser entscheiden, wann der Zeitpunkt für die Operation am geeignetsten ist - damit neben der Belastung durch den Unfall nicht noch eine zu hohe Belastung durch die Operation kommt." Vorangegangene Studien hatten gezeigt, dass bei Schwerverletzten mit besonders hohen Interleukinwerten häufiger ein Organversagen auftritt. "Diese Gefahr können wir nun im Vorfeld besser erkennen und versuchen, zunächst die Brüche der Patienten von außen zu stabilisieren und zu einem späteren Zeitpunkt die eigentliche Operation durchzuführen", sagt Professor Pape.

Weitere Informationen gibt gern Professor Dr. Hans-Christoph Pape, Telefon: (0511) 532-2028, E-Mail: Pape.Hans-Christoph@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Berichte zu: Immun-Botenstoff Immun-Monitoring

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie