Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Nierenpolyzystose – Sensorische Mikrosensoren auf der Oberfläche der Epitheliumzellen der Nieren

26.02.2004


Die dominierende autosomale Nierenpolyzystose (PKRAD) ist eine häufig vorkommende genetische Krankheit. Sie ist der Auslöser für 10-15% der chronischen Endniereninsuffizienz und betrifft eine von 1000 Geburten. In Frankreich sind ungefähr 60.000-80.000 Patienten betroffen. Charakteristisch für diese PKRAD Krankheit ist das Vorhandensein zahlreicher Zysten in beiden Nieren, die sich mit einer gelben, mitunter blutigen oder infizierten Flüssigkeit füllen. Die Zysten entwickeln sich, werden größer und komprimieren die gesunden Teile der Nieren, was zur Nierenschwäche führt. Erste Symptome treten im Alter von 25-30 Jahren auf, obwohl sich die Zysten schon während der Embryogenese entwickelten.


Derzeit gibt es keine effiziente Behandlung dieser Krankheit.

PKRAD wird von einer Fehlfunktion der sogenannten Polyzystinen verursacht. Die Polyzystine sind eine Familie von Proteinen, die eine kritische, jedoch nur unzureichend bekannte Rolle bei der Entwicklung und Gestaltung der Nieren spielen. In 85% der Fälle ist die Ursache der Krankheit eine Mutation des Gens von Polyzistin 1, einem Protein, das durch Adhäsion mit den Zellen verbunden ist. In 15% der Fälle ist die Ursache der Krankheit eine Mutation des Gens von Polyzystin 2, einem Protein, das einen Kalziumkanal in der Membrane der Epitheliumzellen formiert. Bisher war jedoch war die genaue Rolle der Polyzystine weitgehend unbekannt.


Ein Forscherteam der Universität von Marseille in Südfrankreich hat kürzlich eine Erklärung für den Mechanismus dieser Krankheit gefunden. Sie konnten zeigen, dass sich Polyzistin 1 und 2 auf der Oberfläche der Epittheliumzellen assoziieren, um makromolekulare Komplexe aufzubauen, die als Sensor auf die extrazelluläre Umgebung wirken. Diese Sensoren befinden sich meist auf den Flimmerhärchen und der externen Membrane der Epitheliumzellen. Sie werden durch mechanischen Stress aktiviert, der von der Flüssigkeitsbewegung innerhalb der Nierenröhrchen verursacht wird. Der von den Forschern gefundene Mechanismus ist folgender: diese Drucksensoren kontrollieren die Vermehrung der Nierenzellen durch Zellteilung, so dass der flüssigkeitsbedingte Druck innerhalb der Nieren konstant bleibt. Molekularmechanismen sind noch nicht vollständig untersucht, es wird jedoch vermutet, dass die Fehlfunktion dieser Sensoren die Ausdehnung der Nierenröhrchen und die Entstehung der Zysten verursacht.

Kontakt:

Patrick Delmas
Laboratoire d’intégration des informations sensorielles
Université de la Méditerranée
CNRS UMR 6150 - Institut Fédératif Jean Roche
UFR Médecine - secteur Nord
Boulevard Pierre Dramard, F-13916 Marseille 20
Email: delmas.p@jean-roche.univ-mrs.fr
Tel. +33 4 91 69 89 70

Quelle: Wissenschaft-Frankreich Nummer 48 vom 26.02.2004, Französische Botschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Kostenloses Abonnement durch E-Mail : sciencetech@botschaft-frankreich.de

Patrick Delmas | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.timone.univmrs.fr/medecine/recherche/Annuaire/Web/CREST_281.htm

Weitere Berichte zu: Epitheliumzelle Niere Nierenpolyzystose PKRAD Polyzystin Protein Zyste

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heidelberger Forscher untersuchen einzigartige Unterwasser-Tropfsteine

24.11.2017 | Geowissenschaften

Intelligentes Wassermanagement für Indiens Städte

24.11.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Forscher verwandeln Diamant in Graphit

24.11.2017 | Physik Astronomie