Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wer an Knochenschwund leidet, hat oft ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

16.02.2004


Interdisziplinäres Konzept zur Osteoporose-Therapie am Universitätsklinikum Heidelberg / Kyphoplastie richtet eingebrochene Wirbel auf


Kyphoplastie: Der eingebrochene Wirbelkörper wird mit einem Ballon aufgerichtet und durch eingespritzten Biozement stabilisiert. / Abb.: Kyphon



Knochenschwund und Arterienverkalkung sind "Volkskrankheiten" mit gemeinsamen Ursachen und Ansatzpunkten für eine wirksame Therapie. Die Behandlung durch mehrere Spezialisten kann die Lebenserwartung und Lebensqualität der Betroffenen erhöhen.



Bei einer Vortragsveranstaltung der Abteilung Stoffwechsel und Endokrinologie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Peter Nawroth) der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg am 18. Februar 2004 in Heidelberg stellten Experten des Heidelberger Klinikums ihr interdisziplinäres Konzept für die Behandlung der Osteoporose und ihrer Folge- und Begleiterkrankungen vor.

"Sowohl die Osteoporose als auch die Arteriosklerose mit ihren tödlichen Konsequenzen wie Herzinfarkt und Schlaganfall haben in den westlichen Ländern erheblich zugenommen", erklärte Privatdozent Dr. Dr. Christian Kasperk, Oberarzt und Leiter der Sektion Osteologie an der Medizinischen Universitätsklinik. Mehrere Millionen Menschen, vor allem jenseits der 60, sind in Deutschland betroffen. Für beide Erkrankungen gibt es Hinweise, dass genetische Faktoren, die Ernährung, aber besonders auch die Mobilität eine wichtige Rolle spielt. "Abnahme der Knochenmasse und Wirbelbrüche durch Osteoporose gehen mit einem erhöhten Risiko einher, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden," so Kasperk.

Gemeinsame molekulare Mechanismen bei Osteoporose und Arteriosklerose

"Beiden Erkrankungen liegen gemeinsame molekulare Mechanismen zugrunde", berichtete Prof. Nawroth. Östrogenmangel, der sowohl Osteoporose als auch Arteriosklerose befördert, geht einher mit der vermehrten Ausschüttung von Botenstoffen wie Interleukin-6 und Tumor Nekrose Faktor. Arteriosklerotische Ablagerungen enthalten Bestandteile der Knochensubstanz wie Hydroxylapatit und Kalzium. Ein Stoffwechselprodukt des Vitamin D stimuliert nicht nur den Aufbau der Knochenmatrix, sondern hemmt auch das Renin-Angiotensin-Systems, das eine wichtige Rolle bei der Blutdruckregulation spielt. Behandlung mit fettsenkenden Mitteln (Statinen) scheinen die Osteoporose günstig zu beeinflussen. Für einen genetischen Zusammenhang spricht die Beobachtung, dass Mäuse, denen bestimmte Gene fehlen, sowohl an Knochenmasse verlieren als auch Arteriosklerose bekommen.

Das interdisziplinäre Heidelberger Konzept der Osteoporosebehandlung strebt eine umfassende Stoffwechselkorrektur und Verbesserung der Mobilität der Patienten an, um Lebensqualität und Lebenserwartung zu verbessern. "In Heidelberg werden die Patienten zunächst in der Sektion Osteologie vorgestellt", erläuterte Dr. Kasperk das Konzept. Dort werden Ursachen und Ausmaß der Osteoporose abgeklärt und bei weiteren Erkrankungen zusätzlich weitere Fachdisziplinen einbezogen. Die Patienten erhalten eine individuell angepasste Therapie, die auf den internationalen, wissenschaftlich begründeten Leitlinien der Therapie zur Stärkung der Knochenfestigkeit beruht. Dadurch wird das Risiko für weitere Knochenbrüche verringert. Patienten, die an Rückenschmerzen leiden, erhalten eine an die WHO-Empfehlungen angelehnte medikamentöse Schmerztherapie. Viele Patienten sind dadurch erstmals wieder in der Lage, sich zu bewegen; ihre Lebensqualität steigt, der Knochenstoffwechsels wird günstig beeinflusst.

Nach einer Kyphoplastie haben ca. 90 Prozent der Patienten eine spürbare Schmerzerleichterung oder sogar Schmerzfreiheit

Patienten, die an einem schmerzhaften Wirbeleinbruch leiden, kann ggf. durch eine sogenannte "Kyphoplastie", die Wiederaufrichtung des Wirbels, geholfen werden. Röntgen-, CT- und MRT-Bilder werden in einem interdisziplinären Kolloquium von Unfallchirurgen, Radiologen und Stoffwechsel-Spezialisten diskutiert und diejenigen Patienten ausgewählt, die von dem minimal-invasiven Verfahren der Kyphoplastie mit großer Sicherheit profitieren und von Schmerz weitgehend befreit werden können. Zur Aufrichtung des Wirbelkörpers wird in Heidelberg ein verträglicher Biozement verwendet. Die wissenschaftliche Studie zur Prüfung der Kyphoplastie hat bislang gezeigt: Bei ca. 90 Prozent der Patienten kann dadurch Schmerzfreiheit oder weitgehende Schmerzlinderung erzielt werden.

Die Patienten stellen sich mindestens einmal im Jahr in der Heidelberger Osteologie-Ambulanz der Sektion Osteologie vor. Dadurch können die Patienten und ihre behandelnden Hausärzte erfahren, welchen Erfolg die medikamentöse Therapie sowie Sport und Ernährungsumstellung haben. Dabei wird u.a. die Knochendichte bestimmt und eventuell erforderliche weitere Maßnahmen besprochen.

Kontakt:

Endokrinologische Ambulanz
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Luisenstr. 5, Gebäude 8, 69115 Heidelberg
Tel.: 06221 - 56 8613

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie