Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Freiburger Ärzteteam bietet neue Methode für Patienten mit wiederholtem Gefäßverschluss an

09.05.2001


Ein Ärzteteam des Universitätsklinikums Freiburg setzt mit der "koronaren Brachytherapie" eine neue Methode klinisch ein, die Engstellen von Herzkranzgefäßen auf Dauer beseitigt. Internationale
wissenschaftliche Studien haben die Wirksamkeit dieser Methode zuletzt bestätigt.

Traditionelle Verfahren wie die Ausweitung von Herzkranzgefäßen zur Behandlung der Angina pectoris und Vorbeugung des Herzinfarktes sind heutzutage Standardmaßnahmen. Mehr als 160.000 Koronareingriffe werden jährlich in Deutschland durchgeführt, davon wird bei mehr als 50% aller Interventionen eine Stent-Implantation, d.h. der Einbau einer Gefäßstütze aus Metall, vorgenommen. Die Koronarintervention führt jedoch in etwa 30% aller behandelten Patienten innerhalb eines Jahres zu einer erneuten Einengung an der Stelle, die zuvor behandelt wurde. Die Mediziner sprechen von einer Rezidivstenose. Vor allem Diabetiker und Patienten mit kleinen Herzkranzgefäßen sind davon betroffen.

Ein Ärzteteam des Universitätsklinikums Freiburg hat nun die Möglichkeit, diese Rezidivstenose dauerhaft zu verhindern. Bei dieser Methode, der "koronaren Brachytherapie", handelt es sich um eine lokale Bestrahlung der Gefäßwand durch einen Katheter, der im Anschluss an deren Ausweitung ("Dilatation") in das Herzkranzgefäß vorgeführt wird. Die Bestrahlung erfolgt durch Beta-Teilchen und dauert ca. 3-5 Minuten. Die Strahlung hat eine Eindringtiefe von nur wenigen Millimetern. Bei der Anwendung dieser Methode im Herzkatheterlabor sind der Kardiologe, der Strahlentherapeut und der Strahlenphysiker anwesend. Die Aufgabe des Strahlentherapeuten ist es, die Dosis anhand der anatomischen Verhältnisse zu berechnen, während dem Strahlenphysiker die Aufgabe zu kommt, die Sicherheit des verwendeten Systems zu gewährleisten. Damit wird erreicht, dass das Zellwachstum gehemmt wird und das Herzkranzgefäß dauerhaft offen bleibt.

Die Methode wird seit dem Oktober 1999 an der Universität Freiburg in klinischen Studien getestet und seit Anfang des Jahres routinemäßig angeboten.
Große, internationale Studien wie die WRIST- und die START-Studie haben in der Zwischenzeit gezeigt, dass mit dieser Methode eine deutliche Reduktion der Restenoserate um 40% erzielt werden kann. Alle großen Studien, nicht zuletzt die Anfang diesen Jahres in der renommierten Zeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlichen Ergebnisse zeigen, dass die koronare Brachytherapie eine sichere und effektive Methode zur Verbesserung der Langzeitergebnisse nach Dilatation ist.

Die Behandlung beschränkt sich momentan auf die Patienten, die bereits an einer Restenose nach Dilatation im Stentbereich leiden. Weitere Studien an der Universität Freiburg prüfen derzeit, inwieweit die Indikation zur koronaren Brachytherapie auch auf andere Patienten mit Koronareinengungen ausgedehnt werden kann. Eine wesentliche zusätzliche Maßnahme im Anschluss an die koronare Brachytherapie ist die spezielle medikamentöse Nachbehandlung dieser Patienten. Patienten, die eine koronare Brachytherapie erhalten, benötigen für 6 mindestens Monate die Kombination von zwei anti-thrombotisch wirkenden Substanzen, Aspirin und Clopidogrel, die täglich eingenommen werden müssen. Die Patienten der Universität Freiburg, die eine koronare Brachytherapie erhalten, werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Im Rahmen dieser routinemäßigen Behandlung wurde eigens eine spezielle "Restenose-Ambulanz" eingerichtet, in der Patienten nach Brachytherapie betreut werden. Darüber hinaus können hier alle Patienten Rat suchen, die Probleme nach interventionellen Eingriffen an den Herzkranzgefäßen haben (Dienstags 10-12 Uhr, Tel: Frau Henze: 0761-270-3376).

 

 


Kontakt:

Prof. Dr. Christoph Bode
PD Dr. Christoph Hehrlein
Medizinische Universitätsklinik
Kardiologie
Hugstetterstr. 55
79106 Freiburg
Tel.: 0761 / 270-3441
Fax: 0761 / 270-3200
E-Mail: hehrlein@med1.ukl.uni-freiburg.de

Leiter Kommunikation und Presse Rudolf-Werner Dreier | idw

Weitere Berichte zu: Brachytherapie Dilatation Herzkranzgefäß

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics