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Hightech-Einsatz bei erkrankten Hirngefäßen

28.01.2004


2-Ebenen-Digitale-Subtraktions-Angiographie ermöglicht modernste Therapie


Dreidimensionale Darstellung einer Hirngefäß-Ausstülpung (Aneurysma) mit der 2-Ebenen-DSA-Anlage


Dreidimensionale Darstellung einer Hirngefäß-Ausstülpung (Aneurysma) mit der 2-Ebenen-DSA-Anlage



Hirngefäße dreidimensional darstellen und deren Erkrankungen über einen Spezialkatheter behandeln - das können Experten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nun noch besser. Seit September 2003 verfügt die MHH-Abteilung Neuroradiologie über das modernste Gerät seiner Art in Niedersachsen: Mit der neuen 2-Ebenen-Digitalen-Subtraktions-Angiographie (DSA) lassen sich Hirngefäße ohne störende Knochen abbilden und durch Computertechnik auf dem Bildschirm dreidimensional darstellen.



Heute präsentierte Professor Dr. Hartmut Becker, Direktor der Abteilung Neuroradiologie der MHH, offiziell die moderne 2-Ebenen-Anlage. Sie wurde im Rahmen der Hochschulbauförderung mit rund 1,5 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln finanziert und ersetzt ein älteres Modell, das seit 1991 in der MHH-Abteilung Neuroradiologie eingesetzt wurde und damals das weltweit erste neuroradiologische 2-Ebenen-DSA-Gerät war. Dank der Kooperation mit einem Industriepartner (Siemens) flossen jahrelange klinische Erfahrungen und Forschungsarbeiten in die neue Anlage ein.

Wie ist die DSA-Anlage aufgebaut?

Das Gerät besteht aus zwei so genannten C-Bögen, die jeweils mit einer Röntgenröhre und einem Bildverstärker ausgestattet sind. Sie können unabhängig voneinander um den Patienten bewegt werden und ermöglichen gleichzeitig Aufnahmeserien aus verschiedenen Richtungen. Ärzte stellen die Hirngefäße dar, indem sie einen Katheter - meist von der Leiste aus - unter Durchleuchtung in die Halsschlagadern vorschieben und ein Röntgen-Kontrastmittel injizieren. Die Hirngefäße werden damit sichtbar, überlagert von den Knochenstrukturen. Zeitgleich erfolgt per Computer die digitale Subtraktion: Im Bild werden die Knochen "abgezogen", übrig bleibt das feine Geäst der Blutgefäße.

Eine interessante Neuerung ist die Rotations-Angiographie: Dabei entsteht ein räumlicher Bildeindruck, wenn sich die dargestellten Hirngefäße auf dem Bildschirm um 180 Grad drehen. Der besonders leistungsfähige Computer kann außerdem aus den gewonnenen Bilddaten eine dreidimensionale farbige Abbildung der Hirngefäße berechnen (siehe beiliegende Abbildung). Ein Vorteil für die Patienten: "Die neue Technik beschleunigt nicht nur die Untersuchung, auch die benötigte Röntgenstrahlendosis ist deutlich geringer", sagt Professor Becker.

Bei welchen Krankheiten können Mediziner das Gerät auch therapeutisch einsetzen?

Die 2-Ebenen-DSA-Anlage verbessert nicht nur die Diagnostik, sondern ermöglicht den Neuroradiologen auch die Therapie bestimmter Hirngefäß-Erkrankungen. Dazu gehören Gefäß-Missbildungen (arteriovenöse Malformationen), akut aufgetretene Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel, Einengungen (Stenosen) und Aussackungen (Aneurysmen). Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass ca. vier Millionen Menschen in Deutschland derartige Aussackungen der Hirngefäße haben, ohne davon zu wissen. Platzen solche Aneurysmen, entsteht eine lebensgefährliche Hirnblutung. Jährlich treten bundesweit rund 12.000 dieser Blutungen auf. Etwa ein Drittel der Patienten verstirbt daran, ein weiteres Drittel überlebt mit Behinderungen und nur das verbliebene Drittel übersteht das Ereignis unbeeinträchtigt.
Aneurysmen entstehen meist durch eine Wandschwäche der Hirngefäße - durch das pulsierende Blut stülpt sich die Gefäßwand an dieser Stelle allmählich aus. Aneurysmen können einen Durchmesser von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern haben. Reißen die dünnen Gefäßwände ein, ergießt sich sofort Blut (Subarachnoidalblutung) in die Räume um das Gehirn, die mit Nervenwasser (Liquor) gefüllt sind.

Aneurysma - offene Schädeloperation oder Kathetertherapie?

Ziel der Behandlung ist es, das Aneurysma zu verschließen. Die bislang übliche Therapie: Neurochirurgen eröffnen den Schädel, arbeiten sich mit Instrumenten an das Aneurysma heran und unterbrechen durch eine Metallklemme (Clip) dessen Verbindung zur Blutzirkulation. Eine neue Behandlungsform ist das "Coiling" (englisch: sich aufwickeln). Dabei führen Neuroradiologen mit einem Mikrokatheter und unter Durchleuchtungs-Kontrolle Platinspiralen in die umschriebene Aussackung ein. Die Spiralen bilden ein Drahtknäuel im Aneurysma und verschließen es. Eine internationale Studie (International Subarachnoid Aneurysm Trial - ISAT) konnte nachweisen, dass mit dieser Methode bessere Behandlungsergebnisse zu erreichen sind als mit der herkömmlichen offenen Schädeloperation.

Ein wichtiger finanzieller Gesichtspunkt: "Das "Coiling" verringert die Verweildauer im Krankenhaus, insbesondere den kostenintensiven Aufenthalt auf der Intensivstation. Die amerikanische Quattro-Studie ermittelte Kosteneinsparungen bis zu 39 Prozent", sagt Professor Becker. Das sei insbesondere im Hinblick auf die Vergütung der Leistungen auf der Basis von Fallkostenpauschalen (G-DRG-System) von Bedeutung. Im vergangenen Jahr erfolgten in der MHH-Abteilung Neuroradiologie 30 "Coiling"-Behandlungen - mit steigender Tendenz. Vor dem Eingriff besprechen die beteiligten Ärzte in jedem Einzelfall gemeinsam mit den hiesigen Neurochirurgen die Entscheidung über die bestmögliche Therapie. Zum Team gehören außerdem die Anästhesiologen, die wie die Neurochirurgen die Patienten vor und nach "Coiling" betreuen.

Für Professor Becker steht fest: "Die neue 2-Ebenen-DSA-Anlage ist eine wesentliche Voraussetzung für die optimale, minimal invasive Behandlung schwerstkranker Patienten. Derart schwierige, komplexe und qualitativ hochwertige Therapien sind nur an einem Klinikum möglich, das das gesamte Spektrum der neurovaskulären Versorgung bietet." Zugleich können die MHH-Neuroradiologen damit weitere klinische Forschungsarbeiten durchführen und Studierende sowie Ärzte in den modernen Behandlungsverfahren der interventionellen Neuroradiologie ausbilden.

Weitere Informationen gibt gern Professor Dr. Hartmut Becker, Direktor der MHH-Abteilung Neuroradiologie, Telefon: (0511) 532-6654, E-Mail: neuroradiologie@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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