Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ersatz für zerstörtes Knorpelgewebe durch neues Verfahren

06.01.2004


Wissenschaftler aus dem BBZ erhielten jetzt vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) rund 600 000 Euro über drei Jahre für die Entwicklung eines neuartigen Verfahrens zur Herstellung individuellen Knorpelgewebes. Während des gesamten Herstellungsvorgangs soll eine Qualitätskontrolle mittels NMR-Spektroskopie erfolgen.



Die Konzentration hochkarätiger Forscher am Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum der Universität Leipzig erweist sich schon als nutzbringend: Prof. Augustinus Bader, Professur "Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologien" und Dr. Daniel Huster, Nachwuchsgruppenleiter "Strukturaufklärung membranassoziierter Proteine mittels Festkörper-NMR", konnten jetzt beim Europäischen Fonds für regionale Entwicklung erfolgreich mehr als eine halbe Million Euro für ihr Projekt: "Entwicklung eines sterilen Bioreaktors zur individuellen Knorpelzüchtung mit NMR quality control/quality assurance (QC/QA)-Analyse" einwerben.



Bei dem Projekt geht es um Knorpelgewebe, das sich in unseren Gelenken befindet und das durch Rheuma und andere degenerative Erkrankungen zerstört werden kann. Dieser Vorgang ist nicht umkehrbar und am Ende schlimmstenfalls mit der Implantation eines künstlichen Gelenkes verbunden. Heutzutage kann man in einigen Fällen mit Hilfe künstlichen Knorpelgewebes, das direkt auf den Knochen aufgebracht wird, diese Entwicklung verhindern. Doch ob das neue Gewebe dem natürlichen gleichkommt, ist unklar.

Die Wissenschaftler um Bader und Huster wollen jetzt eine Methode entwickeln, die es ermöglicht, künstlichen Knorpel herzustellen, der quasi maßgeschneidert für den Patienten ist. Dazu werden diesem zunächst Knorpelzellen entnommen, die dann in einem Bioreaktor kultiviert werden. Der Bioreaktor ist verbunden mit einem NMR-Spektrometer. Dennoch darf der sterile Kreislauf nicht durchbrochen werden. Deshalb müssen die Experten eigens einen Bioreaktor entwickeln, der das garantiert - eine Voraussetzung für die Re-Implantation.

Warum aber die Kernresonanzspektroskopie, die den Vorgang kompliziert? Das genau ist der Knackpunkt, der das neue Verfahren von all denen unterscheidet, die es bereits gibt. Bisher kann niemand sagen, ob das künstlich gezüchtete Gewebe in seinen Eigenschaften dem natürlichen wirklich entspricht. Mit Hilfe der Kernsresonanzspektroskopie (NMR), die kleinste Strukturen auflösen kann, ist es nun möglich, bestimmte Komponenten zu erfassen, die z.B. die Elastizität des Knorpels garantieren. Noch während der Gewebeherstellung ist also eine ständige Qualitätskontrolle sowie die Dokumentation des Aufbaus der Knorpelstruktur gewährleistet. Man rechnet sogar damit, genau den Zeitpunkt erfassen zu können, der am günstigsten für eine Re-Implantation des neu entstandenen Knorpelgewebes ist.

Den Teil Bioreaktor-Entwicklung und Knorpelzüchtung übernimmt die Gruppe Bader, die NMR-Kontrollen die Gruppe Huster. Kooperationspartner an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig sind die Klinik und Poliklinik für Orthopädie unter der Leitung von Prof. Georg Freiherr von Salis-Soglio und das Institut für Medizinische Physik und Biophysik unter Leitung von Prof. Klaus Arnold sowie in der Industrie die Firmen Bruker BioSpin GmbH und Bionethos Alphacells GmbH.

Weitere Informationen: Dr. Daniel Huster, Tel: 0341 97-15706, E-Mail: husd@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Bioreaktor Knorpelgewebe NMR Re-Implantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

nachricht Neue Risikofaktoren für Angsterkrankungen
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen

23.02.2017 | Studien Analysen

Problem Plastikmüll: Was können wir gegen die Verschmutzung der Meere tun?

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie