Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautkrebs: Auch Chemotherapie spornt das Immunsystem an

09.12.2003


Beim Kampf gegen Hautkrebs spielt das Immunsystem eine maßgebliche Rolle. Den Patienten wird darum häufig Interleukin-2 verabreicht - ein körpereigener Botenstoff, der die T-Zellen des Immunsystems auf Trab bringt. Dieser Effekt tritt offenbar auch im Zuge einer Chemotherapie auf. Das haben Wissenschaftler von der Hautklinik der Uni Würzburg an Melanomen herausgefunden. Ihre Studie wurde von der Wilhelm-Sander-Stiftung (München) gefördert.



Interleukin-2 spielt im Immunsystem als Wachstumsfaktor für die T-Zellen eine wichtige Rolle. Von Tiermodellen ist bekannt, dass eine Behandlung mit diesem Botenstoff die bereits existierende Immunantwort gegen Melanome verstärkt. Das Interleukin bewirkt außerdem, dass identische T-Zellen nicht auf eine einzelne Metastase begrenzt bleiben, sondern auch in anderen Metastasen auffindbar sind.



Letzteres ist auch beim Menschen der Fall, wie die Würzburger Wissenschaftler David Schrama, Eva Fuchs, Eva-Bettina Bröcker und Jürgen C. Becker mit ihrem Kollegen Per thor Straten aus Kopenhagen an verschiedenen Melanomen nachgewiesen haben. Allerdings fanden die Forscher zusätzlich heraus, dass diese Effekte auch bei Patienten vorkommen, die überhaupt kein Interleukin-2, sondern ausschließlich eine Chemotherapie erhalten hatten.

Ist also die Krebsbehandlung mit Interleukin-2 überflüssig? "Das würde ich so nicht sagen", meint Diplom-Biologe Schrama. Zum einen seien in der Würzburger Studie nur die T-Zellen betrachtet worden und nicht auch all die anderen Faktoren, die das Immunsystem beeinflussen. Zum anderen untersuchten die Forscher zwar die Verteilung der T-Zellen, nicht aber deren Aktivierungszustand. Hier seien weitere Analysen nötig, die mit Unterstützung durch die Sander-Stiftung zurzeit auch durchgeführt werden.

Der schwarze Hautkrebs (Melanom) ist ein metastasierender bösartiger Tumor, der von den pigmentbildenden Zellen ausgeht. In Europa und den USA treten derzeit zwischen drei und sieben Neuerkrankungen pro Jahr und 100.000 Einwohnern auf - mit steigender Tendenz. 20 bis 25 Prozent der Patienten mit einem Melanom sterben an dieser Erkrankung.

Über 90 Prozent aller Melanome werden bereits im Stadium des Primärtumors diagnostiziert. "Trotzdem besteht bei Patienten, deren Tumoren dicker als ein Millimeter sind, das Risiko, dass bereits kleinste Tumorabsiedlungen vorliegen, auch wenn diese weder mit einer klinischen noch apparativen Untersuchung erfasst werden können", so Becker. Werde ein Primärtumor nicht in einer frühen Wachstumsphase erkannt und vor seiner Metastasierung komplett operativ entfernt, bedeute das eine deutliche Verschlechterung der Prognose. Es reiche schon, dass Metastasen in den Lymphknoten vorgedrungen sind, der dem Tumor am nächsten liegt, um die Lebenserwartung deutlich zu verringern.

Die etablierten Optionen zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms haben bisher keine durchgreifende Verbesserung der Prognose gebracht, so dass dringend effektive Therapiemöglichkeiten erarbeitet werden müssen. Neben den üblichen Methoden der Tumorbehandlung (Bestrahlung, Chemotherapie) werden darum beim metastasierten Melanom auch Therapien erprobt, die das Immunsystem bei seiner Arbeit gegen die Erkrankung unterstützen sollen. Des weiteren zeichnen sich experimentell Möglichkeiten ab, die in den Tumorzellen entkoppelten Wachstumssignale therapeutisch zu regulieren.

David Schrama, Eva Fuchs, Eva-Bettina Bröcker, Per thor Straten und Jürgen C. Becker: "Identical T-cell Receptor Transcripts in Multiple Melanoma Metastases", in: Cancer Research 2002, 62(20), Seiten 5664-5667.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.innovations-report.de/html/profile/profil-315.html

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Hautkrebs Immunsystem Melanom Metastase T-Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie