Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Technologie für die Versorgung zahnloser Oberkiefer mit Implantaten und Prothesen

27.11.2003


Eine neue Technologie verbessert die Versorgung eines zahnlosen Oberkiefers mit Implantaten und Prothesen. Basis ist eine Computer-gestützte Planung der Implantation sowie die Computer-gestützte Fertigung von Bohrschablone und Zahnersatz. Die Vorteile für Patienten: "Die Operationszeit ist deutlich kürzer und das Zahnfleisch muss nicht mehr eröffnet werden", berichten Experten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie in Göttingen.



Aufwendige Operationen an komplizierten Strukturen des Gesichtsschädels, beispielsweise bei Tumoren, komplexen Fehlbildungen oder schweren Verletzungen, simulieren und planen MKG-Chirurgen seit einigen Jahren am Computer. Digitale Schichtaufnahmen von Computer (CT)- und/oder Magnetresonanztomographie sind das Rohmaterial für dreidimensionale Modelle. In manchen OP-Sälen helfen den Chirurgen beim Eingriff auch noch so genannte Navigationssysteme, die ebenfalls auf die Planung zurückgreifen. Mit ihnen kann der Chirurg auf einem Bildschirm beispielsweise stets die genaue Position seiner Instrumente erkennen.



Eine ähnliche Technik, allerdings in deutlich "abgespeckter" Form und deshalb für den Zahnarzt wesentlich kostengünstiger, erproben MKG-Chirurgen und Zahnmediziner inzwischen auch bei der Implantation künstlicher Zahnwurzeln. "Besonders wichtig ist diese Technik bislang bei langjähriger Zahnlosigkeit von Ober- oder Unterkiefer", erklärt Professor Friedrich W. Neukam von der Klinik für MKG-Chirurgie Universität Erlangen-Nürnberg. Soll ein einzelner Zahn ersetzt oder ein teilweise bezahnter Kiefer versorgt werden, gibt es jedoch noch Probleme.

Auf der Grundlage einer CT-Aufnahme plant der Zahnarzt an einem dreidimensionalen Modell am Computer den optimalen Sitz der Implantate. Das Modell zeigt ihm dabei genau, wo ein ausreichendes Knochenangebot zur Verfügung steht. Gleichzeitig kann er auch die prothetische Versorgung neu planen oder eine existierende Prothese berücksichtigen.

Die elektronischen Daten und Berechnungen werden in ein Speziallabor geschickt. Die Experten dort fertigen auf deren Grundlage eine so genannte Bohrschablone. Gleichzeitig wird auch der neue Zahnersatz hergestellt, der entsprechend der Planung mit hoher Präzision gefertigt wird.

Beim Eingriff sorgt die Bohrschablone im Mund des Patienten dafür, dass die Implantate exakt nach der Planung gesetzt werden. Sie dient als eine Art Führungsschiene für den Bohrer, mit dem der Zahnarzt die Löcher mit einem Durchmesser von etwa vier Millimetern für die Implantate in den Kieferknochen bohrt, ohne dabei das Zahnfleisch großflächig zu eröffnen. Unmittelbar nach der Implantation (Bild 8) kann der Zahnarzt dann den passgenau vorgefertigten Zahnersatz auf den Implantaten verankern.

"Die neue Technik ermöglicht es uns, die Implantate optimal zu positionieren", erklärt Professor Neukam. Der Zahnarzt kann vor dem Eingriff das Knochenangebot an der geplanten Insertionsstelle exakt beurteilen und somit Knochenverpflanzungen oder die Verwendung von Ersatzmaterialien vermeiden, wenn er die Implantation an einer dafür geeigneten Stelle plant. Voraussetzung ist natürlich generell ein ausreichendes Knochenangebot: "Wenn der Kieferknochen zu stark geschrumpft ist und daher das Implantatlager zunächst durch eine Knochenverpflanzung vorbereitet werden muss, ist die Technik derzeit noch nicht aber in der Zukunft ebenfalls einsetzbar."

In einer Stunde ist der ganze Eingriff - Implantation und "Montage" des Zahnersatzes - erledigt. "Die Operationszeit ist deutlich kürzer und der Eingriff weniger invasiv", betont Neukam. Durch die exakte Darstellung des OP-Gebietes verbringt der Zahnarzt nur eine begrenzte Zeit am Computer für die Planung. Doch diese will gelernt sein: "Man kann mit High-Tech auch sehr viel falsch machen", weiß Neukam. Entscheidend wichtig ist die Genauigkeit der Planung, die der Zahnarzt beherrschen muss. "Darum muss diese Planung unbedingt trainiert werden", sagt der Erlanger MKG-Chirurg deutlich, "wer diese Technik einfach so einsetzt, handelt unverantwortlich."

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.proscientia.de

Weitere Berichte zu: Implantat Implantation Prothese Zahnersatz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Eine detaillierte Waldkarte des blauen Planeten

26.09.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index steigt weiter

26.09.2017 | Wirtschaft Finanzen