Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Forschungen besagen: Wetterfühligkeit ist keine Einbildung

23.10.2003


Es gibt einen Zusammenhang zwischen Krankheitsbildern und Großwetterlagen

Ein Kribbeln in den Fingern, plötzliche Schmerzen im Knie, ein Stechen im Kopf: Viele Menschen behaupten, sie würden einen bevorstehenden Wetterwechsel am eigenen Leib spüren. Aber ist das überhaupt möglich? Neue Forschungen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) haben ergeben: Es gibt Wetterfühligkeit wirklich. "Von eingebildeten Kranken kann in der Mehrzahl der Fälle keine Rede sein", sagt der Bio-Meteorologe Professor Peter Höppe von der Universität München im Magazin Reader´s Digest Deutschland (November-Ausgabe).

Höppe hat mit seinen Kollegen und den DWD-Experten in einer aktuellen Studie das Phänomen genauer untersucht. 50 wetterfühlige Patienten mussten dazu über einen langen Zeitraum akribisch Protokoll über ihre Befindlichkeit führen. Dann wurden bestimmte Wetterlagen mit häufig auftretenden Beschwerden in Beziehung gesetzt - und siehe da: Bei zwei Dritteln der Testpersonen stimmten deren Angaben mit den Informationen des Wetterdienstes überein.



Schon vor zwei Jahren hatte Höppe bei einer repräsentativen Befragung von mehr als 1000 Personen einen solchen Trend festgestellt. Damals gaben 54 Prozent an, das Wetter habe einen Einfluss auf ihr Befinden. Demnach fühlt sich jeder Fünfte von Wetterkapriolen beeinflusst. Insgesamt 22 Krankheitsbilder fanden die Forscher heraus, wobei Kopfschmerzen am häufigsten genannt wurden, gefolgt von Gefäß- und Gelenkproblemen über Atemwegsbeschwerden bis hin zu juckenden Narben.

Alois Machalek, Mitbegründer des ersten deutschen Wetterfühligkeits-Therapiezentrums in Bad Füssing sowie eines weiteren Zentrums im österreichischen Bad Gastein, fühlt sich durch die Forschungsergebnisse bestätigt. Oftmals würden wetterfühlige Menschen als Simulanten abgestempelt und von einem Facharzt zum nächsten geschickt, ohne dass ihnen geholfen werde. "Ein Problem der Betroffenen ist, dass sie nicht unter einem klar definierten Krankheitsbild leiden." Für Machalek steht aber fest, dass Wetterfühligkeit keine Krankheit ist, sondern sie vielmehr Krankheitssymptome auslöst oder bereits vorhandene Beschwerden verstärkt.

So ist inzwischen erwiesen, dass Menschen mit zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck, aber auch Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten vor allem unter Sturmtiefs und Nieselregen leiden. Wer schlecht schläft oder Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit hat, der reagiert empfindlich auf Warmfronten. Aber auch bei Menschen mit bereits verheilten Verletzungen oder mit amputierten Gliedmaßen rebelliert der Körper, wenn ein Kälte- oder Feuchtigkeitsschub kommt.

Wer also sensibler als ein Wetterfrosch reagiert und schon Tage oder Stunden vor dem Wetterwechsel den aufziehenden Föhn in Form einer Migräne spürt, dem raten die Meteorologen und Physiker vor allem eines: regelmäßig die beheizten Räume verlassen und raus in die Natur gehen. Machalek: "Menschen, die viel an der frischen Luft sind, scheinen Wetterumschwünge viel besser wegzustecken als solche, die sich permanent in künstlichem Klima aufhalten." Im Klartext: eine kalte Dusche, ein Spaziergang im Herbststurm, eine Schneeballschlacht an einem sonnigen Wintertag - alles das kann helfen.

Bio-Meteorologe Höppe will dem Phänomen weiter nachforschen. Demnächst wird er Wetterfühlige in einer Klimakammer mit künstlich erzeugten Luftdruckschwankungen konfrontieren. Das Ziel ist klar: Wenn sich auch dort belegen lässt, dass es einen Zusammenhang zwischen Luftdruckschwankungen und Krankheitssymptomen gibt, wäre ein weiterer Beweis gefunden, warum es Menschen gibt, die zum Beispiel einen aufziehenden Regenschauer schon Stunden zuvor spüren können.

| Reader´s Digest
Weitere Informationen:
http://www.readersdigest.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise