Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwischen zu wenig und zu viel - Essstörungen bei jungen Menschen nehmen zu

22.10.2003

"Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Ess-Brech-Sucht) sind mittlerweile die häufigsten psychosomatischen Krankheiten von Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 12 und 35 Jahren". Mit dieser Nachricht verdeutlichte Dr. Dietrich Munz von der Sonnenberg Klinik Stuttgart den Zuhörern der Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung am 7. Oktober in Stuttgart die Bedeutung der Essstörungen in Deutschland. Insgesamt seien fünf Prozent dieser weiblichen Altersgruppe an Anorexie und Bulimie erkrankt. Jungen und Männer träfe man noch relativ selten unter den Patienten, aber der Anteil steige sichtbar an. Der Stuttgarter Wissenschaftler beschreibt die Situation der Betroffenen sehr plakativ: "Es ist verrückt, Menschen hungern in einer Gesellschaft, die ausgehungert ist. Andere fressen alles bis zur Erschöpfung in sich hinein".

Magersüchtige hungern mit der überwertigen Idee, zu dick zu sein. Ess-Brech-Süchtige dagegen, haben die Kontrolle über ihr Essverhalten verloren; sie essen Unmengen an Nahrung, um sich wenig später wieder zu übergeben. Die Verläufe sind nach Auffassung der Experten oft ähnlich: Die meisten jungen Patienten seien schulisch oft gut, aber sozial eher schwach. Meist brächen die Essstörungen in der Pubertät aus. Konflikte in den Familien, fehlender Austausch unter den Familienmitgliedern förderten deren Entwicklung.

... mehr zu:
»Bulimie »Essstörung

Warum gerade der Anteil an essgestörten Mädchen und Frauen in den letzten Jahren so gestiegen sei, erklärten die Referenten mit der überhöhten Erwartungshaltung, den die Gesellschaft an Frauen habe. Mädchen mache es Angst, wenn sie sähen, welchen Erwartungen sie in Familie, Beruf und Haushalt gegenüber stünden. Sie flüchteten sich in Diäten, um den idealen Körpermaßen näher zu kommen. Die Patienten werden immer jünger: In Westeuropa hat bereits jedes zweite Mädchen zwischen elf und 13 Jahren Diäterfahrung. Nehmen Betroffene in kurzer Zeit viel ab, etwa 10 bis 15 Kilo in sechs bis acht Wochen, dann ist fachkundliche Unterstützung notwendig. Ein hoher Flüssigkeitsverlust könne zum Austrocknen führen und den Elektrolythaushalt stören. Nieren-, Zahn- und Skelettschäden seien die Spätfolge. Für viele Patienten ist eine psychische Behandlung notwendig. Die Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin Dr. Ingrid Rothe-Kirchberger aus Stuttgart bedauerte, dass sich noch wenig Psychotherapeuten auf Essstörungen spezialisierten. Wichtig sei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Psychologen, und Ernährungsberatern. Eltern und Lehrer sollten auch einbezogen werden.

Maria Hufnagl | aid

Weitere Berichte zu: Bulimie Essstörung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise