Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SoFrüh - wirksame Maßnahme gegen Verhaltensauffälligkeiten im Kindesalter

17.10.2003


Institut Arbeit und Technik entwickelt und erprobt ein soziales Frühwarnsystem in Herne (SoFrüh)



Ob Sprachschwierigkeiten, Aggressionen, Essstörungen oder Kontaktscheue - je früher Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern erkannt und behandelt werden, desto besser für das Kind, die Eltern, alle Beteiligten. Wie ein solches soziales Frühwarnsystem für Kinder im Vorschulalter entstehen und funktionieren kann, wird zurzeit in Herne entwickelt und erprobt. Das Projekt, das das Institut Arbeit und Technik (IAT/ Gelsenkirchen) im Auftrag des Fachbereichs Kinder-Jugend-Familie der Stadt Herne exemplarisch im Stadtbezirk Wanne durchführt, ist Teil eines vom nordrhein-westfälischen Familienministerium geförderten Modellvorhabens, in dessen Rahmen in sechs Städten ein Frühwarnsystem zur Erkennung und Bearbeitung von verschiedenen sozialen Problemen aufgebaut wird.



Denn Verhaltensstörungen der Kinder stören auch die Familie: Über 55 Prozent der betroffenen Eltern fühlen sich durch die Verhaltensprobleme ihrer Kinder belastet, ergab die Elternbefragung des IAT in 14 Wanner Tageseinrichtungen, die zusammen rund 1000 Kinder betreuen. Mit dem Kontakt zum Kindergarten ist die große Mehrheit der Eltern (92 Prozent) zufrieden und 64 Prozent erörtern auch Erziehungsfragen mit den Fachfrauen und -männern in der Kindertageseinrichtung; aber weniger als die Hälfte der Eltern spricht die ErzieherInnen im Kindergarten von sich aus auf Probleme im Verhalten ihres Kindes an. Wenn es um eine empfohlene Beratung oder Therapie geht, meinen 44,2 Prozent der Eltern "nein, wir kommen mit den Problemen allein klar!"

In über 82 Prozent der Fälle ist nach Einschätzung der Eltern das Problem des Kindes in der Kindertagesstätte bekannt. 62 Prozent meinen, dass die Erzieherinnen sich intensiv um das Kind und seine Probleme kümmern. Einer erschreckend großen Zahl von Eltern scheint das allerdings egal zu sein, 16,7 Prozent antworteten mit "weiß ich nicht". Über 20 Prozent der Eltern meinen allerdings demgegenüber, dass sich um ihr Kind im Kindergarten zu wenig gekümmert werde.

Um die Früherkennung von Verhaltensproblemen zu verbessern, ist eine intensivere Zusammenarbeit aller örtlichen Stellen, die Kontakt mit Kindern und Eltern haben, notwendig. Dies war ein Grund dafür, weshalb in Kooperation mit diesen Stellen entsprechende Arbeitsmaterialien für die Tageseinrichtungen für Kinder entwickelt wurden. Resultat dieser Zusammenarbeit ist ein Institutionen-Handbuch über Therapie- und Beratungsangebote vor Ort.

Um die Tageseinrichtungen bei ihrer Arbeit zu unterstützen, wurden Instrumente zur Früherkennung entwickelt, etwa ein Ablaufschema zum Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten und ein Einschätzbogen für die Arbeit mit Kindern sowie eine Handreichung zum Datenschutz. Die "Herner Materialien zum Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern" werden im Zeitraum November 2003 bis März 2004 in den Wanner Tageseinrichtungen auf ihre Praxistauglichkeit erprobt. "Wichtig bei der Entwicklung eines sozialen Frühwarnsystems ist die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Tageseinrichtungen für Kinder, Eltern, dem städtischen Fachbereich, freien Praxen, Erziehungsberatungsstelle und allen anderen Akteuren, die sich um das Wohlergehen von Kindern kümmern", stellt Dr. Sybille Stöbe-Blossey fest.

Deshalb wird im Rahmen des Projekts über die Installation einer sog. "SoFrüh-Beratung" als Ansprechpartner für Erzieherinnen nachgedacht. Die SoFrüh-Beratungsstelle soll darüber hinaus eine Mediatorenfunktion zwischen Eltern und Tageseinrichtung übernehmen, wenn Uneinigkeit über die jeweilige Maßnahme bezüglich der Verhaltensauffälligkeit eines Kindes besteht. Obwohl eine solche SoFrüh-Beratungsstelle von den IAT-Wissenschaft-lerinnen als äußerst sinnvoll erachtet wird, ist die Umsetzung aufgrund der angespannten finanziellen Haushaltslage sehr fraglich. Dabei könnte hier frühzeitig bildungsbenachteiligenden Faktoren und sozialen Folgekosten entgegengewirkt werden, die häufig die Konsequenz von Verhaltensauffälligkeiten sind.

Neben diesen Aspekten sollen außerdem Fortbildungsangebote der Stadt und der Träger ausgebaut und eine "kooperative" Weiterbildung zwischen freien Praxen und Kindertagesstätten initiiert werden. Nach Abschluss der Projektphase will das Familienministerium die Ergebnisse und Materialien auch anderen interessierten Einrichtungen zur Verfügung stehen.

Fragen beantwortet:

Karin Esch, IAT, Tel. 0209-1707-283, Dr. Sybille Stöbe-Blossey, Tel. 0209-1707-130
Sarah Rusche, Stadt Herne, Fachbereich Kinder-Jugend-Familie, Tel. 02323-163533

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de

Weitere Berichte zu: IAT SoFrüh Verhaltensauffälligkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt CeGlaFlex: Hauchdünne, bruchsichere und biegsame Keramik und Gläser

24.04.2017 | Verfahrenstechnologie

Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.

24.04.2017 | Förderungen Preise

Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt

24.04.2017 | Medizin Gesundheit