Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Meilenstein auf dem Weg zur elektronischen Patientenakte

17.10.2003


Forschungsprojekt "Archsig" entwickelt erstmals rechtsfähige Langzeitsignatur für Dokumente

Einen Meilenstein auf dem Weg zur elektronischen Patientenakte haben jetzt Experten in Heidelberg gelegt. In mehreren simulierten Gerichtsprozessen wurde bundesweit erstmals nachgewiesen, dass die elektronische Langzeitsignatur (Unterschrift), die im Forschungsprojekt "Archisig" entwickelt wurde, in Rechtsverfahren Bestand hat. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für das angestrebte "papierarme Krankenhaus" geschaffen. Der Prototyp der elektronisch signierten Patientenakte wird derzeit in der Abteilung "Allgemeine Klinische und Psychosomatische" Medizin (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Herzog) der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg erprobt und soll in den kommenden Monaten in der gesamten Klinik zum Einsatz kommen.

Mit der Signatur können Änderungen und Urheberschaft an Dokumenten auch noch 30 bis 40 Jahre nach ihrer Erstellung nachvollzogen werden. So ist es möglich, elektronisch signierte Krankenakten Jahrzehnte lang zu archivieren und als Beweismittel heranzuziehen, etwa wenn es um die Anerkennung von Berufskrankheiten oder Kunstfehlerprozesse geht. Die technische Verschlüsselung der Nutzersignatur durch sogenannte "kryptographische Algorithmen" ist nicht nur sicher, sondern kann auch kostengünstig realisiert werden.



"Archisig ist weit über das Gesundheitswesen hinaus für alle Bereiche von Wirtschaft und Verwaltung, die mit rechtsfähigen Dokumenten umgehen, von großer Bedeutung", erklärte Prof. Dr. Paul Schmücker von der Fachhochschule Mannheim, Konsortialführer des Archsig-Projektes, bei einer Pressekonferenz am 16. Oktober in Heidelberg. Projektpartner sind neben dem Universitätsklinikum Heidelberg und der Fachhochschule Mannheim die Fraunhofer Gesellschaft Darmstadt, die Niedersächsische Staatkanzlei Hannover, die Universität Kassel, das Informatikzentrum Niedersachsen, sowie die IT-Firmen Datev eG, Nürnberg, IXOS Software, München, Pergis Systemhaus, Ludwigshafen und T-Systems Austria, Wien. "Archisig" wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit über zwei Jahre mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert.

Im Notfall ist die elektronische Patientenakte sofort zur Hand

"Die elektronische Patientenakte gestattet allen behandelnden Ärzten und Pflegemitarbeitern unmittelbaren Zugriff auf die benötigten Unterlagen des Patienten", erklärte Prof. Herzog bei der Pressekonferenz. Insbesondere bei Notfällen, aber auch bei einer erneuten ambulanten oder stationären Betreuung des Patienten im Klinikum könnten dadurch Verzögerungen und ggf. sogar Doppeluntersuchungen vermieden werden. Es wird angestrebt, einen möglichst großen Anteil der medizinischen Dokumente direkt elektronisch zu erzeugen. Die verbleibenden Unterlagen werden zunächst auf Papier erstellt und nach Abschluss der Behandlung gescannt, so dass letztlich ein "papierarmes Krankenhaus" entsteht.

Eine Patientenakte - derzeit in Papier- und künftig in elektronischer Form - umfasst alle Behandlungsunterlagen des Patienten. Dazu gehören die Befunde sämtlicher Untersuchungen wie z.B. von Labor, Röntgen und EKG, sowie die Dokumentation der durchgeführten Behandlungen, z.B. Operationsberichte, aber auch die Arztbriefe, die an weiterbehandelnde Ärzte verschickt werden, und meist von drei Klinikärzten (Assistenz-, Ober- und Chefarzt) unterschrieben und damit rechtssicher gemacht werden.

Bestimmte Teile der Patientenakte stehen im Universitätsklinikum Heidelberg bereits in elektronischer Form zur Verfügung, u. a. Labor-, Röntgen- und Pathologiebefunde sowie seit kurzem auch Röntgenbilder, aber auch Operationsberichte und Arztbriefe. Zusätzlich können viele medizinischen Leistungen, z.B. Magen- und Darmspiegelung, elektronisch angefordert und mit digitalen Terminkalendern geplant werden.

Die erweiterte elektronische Patientenakte soll nun sukzessive im Heidelberger Klinikum eingeführt werden, zunächst in der Medizinischen Klinik. "Mit den Umzug in den Neubau der Medizinischen Klinik, der im kommenden Jahr stattfinden wird, ist die Umstellung auf die elektronische Patientenakte in der gesamten Klinik geplant", erklärte Prof. Herzog. Die Vision geht über das Klinikum hinaus und sieht eine Einbindung der kooperierenden Ärzte und Krankenhäuser im Rhein-Neckar-Gebiet in ein elektronisches Netzwerk vor, so dass medizinische Dokumente nicht mehr verschickt werden müssen und jedem Behandelnden unmittelbar zur Verfügung stehen.

Jedes Jahr werden 1,5 Kilometer Papierakten am Klinikum produziert

Die langfristigen Einsparungen durch eine elektronische Patientenakte können für das Klinikum erheblich sein: Der Transport der Akten vom Archiv zur Klinik und innerhalb des Klinikums entfällt, dadurch werden Personal- und Transportkosten reduziert. Die Archivierung der Papierakten und ihre Lagerung sind sehr aufwendig, die Dimensionen gewaltig: Jedes Jahr werden am Universitätsklinikum ca. 1,5 Kilometer Akten produziert, die mindestens 30 Jahre (stationärer Bereich) oder mindestens 10 Jahre (ambulanter Bereich) aufbewahrt werden müssen. Elektronischer Speicherplatz ist dagegen vergleichsweise kostengünstig verfügbar.

Neben der schnellen Verfügbarkeit , der Rechtssicherheit und der Unverfälschbarkeit der elektronischen Patientenakte muss der Datenschutz gewährleistet sein. Jeder Einblick in eine Akte, die nicht im unmittelbaren Versorgungsbereich des jeweiligen Arztes liegt, etwa bei einem Notfall, wird dokumentiert und muss von dem Nutzer der Akte begründet werden. Der Datenschutzbeauftragte des Klinikums untersucht regelmäßig Stichproben dieser Dokumentationen.

Kontakt:

Sekretariat Prof. Dr. Wolfgang Herzog: Tel.: 06221-56-8649
Prof. Dr. Paul Schmücker, Konsortialführer "Archisig": Tel.: 0621-292-6206, E-Mail: p.schmuecker@fh-mannheim.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.archisig.de
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie