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Neue Therapien gegen Hirntumor

14.10.2003


Wolfgang Wick von der Universität Tübingen will Stammzellen mit tödlicher Fracht für Hirntumore beladen. Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung unterstützt ihn mit einem Graduierten-Stipendium rückwirkend für 2002.



Das "Glioblastom" ist der häufigste und zugleich bösartigste Hirntumor, an dem allein in Deutschland jährlich etwa 3000 bis 4000 Menschen erkranken. In jüngster Zeit bieten sich Blut bildende Stammzellen als Taxi für Krebs zerstörende Substanzen an. Mit dieser Technik will auch Dr. Wolfgang Wick vom Universitätsklinikum Tübingen neue Therapien für diesen schwer zu behandelnden Tumor etablieren. Für seine Arbeiten erhält er jetzt ein Stipendium der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung.

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Patienten mit einem Glioblastom überleben von der Diagnose an nur durchschnittlich zwölf bis 14 Monate. Eine bislang trostlose Lage. Zum einen "wachsen die entarteten Zellen unglaublich aggressiv", sagt Wick. Zum anderen bleiben die üblichen Waffen der Medizin im Kampf gegen den Krebs weitgehend stumpf. Operieren ist, wenn überhaupt, nur unvollständig möglich. Der Grund: Die Tumorzellen wandern weit in das Gehirn hinein und durchsetzen allenthalben gesundes Hirngebiet. So entstehen regelrechte Inseln aus gesundem und krankem Gewebe, die sich dem Eingriff mit dem Skalpell entziehen. Die Chemotherapie wirkt nur begrenzt. Und die Behandlung mit Strahlen verheißt auch keine großen Hoffnungen, weil sie das Fortschreiten der Erkrankung nur um einige Monate verzögert. Wick: "Wir haben experimentelle Hinweise, dass die Bestrahlung mit kleineren Dosen im Grenzbereich von gesundem und kranken Gewebe die Ausbreitung der kranken Zellen sogar zusätzlich fördern kann."

Sollen künftige Therapiestrategien erfolgreicher sein, müssen sie also dem ausgeprägten Bewegungsdrang der Glioblastom-Zellen Rechnung tragen. Entlang von Adern oder Nervenbahnen wandern sie aus ihrem Ursprungsherd in andere Hirnregionen ein. Nun haben mehrere Studien gezeigt, dass sich embryonale Stammzellen, aber auch "adulte" Stammzellen aus dem Knochenmark ähnlich verhalten. Wick stellt da "auffallende Parallelen" fest.

Längst werden diese Stammzellen in Tierversuchen als "therapeutische Vehikel" für die modellhafte Behandlung von Nerven zersetzenden Erkrankungen oder bei Hirntumoren getestet. Direkt in Geschwulst- oder gesundes Hirngewebe von Mäusen gespritzt, verteilen sich die Stammzellen binnen Tagen im gesamten Tumor. Offenkundig "nutzen sie die Bahnen, denen auch die Tumorzellen gefolgt sind", erklärt Wick, "so können sie die Gliomzellen womöglich aufspüren." Noch besser: Es mehren sich die Hinweise, dass man die Stammzellen in eine Vene spritzen kann und sie durch den Kreislauf ihren Weg zu kranken Gewebegebieten im Gehirn finden - zwar mit einigen Verlusten etwa in der Lunge, aber immerhin. "Das würde eine zukünftige Therapie erheblich erleichtern", so der Stiftungs-Preisträger.

Wie würden die Stammzellen beladen? Als Fracht sind zum einen so genannte Todes-Liganden denkbar - natürlicherweise im Körper vorkommende Proteine, die Tumorzellen zum Selbstmord anstiften. Zum anderen denkt Wick an Moleküle, die das Immunsystem vor Ort im Gehirn auf die Geschwulst wieder scharf machen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Mit Versuchen am Menschen ist frühestens in einigen Jahren zu rechnen.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.novartis.de

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