Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tod durch schwere Blutvergiftung?

10.10.2003


Internationale Expertenrunde stellt neue Empfehlungen zur Behandlung vor

Die schwere Blutvergiftung, in der medizinischen Fachsprache "Sepsis" genannt, fordert nach Expertenschätzungen jedes Jahr allein in Deutschland 40 000 Menschenleben. "Diese enorm hohe Sterblichkeit können und dürfen wir als Ärzte nicht länger hinnehmen," sagt Prof. Dr. med. Herwig Gerlach, Berlin.

Er ist europäischer Repräsentant der weltweiten Surviving Sepsis Campaign, die die Sepsis-Sterblichkeit innerhalb von fünf Jahren um ein Viertel reduzieren will. "Seit kurzer Zeit erst verfügen wir über eine Reihe neuer Erkenntnisse und medizinischer Möglichkeiten, mehr Menschen mit schwerer Sepsis überleben zu helfen. Damit diese Möglichkeiten optimal eingesetzt werden, haben wir jetzt neue Behandlungsempfehlungen erarbeitet," erläutert Gerlach. Je früher die Sepsis erkannt und je früher ein Patient mit schwerer Sepsis lebensrettende Therapien erhalte, desto größer seien seine Überlebenschancen.

Im Rahmen des europäischen Kongresses für Intensivmedizin in Amsterdam stellten die Mediziner ihre neuen globalen Behandlungsempfehlungen vor. Sie sind das gemeinsame Arbeitsergebnis von neun führen- den internationalen Fachgesellschaften und Organisationen, eine in der Medizin bisher einmalige Kooperation. "Die Therapie von Patienten mit schwerer Sepsis ist sehr kompliziert," erklärt Prof. Gerlach aus Berlin sein Engagement in der Surviving Sepsis Campaign. "Da wir die Überlebensrate in den nächsten fünf Jahren weltweit um 25 Prozent verbessern wollen, haben wir Empfehlungen für eine verbesserte Therapie dieser schwer kranken Menschen erarbeitet und wollen außerdem das Bewusstsein für die Erkrankung in der Öffentlichkeit stärken." Die neuen Behandlungsleitlinien sollen die Sepsisbehandlung weltweit vereinheitlichen, die Qualität der Versorgung anheben und sicherstellen, dass den Patienten überall dort, wo sie behandelt werden, eine optimale Versorgung und die neuesten Erkenntnisse und Therapien gegen diese tödliche Krankheit zugute kommen. Deshalb sollen nach den Leitlinien solche Verfahren und Medikamente rechtzeitig und ausreichend zum Einsatz kommen, deren lebensrettende Wirkung wissenschaftlich erwiesen ist. Die schwere Blutvergiftung oder Sepsis ist eine dramatisch verlaufende, lebensbedrohliche Erkrankung. Sie kann jeden treffen, unabhängig von Alter oder Geschlecht. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa so viele Menschen an schwerer Sepsis wie an Brustkrebs oder Darmkrebs zusammen! Eine schwere Sepsis kann sich aus einem einfachen Erkältungsinfekt entwickeln oder als Komplikation einer Lungenentzündung oder einer größeren Operation auftreten.

Innerhalb von Stunden überschwemmen dann infektiöse Keime den gesamten Organismus, das Immunsystem kann die Infektion nicht mehr kontrollieren und die Blutgerinnung gerät aus dem Gleichgewicht - bis hin zum Versagen von Organen wie Niere, Lunge oder Herz, mit tödlicher Folge für den Patienten. Vor wenigen Jahren noch gab es außer Antibiotika keine Therapie. Heute stehen den Ärzten auf Intensivstationen auch neue Verfahren und Medikamente zur Verfügung, die dazu beitragen, dass mehr Patienten mit schwerer Sepsis überleben. So zum Beispiel bestimmte Beatmungsstrategien, Nierenersatzverfahren, frühzeitige hämodynamische Optimierung und Insulingabe. Seit einem Jahr gibt es außerdem ein spezielles Sepsis-Medikament, das Aktivierte Protein C, das die Überlebenschancen deutlich verbessert. Niedrig dosiertes Hydrocortison senkt ebenfalls in vielen Fällen die Sterblichkeit beim schweren septischen Schock. Die Behandlung der Sepsis ist allerdings sehr komplex, und jedes Krankenhaus oder jede Intensivstation hat derzeit noch unterschiedliche Standards für die Sepsis-Therapie.

"Deshalb liegt uns am Herzen, dass Ärzte und Pfleger die Sepsis noch besser verstehen lernen, dass sie noch früher erkennen, ob ein Patient septisch wird, und die Behandlung so früh wie möglich beginnen", sagt Prof. Gerlach. "Mit den neuen globalen Therapieleitlinien und Fortbildungsangeboten wollen wir sie im Kampf gegen die Sepsis aktiv unterstützen." Die Leitlinien werden voraussichtlich im Frühjahr 2004 veröffentlicht. Sie werden auch von der Deutschen Sepsis-Gesellschaft unterstützt.



Anfragen richten Sie bitte direkt an:

... mehr zu:
»Blutvergiftung


Surviving Sepsis Campaign Deutschland
Prof. Dr. med. Herwig Gerlach

Vivantes-Klinikum Neukölln Klinik für Anästhesie, operative
Intensivmedizin und Schmerztherapie
Rudower Straße 48
12313 Berlin
Tel.: 030-6004-2361
Fax: 030-6004-2497
E-Mail: herwig.gerlach@vivantes.de

| ots
Weitere Informationen:
http://www.survivingsepsis.org
http://www.sepsis-gesellschaft.de

Weitere Berichte zu: Blutvergiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise