Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prostatakrebs:Computerprogramm zur Risikoabschätzung im Internet

07.10.2003


Bei Verdacht auf Prostatakrebs gilt der sogenannte PSA-Test als wichtigstes diagnostisches Hilfsmittel zur Entdeckung bzw. zum Ausschluß von Tumoren. Der Test mißt die Konzentration eines Proteins, des sog. prostata- spezifischen Antigens, PSA, im Blut. Leider wird dieses Protein nicht nur bei bösartigen, sondern auch bei gutartigen Veränderungen der Drüse vermehrt gebildet. Genauer wird die Abschätzung des Krebsrisikos, wenn zusätzlich zum Gesamt-PSA noch Formen des sogenannten freien PSA (fPSA) mitbestimmt werden. Ist der Quotient aus freiem und Gesamt-PSA (bei Gesamt-PSA-Werten zwischen 2 und 4, bzw. zwischen 4 und 10 Mikrogramm pro Liter) erhöht, so ist zwar eher mit gutartigen Veränderungen zu rechnen, aber ein Krebs kann dennoch nicht ausgeschlossen werden.



In dieser Situation wird dann häufig zur Sicherung der Diagnose eine Biopsie der Prostata, durchgeführt, d.h. Gewebe aus der Drüse gestanzt und feingeweblich untersucht.

... mehr zu:
»Biopsie »PSA »PSA-Wert »Prostatakrebs


Aber die Biopsie ist bei mäßig erhöhten PSA-Werten (zwischen 4 und 10 Mikrogramm pro Liter) meistens unnötig. So ist nachgewiesen worden, daß etwa drei Viertel aller Patienten mit solchen Werten tatsächlich nicht an einem Karzinom litten.

Um die Vielzahl der überflüssigen Biopsien zu verringern, ist in den vergangenen Jahren vielfach versucht worden, dem PSA-Test weitere Befunde zur Seite zu stellen, um so die Entscheidung zur Biopsie sicherer treffen zu können.

Jetzt haben die Wissenschaftler Dr. Carsten Stephan und Dr. Henning Cammann aus der Arbeitsgruppe "Prostatkarzinom" der "Klinik für Urologie" der Charité ein Computerprogramm entwickelt, mit dessen Anwendung die Entscheidung für oder gegen eine Biopsie bei PSA Werten zwischen 2 und 10 Mikrogramm/L wesentlich erleichtert wird. Dazu muß der Urologe fünf beim jeweiligen Patienten erhobene Untersuchungsbefunde in das Computerprogramm eingeben:

· Alter des Patienten,
· Gesamt-PSA Wert,
· Quotient aus freiem und Gesamt-PSA,
· Prostatavolumen (bestimmt durch Ultraschall) und
· das Ergebnis des Tastbefundes im Mastdarm.

Das Computer-Programm ("ProstataClass") berechnet daraus das individuelle Krebsrisiko und kann so vor allem die Zahl unnötiger Biopsien bei grenzwertig erhöhten PSA-Werten (2-4 und 4-10 Mikrogramm/Liter) verringern, aber auch die Häufigkeit von Kontroll-Biopsien bei Patienten, bei denen hohe Werte (zwischen 10 und 20 Mikrogramm/L) gemessen wurden.

Das Programm beruht auf den Daten von 1.016 Patienten, die in den Jahren 1996 bis 2001 die "Klinik für Urologie" wegen einer Erkrankung der Prostata aufsuchten, bzw. vom niedergelassenen Urologen dorthin überwiesen wurden. Einzelheiten dazu haben die Autoren soeben im Fachblatt "Der Urologe" (A) [2003 42: 1221-1229] veröffentlicht.

Ärzten steht "ProstataClass" außerdem im Internet frei zur Verfügung oder kann seit kurzem direkt online genutzt werden. Das Programm hat sich als kliniktauglich erwiesen, vorausgesetzt, die PSA-Werte werden mit den Testsystemen der Firma "Immulite"(Los Angeles, CA) erhoben. Zukünftig sollen auch andere PSA-Laborsysteme und weitere potentielle Tumormarker in das Programm eingepaßt werden.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de/ch/uro

Weitere Berichte zu: Biopsie PSA PSA-Wert Prostatakrebs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie