Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cannabis-Wirkstoff hilft bei chronischen Nervenschmerzen

01.10.2003


Der synthetische Wirkstoff CT-3 hilft Menschen mit chronischen Nervenschmerzen und führt nicht zu psychischen Begleiterscheinungen - dies ist das Ergebnis einer Studie, die heute im renommierten Journal of the American Medical Association (JAMA 2003; 290 (13): 1757-1762) veröffentlicht wird.



Die Autoren sind Privatdozent Dr. Matthias Karst, Abteilung Anästhesiologie, und Professor Dr. Udo Schneider, Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Mit ihrem Team untersuchten sie 21 Menschen, die an chronischen Schmerzen durch eine Nervenverletzung litten. Das Ergebnis: Bei einer Tagesdosis von 40 bis 80 Milligramm reduzierte CT-3 die Schmerzen deutlich besser als Scheinmedikamente, schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Zudem zeigten sich keine negativen Auswirkungen auf Psyche, Blutwerte, Körpergewicht und das Herz-Kreislauf-System. Die Patienten klagten am häufigsten lediglich über Mundtrockenheit.

... mehr zu:
»CT-3 »Nervenschmerz »THC


Die Untersuchung lief als randomisierte, kontrollierte Doppelblind- und Cross-over-Studie: Ein und derselbe Patient erhielt sowohl die Wirksubstanz als auch nach einer längeren Pause eine Placebo-Substanz, weder Patient noch Arzt wussten, welche Substanz zu welcher Zeit gegeben wurde. Drei Stunden nach der Medikamentengabe sollten die Patienten auf einer Skala beurteilen, wie stark der Schmerz ist. Nach einer Woche wurde CT-3 abgesetzt, bei den Patienten kam es anschließend zu keinen erkennbaren Entzugserscheinungen.

CT-3 ist ein künstlich hergestelltes Molekül, das einem körpereigenen Abbauprodukt von Tetra-Hydro-Cannabinol (THC), dem Hauptwirkstoff in Cannabis, stark ähnelt. CT-3 wurde 1992 erstmals in der Fachliteratur beschrieben. In Tierversuchen zeigte das Molekül antientzündliche und schmerzlindernde Eigenschaften bei relativ geringen Nebenwirkungen. Der Wirkmechanismus ist nicht endgültig geklärt. Neben der Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase-2 (COX-2) und anderer Postrezeptor-Mechanismen wird die Interaktion mit bisher nicht identifizierten Cannabinoid-Rezeptoren im Zentralnervensystem diskutiert. In Tierversuchen ergab sich kein Hinweis auf eine mögliche Abhängigkeit.

"Die Studie zeigt damit erstmals, dass durch chemische Veränderung der Muttersubstanz THC stark wirksame Cannabinoide hergestellt werden können", sagt Privatdozent Dr. Matthias Karst. "Die Aufnahme in den menschlichen Organismus führt nicht zu den typischen psychischen Begleiterscheinungen wie bei natürlich vorkommenden Cannabinoiden." Weitere Studien sollen nun zeigen, ob CT-3 bei entzündlichem Gelenkrheuma eingesetzt werden kann - die Substanz wirkt auch stark antientzündlich.

Weitere Informationen:

Privatdozent Dr. Matthias Karst, Telefon: (0511) 532-3105, E-Mail: Karst.Matthias@mh-hannover.de
Professor Dr. Udo Schneider, Telefon: (0511) 532-6559, E-Mail: Schneider.Udo@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Berichte zu: CT-3 Nervenschmerz THC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften