Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Linsen-Hafties" erleichtern Therapie von Augenkrankheiten

28.08.2003


Endlich gut lesen können: Orthoptistin Christine Paul überprüft den richtigen Sitz der Haftlinsen bei ihrer kleinen Patientin. Sie korrigieren die Sehschwäche im Nahbereich.


Mit wenigen Tropfen Wasser werden die "Linsen-Hafties" in die normale Brille eingeklebt.


Leseunlust bei Kindern hängt oft mit versteckterr Sehschwäche zusammen

... mehr zu:
»Augenkrankheit »Schielen

Immer wieder rieb sich Lukas bei den Hausaufgaben müde die Augen, klagte über Kopfschmerzen und wenn er laut vorlesen musste, landete das Buch nicht selten in hohem Bogen in der Ecke. Mit den Schulnoten ging es bergab – für seine Mutter ein Rätsel. Hilflos suchte sie den Rat eines Arztes. Überraschend war die Diagnose: Hypoakkomodation, eine Sehschwäche im Nahbereich, die sich äußerlich – etwa durch Schielen – nicht zu erkennen gibt.

"Die Ursachen dieses Krankheitsbildes sind unbekannt, aber wir beobachten es in letzter Zeit bei Kindern immer häufiger", erläutert Christine Paul. Die Orthoptistin behandelt in Zusammenarbeit mit Augenärzten Kinder und Erwachsene, die unter Schielen, Bewegungsstörungen der Augen, Augenzittern und Sehschwächen leiden. Bei Fällen wie Lukas bieten sich zur Therapie Bifokalbrillen, auch Zweistärken-Brillen genannt, an. Sie bestehen aus zwei Halblinsen, die ein scharfes Sehen in der Nähe und Ferne ermöglichen. Ihr Nachteil: Sie sind als Sonderkonstruktionen extrem teuer. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass die Kinder sie häufig nicht annehmen und regelmäßig tragen.


Weitaus günstiger sind in dieser "Testphase" flexible, selbsthaftende Leselinsen aus dem Kunststoff TexinTM von Bayer Polymers, die in eine normale Brille mit wenigen Tropfen Wasser "eingeklebt" werden und wie eine Lupe wirken. Christine Paul verwendet sie "zur Probe": "Erst wenn das Kind diese Lösung akzeptiert, stelle ich ein Rezept für eine Bifokalbrille aus." Die Einsparungen sind beträchtlich. Ein Texin-Linsenpaar – übrigens auf Rezept erhältlich – kostet mit rund 32 Euro etwa nur ein Zehntel dessen, was für eine Bifokalbrille zu zahlen wäre.

Auch die Orthoptistin Heide Hanf hat die "Lese-Hafties" für ihre Arbeit entdeckt. Sie greift zum Beispiel auf sie zurück, wenn Kinder beim Nahsehen schielen – ein Befund, den man als akkomodativen Strabismus bezeichnet. "Neben der Kostenersparnis schätze ich an den Linsen, dass sie hochtransparent sind und ein ungestörtes Schauen ermöglichen", so Hanf. Das ist ein wichtiger Unterschied zu speziellen anderen, bei diesem Krankheitsbild verschriebenen Linsenfolien. Diese werden ebenfalls in die Brille eingeklebt, weisen aber umlaufende Rillen auf, die beim Sehen stören und irritieren.

Für Erwachsene sind die Linsen, die in Dioptrien von +1,25 bis +3,00 erhältlich sind, auch eine große Hilfe. Orthoptistinnen setzen sie anstelle teurer Brillen bei vorübergehenden Sehschwächen ein, die etwa nach der Operation eines grauen Stars, nach einem Unfall, Schlaganfall oder im Verlauf einer Multiplis Sklerose-Erkrankung auftreten. Im therapeutischen Alltag ist sehr praktisch, dass höhere Dioptrien als +3,00 durch einfaches Aufeinandersetzen der Linsen erreicht werden können. Dieser "Trick" bewährt sich etwa bei kurzen Trageversuchen oder Sehübungen.

Grundsätzlich ist zu empfehlen, bei Augenkrankheiten wie Schielen die Sehschulen von Orthoptisten – ein überwiegend von Frauen ausgeübter Beruf – aufzusuchen. Wer wissen möchte, wo in seiner Nähe eine Orthoptistin zu finden ist, kann über seinen Augenarzt oder unter der Tel.-Nr.: 0911 / 22001 beim Berufsverband der Orthoptistinnen Deutschlands e.V. (www.orthoptistinnen.de) Adressen erfragen. Infos zu den Kunststofflinsen, mit denen sich auch einfache Sonnen-, Sport-, Schutz- und Arbeitsbrillen mit wenigen Handgriffen in "scharfe Augengläser zum Nahsehen" umwandeln lassen, gibt es unter www.leselinsen.de. Vertrieben werden sie von der Anzinger Firma SPECOM (Tel.: 08121 / 92 48 66).

BayNews Redaktion | BayNews
Weitere Informationen:
http://www.orthoptistinnen.de
http://www.leselinsen.de
http://www.bayer.de

Weitere Berichte zu: Augenkrankheit Schielen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise