Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heidelberger Universitäts-Frauenklinik testet innovative Immuntherapie

19.08.2003


Weltweit erste Studie bei Brustkrebs. Gedächtniszellen werden reaktiviert.



An der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg wird eine neue Immuntherapie erprobt, die Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebsleiden helfen soll. Dafür werden dem Knochenmark spezielle Immunzellen entnommen, außerhalb des Körpers behandelt, zur erneuten Immunaktivität angeregt und schließlich der Patientin per Infusion zurück übertragen. "Es handelt sich dabei um die weltweit erste Studie, die diese Form der Immuntherapie bei Brustkrebs untersucht", erklärt Dr. Florian Schütz, ärztlicher Mitarbeiter der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gunther Bastert) und Leiter der Studie. In Deutschland erkranken jedes Jahr ca. 48.000 Frauen an Brustkrebs; etwa 50 Prozent können derzeit geheilt werden.



Impfungen gegen Krebs haben sich noch nicht im breiten Spektrum der Krebstherapien etabliert, werden derzeit jedoch weltweit an mehreren Kliniken, u.a. durch eine Arbeitsgruppe der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, experimentell oder in ersten "Phase-I-Studie" am Menschen erprobt. Meist handelt es sich um aktive Impfungen. Das heißt, das Immunsystem wird durch eine immunogene Substanz, zum Beispiel ein oder mehrere Proteine oder ganze Zellen, angeregt, seine Abwehrkräfte gegen den Krebs zu formieren und ihn am Wachstum zu hindern oder zu zerstören. "Wir benutzen dagegen eine passive Impfung und verwenden Immunzellen, die ungenutzt im Knochenmark schlummern", erklärt Dr. Schütz. Die "T-Gedächtniszellen" fanden die Heidelberger Wissenschaftler bei etwa zwei Drittel der Brustpatientinnen, bevor sie sich einer Chemo- oder Strahlentherapie unterzogen; danach waren sie noch bei der Hälfte der Patientinnen vorhanden.

Etwa 80 Prozent der Mäuse sprachen auf die Immuntherapie an

Mit der tumorspezifischen Immunität von Brustkrebs befassen sich die Heidelberger Wissenschaftler seit vielen Jahren. Dabei arbeiten sie eng mit der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Volker Schirrmacher am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg, zusammen. Gemeinsam konnten sie nachweisen, dass die spezifischen Gedächtniszellen im menschlichen Knochenmark vorhanden sind und sich durch Antigen-Proteine, die den Brustkrebszellen entstammen, aktivieren lassen. An Mäusen haben die DKFZ-Forscher gezeigt, dass die reaktivierten Gedächtniszellen bereits metastasierte Tumoren zum teilweisen oder vollständigen Absterben bringen können, und dies bei etwa 80 Prozent der Fälle.

Phase-I-Studie läuft ein Jahr und behandelt 15 Patientinnen

Wer kann an der klinischen Studie des Heidelberger Brustkrebszentrums teilnehmen? Insgesamt 15 Patientinnen im Alter von 18 bis 75 Jahren wollen die Heidelberger Ärzte zunächst mit der neuen Immuntherapie behandeln. Sie sollen an einem metastasierten Brustkrebs leiden und Operation, Chemo- und Strahlentherapie bereits hinter sich haben. Entscheidend ist, dass ihr Knochenmark Gedächtniszellen enthält. Dafür muss Knochenmark entnommen und analysiert werden. Sind Gedächtniszellen vorhanden, unterziehen sich die Studienteilnehmerinnen einer zweiten Knochenmarkspunktion. Diese Probe wird aufbereitet - die Gedächtniszellen werden durch spezielle Behandlung reaktiviert - und schließlich der Patientin als Infusion wieder zugeführt. Die Infusionstherapie wird stationär vorgenommen. Nach der Entlassung wird die Patientin engmaschig in der Klinikambulanz betreut.

Zwölf Monate sind für diese erste Studie, die von der Medizinischen Fakultät Heidelberg gefördert wird, vorgesehen. "Dann werden wir erste Anhaltspunkte haben, ob die vielversprechenden Ergebnisse aus dem Tierversuch auf die Brustkrebstherapie beim Menschen übertragen lassen," sagt Dr. Schütz.

Kontakt:

Dr. Florian Schütz
Universitäts-Frauenklinik
Voß-Str. 9, 69115 Heidelberg
Florian_Schuetz@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Gedächtniszelle Immuntherapie Knochenmark

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften