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Hormontherapie und Brustkrebsrisiko

13.08.2003


Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe reagiert auf die beunruhigenden Ergebnisse der britischen Studie, die den Zusammenhang von Hormontherapie und Brustkrebsrisiko bestätigt, mit klaren Behandlungsempfehlungen zur Hormontherapie bei Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden.



Aus Anlass der Veröffentlichung der Ergebnisse der One Million Women Study verweist Prof. Dr. Klaus Diedrich, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG, auf die Empfehlungen der Gesellschaft, die im März d. J. veröffentlicht wurden. "Die Hormontherapie darf nur bei entsprechender Indikation eingesetzt werden. Diese besteht in der Behandlung von klimakterischen Beschwerden, welche die Lebensqualität der Frau erheblich einschränken. Die Hormontherapie sollte nur so lange eingesetzt werden, wie sie zur Behandlung der Beschwerden benötigt wird. Die Frauen müssen auch bei kurzfristiger Anwendung über das Brustkrebsrisikos aufgeklärt werden und sich regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen mit Mammographien unterziehen."



Am 9. August wurden Resultate aus der Million Women Study zur Assoziation der Hormontherapie mit dem Brustkrebsrisiko in der Fachzeitschrift The Lancet publiziert. Die Million Women Study untersucht 1.084.110 Frauen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der Cancer Research UK, dem National Health Service Breast Screening Programme und dem Medical Research Council. Das Hauptziel der Studie besteht in der Untersuchung des Effektes der Hormontherapie auf das Brustkrebsrisiko. Die Studienteilnehmerinnen rekrutieren sich aus Frauen, die an einem nationalen Brustkrebs Screening Programm teilnehmen. 70% dieser Frauen haben an der Erhebung teilgenommen. Dieses bedeutet, dass eine von vier Frauen im UK an der Studie teilnimmt. Es handelt sich somit um die weltgrößte Studie dieser Art.

Die Hälfte der Frauen hat eine Hormontherapie angewendet. Es liegen Daten aus den Jahren von 1996 bis 2001 vor. Verschiedene Formen der Hormontherapie waren mit einer unterschiedlich ausgeprägten Risikosteigerung verbunden. In absoluten Zahlen bedeuten die Ergebnisse, dass nach zehnjähriger Anwendung einer Hormontherapie 5 zusätzliche Brustkrebse pro 1000 Anwenderinnen einer Östrogenmonotherapie - das entspricht einem relativen Risiko RR von 1,30 ([95% CI 1,21-1,40], p<0,0001) - und 19 zusätzliche Karzinome pro 1000 Frauen bei Anwenderinnen einer Östrogen-Gestagen-Kombination - RR 2,00 ([95 % CI 1,88-2,12], p<0,0001) - auftreten. Für die nationalen Verhältnisse im UK bedeutet dies, dass die Hormontherapie bei 50-64-jährigen Frauen in den letzten 10 Jahren zu 20.000 zusätzlichen Brustkrebsen geführt hat, wovon 15.000 mit der Östrogen-Gestagen-Anwendung assoziiert waren. Die zusätzlichen Todesfälle können aufgrund der Daten nicht zuverlässig geschätzt werden. Es besteht eine positive Korrelation zwischen der Anwendungsdauer und dem Anstieg des Brustkrebsrisikos. Die Anwendung von Tibolon führte ebenfalls zu einer Steigerung des Brustkrebsrisikos auf ein relatives Risiko von 1,45 ([95% CI 1,25-1,68], p<0,0001). Die Gruppe der Anwenderinnen war allerdings deutlich kleiner als die der Östrogen- bzw. Östrogen-Gestagen-Anwenderinnen.

"Diese Daten sind beunruhigend. Sie unterstützen die Resultate aus Beobachtungsstudien und randomisiert kontrollierten Studien" stellt Prof. Olaf Ortmann fest, der mit der Federführung bei der Erarbeitung der Empfehlungen zur Hormontherapie durch ein Fachgremium seitens der DGGG betraut war. "Bessere Aussagen zu der Beziehung zwischen Östrogenmonotherapie und Brustkrebsrisiko werden sich in ca. zwei Jahren machen lassen, wenn weitere Resultate aus der WHI-Studie publiziert werden", erwartet Ortmann.

Ortmann weist auch auf die Stärken der One Million Women Study hin: "Neben der großen Anzahl von Teilnehmerinnen, ist der Einsatz eines Routine-Mammographieprogramms ein großer Vorteil der Untersuchung. Hervorzuheben ist ebenfalls die gute Validierung der Angaben zu den spezifischen Ausprägungen der Hormontherapie durch eine hohe Übereinstimmung zwischen Angaben der Anwenderinnen sowie der verschreibenden Ärzte. Die bisherige Annahme, dass die Brustkrebsinzidenz ausschließlich durch eine Kombination aus konjugierten Östrogenen und dem Gestagen Medroxyprogesteronazetat, wie sie in der WHI eingesetzt wurde, erhöht wird, ist somit nicht zutreffend."

"Die bisher größte Studie zu dieser Thematik ergänzt und unterstützt unser bisheriges Wissen zur Beziehung der Hormontherapie und dem Brustkrebsrisiko" bestätigt Olaf Ortmann die bisherigen Studien. Die Östrogenmonotherapie führt zu einem geringradigen Anstieg des Brustkrebsrisikos. Dieser Anstieg ist in seiner Höhe vergleichbar mit den Daten aus der Analyse der Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer. Die kombinierte Anwendung von Östrogenen und Gestagenen führt zu einer ausgeprägteren Steigerung des Brustkrebsrisikos auf ca. das Zweifache. Auch Anwendungszeiten von bis zu 4 Jahren führen zu einer Risikosteigerung. Aufgrund der Daten der Million Women Study bestehen keine Unterschiede bezüglich des Brustkrebsrisikos durch unterschiedliche Typen von Östrogenen, Gestagenen und ihrer Darreichungsformen.

Ortmann betont abschließend: "die Daten sollten keine Überreaktion oder Panik auslösen. Wichtig ist, dass die Hormontherapie nur bei entsprechender Indikation eingesetzt wird" und er verweist auf die Empfehlungen zur Hormontherapie der DGGG.

Für telefonische Nachfragen steht Prof. Ortmann (Tel. 0941 - 782-3410) zur Verfügung.

Isa Berndt
Referentin des Vorstands
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.
Heilmannstr. 25 h, 81479 München
Tel. 089 - 791-5160, Fax - 8520
e-mail id.berndt@t-online.de

Isa Berndt | idw
Weitere Informationen:
http://www.dggg.de

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