Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dicke Mutter - Dickes Kind

29.07.2003


Schädigung des kindliches Gehirns im Mutterleib. Änderung der Mutterschaftsrichtlinien gefordert.



Professor Dr. Andreas Plagemann von der "Klinik für Geburtsmedizin" der Charité hat vor Journalisten gefordert, die Mutterschaftsrichtlinen für Schwangere um den Test auf Diabetes bzw. auf Vorstufen davon, zu ergänzen.

... mehr zu:
»Diabetes »Insulin »Schwanger »Übergewicht


Vom Übergewicht sind viele junge Schwangere, besonders aus den unteren Sozialschichten, betroffen, ist doch schon jeder zweite Einwohner Deutschlands und keineswegs nur ältere Personen, übergewichtig und jeder 6. sogar als adipös (fettsüchtig) einzustufen. Aber nicht genug damit: Schon 15 Millionen übergewichtige Deutsche befinden sich- gewöhnlich ohne es zu wissen - in einem Vorstadium zum Diabetes und werden innerhalb von 10 Jahren das Vollbild des Diabetes entwickeln

Werden aber Frauen im prädiabetischen Zustand schwanger oder entwickeln einen sogenannten Schwangerschafts-Diabetes, werden dann aber nicht angemessen behandelt, so geben sie ihrem Kind einen Schaden im Gehirn mit, an dessen Folgen das Kind schwer zu tragen hat: Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls dick oder sogar fett werden und zwar schon während seiner Kindheit und Jugend und es wird diesen erworbenen Schaden an die nächste Generation weitergeben.

Professor Plagemann hat am Modell von Ratten gezeigt, dass die prädiabetischen und diabetischen Tiere durch ihren erhöhten Zuckerspiegel im Blut und der daraus folgenden erhöhten Insulinproduktion der Ungeborenen deren Gehirne schädigen. Die Bereiche im Zwischenhirn (Nucleus ventromedialis und N. arcuatus), in denen das Gefühl für Hunger oder Sattsein ebenso wie die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse reguliert werden, bleiben bei den Nachkommen fehlentwickelt und und inihrer Funktion gestört. Der Nachwuchs kann wegen des ständig zu hohen Insulinspiegels, der Fettsucht begünstigt, schon übergewichtig zur Welt kommen und hat ein zu gering entwickeltes Gefühl für Sattsein. Dies ist auch bei Säuglingen diabetischer Mütter der Fall: Sie werden ständig nach Nahrung verlangen und bereits in jungen Jahren wegen ihres Übergewichts überhöhte Werte von Blutdruck und Blutfett haben und ihr Organismus kann das Hormon Insulin nicht korrekt nutzen. Sie tragen damit das Risiko für alle Folgekrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Erblindung und Krebs in sich.

"Wir haben es hier nicht mit einem genetischen (erblichen) Schaden zu tun, sondern mit einem in der uterinen Umwelt erworbenen, der dennoch an die folgenden Generationen weitergegeben wird" sagt Professor Plagemann.

Um aber die Kette - dicke Mutter - dickes Kind - dicke Mutter etc. zu unterbrechen, so Plagemann, sei es unbedingt notwendig, bei jeder Schwangeren nach der 24. Schwangerschaftswoche einen sogenannten "oralen Glukose-Toleranz-Test" durchzuführen. Fällt der Test krankhaft aus, so muß die Frau unbedingt entsprechend behandelt werden, sei es durch Diät oder auch durch tägliche Insulininjektionen. Nur wenn ihr Stoffwechsel normalisiert wird, entwickelt sich auch die Stoffwechselregulation ihres Kindes normal und das Kind bringt ein gesundes Gefühl für Hunger und Sättigung mit auf die Welt und kann, sofern die Mutter es nicht absichtlich mästet, normalgewichtig und stoffwechselgesund aufwachsen.

Der Test kostet 6 Euro. Er zahlt sich mit Sicherheit aus: In Deutschland kommen jährlich 800 000 Kinder zur Welt. Mehr als jede 10. Schwangere entwickelt einen Schwangerschaftsdiabetes. Gelänge es, all diese Frauen adäquat zu behandeln, so bliebe rein rechnerisch jedes Jahr mindestens 80.000 Kindern das Risiko lebenslanger Fettsucht mit allem Leid der gesundheitlichen und psychischen Folgen erspart. Auch das würde sich "rechnen": Denn zur Zeit geben die Krankenkassen allein für die krankhaften Folgen des Übergewichts mehr als 18 Milliarden Euro jährlich aus.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de/mediamed

Weitere Berichte zu: Diabetes Insulin Schwanger Übergewicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics