MS-Medikament gegen SARS

Deutsche Forscher feiern Durchbruch bei Atemwegsinfektionsbekämpfung

Deutsche Wissenschaftler haben in einem gängigen Medikament gegen Multiple Sklerose (MS) einen Wirkstoff gegen die Atemwegsinfektion SARS gefunden, berichtet BBC-Online. In Labortests konnten die Wissenschaftler feststellen, dass das Virus sich nach der Verabreichung des Medikaments nicht weiter ausbreitet. Britische Forschungseinrichtungen haben die ihrer Meinung nach „übertriebenen Ergebnisse“ kritisiert. In diesem Augenblick wären Jubelrufe noch verfrüht, heißt es seitens der UK Health Protection Agency.

Beta-Interferon, ein Wirkstoff, der in der MS-Therapie verwendet wird, könnte das erste Medikament gegen SARS werden, meinen die Forscher der Universität Frankfurt. Bisher fehlt es an einem tatsächlich gegen die Erkrankung wirkenden Medikament. Die WHO hatte empfohlen, bei SARS-Patienten die bei Lungenentzündung üblichen Therapien anzuwenden. So auch das Medikament Ribavirin, das gegen virale Erkrankungen eingesetzt wird. Manche Patienten haben auf diese Art der Behandlung nicht angesprochen, weshalb die WHO zu einer weltweiten Suche nach einem geeigneten Medikament aufgerufen hat.

Jindrich Cinatl vom Institut für Medizinische Virologie an der Frankfurter Universität konnte mit dem Beta-Interferon zumindest zwei der SARS-Stämme vernichten. Die Viren wurden von Patienten in Hongkong und in Frankfurt entnommen. Die Forscher gaben an, dass Alfa- und Gamma-Interferon bei der Bekämpfung von SARS nicht effektiv war. Die Suche nach einem SARS-Medikament sei jedenfalls im Gange, da Experten davor gewarnt haben, dass die Virus-Erkrankung möglicherweise im Herbst wieder aufflammen könnte. Die deutschen Forscher schlagen eine Behandlung mit dem Beta-Interferon gemeinsam mit anderen antiviralen Medikamenten oder auch als Einzelpräperat vor, berichten sie in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins The Lancet.

Robert Read, Mitglied der britischen Health Protection Agency und Experte bei der SARS-Bekämpfung, dämpft die Vorfreude der deutschen Forscher. Es sei zu früh um zu jubeln. Der Ansatz der Forschung sei positiv und gebe Anlass zur Hoffnung. „Wenn ein Medikament einen Virus im Reagenzglas vernichtet, heißt das noch lange nicht, dass es auch beim Patienten wirkt“, so der Experte. In ersten Laborversuchen erwiesen sich auch zahlreiche Aids-Präparate als interessant, führt der Forscher aus.

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Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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