Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapiestrategien bei malignen Melanomen

15.07.2003


Heller Hauttyp, rotblonde Haare, viele Muttermale und häufiges Auftreten von Melanomen innerhalb der Familie - das erhöht die Gefahr, eines Tages am schwarzen Hautkrebs zu erkranken.

Neben diesen genetischen Risikofaktoren können auch exzessive Sonnenbäder oder Sonnenbrände zu Hautkrebs führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Melanome entwickeln, ist nach schmerzhaften Sonnenbränden zwei- bis dreimal so hoch. Bösartige (maligne) Neubildungen der Haut zählen zu den häufigsten Tumoren. Ihre Zuwachsraten in jüngster Zeit sind beachtenswert. So hat sich die Anzahl des epithelialen Hautkrebses in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als verdreifacht und die des malignen Melanoms mehr als verdoppelt. Dermatologen am Campus Benjamin Franklin (ehemals Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin), verfolgen im Rahmen eines Forschungsprogrammes der Deutschen Krebshilfe / Mildred-Scheel-Stiftung gemeinsam mit 16 weiteren Forschungsgruppen in Deutschland neue Therapiemöglichkeiten gegen Krebs.

Das maligne Melanom zählt zu den bösartigsten Tumoren: Es neigt zu frühzeitiger Metastasierung, es ist geschickt darin, die körpereigene Immunabwehr zu umgehen, und es ist äußerst resistent gegen Therapien. So heimtückisch es auch ist, bildet es gerade deshalb Ansatzpunkte für neue Behandlungsstrategien.

Bei der Bekämpfung von Krebs lösen sowohl die körpereigene Immunabwehr als auch Chemotherapeutika ein festgelegtes Selbstmordprogramm in den Tumorzellen aus, die so genannte "Apoptose". Dabei werden zelluläre Strukturen durch definierte Spaltungsprozesse aufgelöst, weshalb die Apoptose auch als "programmierter Zelltod" bezeichnet wird. Die Zelle stellt bei diesem Prozess ihr Wachstum und ihre Teilung ein und zerfällt nach Eintritt der Apoptose in kleinere, membranumschlossene Vesikeln, die schließlich von Makrophagen aufgenommen werden.

Der Vorgang der Apoptose ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Mittelpunkt der medizinisch-biologischen Forschung gerückt. Doch häufig funktioniert das Schutzprogramm bei Krebszellen nicht mehr in ausreichender Weise: Tumorzellen gelingt es, sich den Todessignalen zu entziehen, die das Wachstum kontrollieren.

Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Constantin Orfanos und Prof. Dr. Christoph Geilen von der Berliner Klinik für Dermatologie am Campus Benjamin Franklin, haben nachgewiesen, dass bei Melanomzellen der Prozess der Apoptose über eine fein regulierte Kaskade von verschiedenen Signalen induzierbar ist. "Dabei werden nach unserem bisherigen Kenntnisstand teilweise übereinstimmende Signalwege benutzt, unabhängig vom ursprünglichen Apoptose-Signal - zum Beispiel durch zytotoxische, körpereigene Tumorabwehrzellen oder durch Chemotherapeutika", berichten die Dermatologen. "Deshalb wirkt sich ein Block in der interzellulären Signalweiterleitung auch so fatal aus, wenn sowohl körpereigene als auch therapeutische Antitumoreffekte scheitern und der Krebs sich ungehindert entwickeln kann." Beim Vergleich von Melanomzellen unterschiedlicher Herkunft habe sich gezeigt, dass es in vitro bezüglich der Apoptose-Induktion resistente und sensitive Zelllinien gibt.

"Unsere Untersuchungen stellten heraus, dass resistente Melanomzellen charakteristische Veränderungen auf der Expressionsebene von Proteinen der Bcl-2-Familie aufwiesen, die für die Apoptose-Regulation mit verantwortlich sind", erklärt Orfanos. Um der Frage nachzugehen, warum Melanomzellen diesen anti-apoptotischen Mechanismus entwickeln können, müsse man die Ontogene des Pigmentzellsystems genauer betrachten. Die Pigmentzellen (Melanozyten) sind neuroektodermaler Herkunft, das heißt, ihre Vorläuferzellen entstehen in der Neuralleiste und wandern als Melanoblasten durch das Bindegewebe (Mesenchym) in die Haut. Dort entwickeln sich die Vorläuferzellen zu Melanozyten, die Pigmentsynthese beginnt. Die Wanderung durch verschiedene Gewebe bedingt, dass die Melanoblasten häufiger pro-apoptotischen Signalen ausgesetzt sind, denen sie sich durch einen internen Schutzmechanismus entziehen. Vielleicht deshalb finden sich bei normalen Melanozyten vermehrt anti-apoptotischen Bcl-2-Proteine, wie sie auch bei Melanomen auftreten. "Diese Mitgift der Melanom-Vorläuferzelle könnte eine Erklärung für die Apoptose-Resistenz der Tumorzellen sein", so der Dermatologe.

Ist es also möglich, durch Eingreifen auf der Ebene der Apoptose-Regulation Chemotherapie-resistente Melanomzellen wieder sensitiv zu machen? "Ja", sagt Geilen. "Durch künstliche Herunterregulation der anti-apoptotischen Bcl-2-Proteine sind Melanomzellen, die zuvor Chemotherapie-resistent waren, wieder sensitiv geworden. Und umgekehrt konnten wir aus Melanomzellen, die ursprünglich Chemotherapie-sensitiv waren, durch Erhöhung der Expression der Bcl-2-Proteine Therapie-resistente Zellen herstellen." Hieraus ergäben sich neue Denkansätze und therapeutische Perspektiven für die Dermatoonkologie.

In tierexperimentellen Untersuchungsmodellen konnten die Dermatologen bereits pro-apoptotische Signale gezielt anschalten und hierdurch der Melanomentwicklung entgegenwirken. Die Entwicklung eines viralen, melanomspezifischen und schaltbaren Gentransfers ist derzeit in Arbeit. Neue Substanzklassen haben im Zellkulturmodell bereits ihre Wirksamkeit gegenüber Apoptose-resistenten Melanomzellen bewiesen.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:

Prof. Dr. Prof. h.c. Constantin E. Orfanos
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin, Fabeckstr. 60-62, 14195 Berlin
Tel.: 030 - 8445-6901, E-Mail: derma@medizin.fu-berlin.de
P
rof. Dr. Dr. Christoph C. Geilen
Tel.: 030 - 8445-6912, E-Mail: ccgeilen@zedat.fu-berlin.de

Dr. Jürgen Eberle
Tel.: 030 - 8445-2770, E-Mail: a target=_blank href=http://eberle@medizin.fu-berlin.de>eberle@medizin.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Apoptose Hautkrebs Melanom Melanomzelle Melanozyt Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie