Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Opiatbehandlung ohne Nebenwirkungen

14.07.2003


Forscher schalten lebensgefährliche Atemdepression aus



Deutschen Forschern ist es gelungen, die Nebenwirkung von Opiaten, die in der Medizin als Schmerzmittel bei Narkosen oder in der Therapie chronischer Schmerzpatienten eingesetzt werden, zu minimieren. Im Tierversuch konnten die gefährlichen Nebenwirkungen zumindest ausgeschaltet werden, berichten die Forscher der Universität von Göttingen in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science. Die Forscher sind überzeugt, dass sich dieses Verfahren auch auf den Menschen übertragen lässt.

... mehr zu:
»Nervenzelle »Opiat »Rezeptor


Die Forschergruppe um Diethelm W. Richter vom Zentrum Physiologie und Pathophysiologie an der Universität Göttingen konnte am Tiermodell nachweisen, dass die lebensgefährliche Nebenwirkung des Atemstillstandes bei der Behandlung mit Opiaten ausgeschaltet werden kann. "Damit könnte eine neue Therapiemöglichkeit zur Verfügung stehen. Anästhesisten könnten die Patienten nach einer Narkose mit Opiaten kontrolliert und schnell wieder atmen lassen," so Richter. Einen Vorteil würde die Therapieform auch für chronische Schmerzpatienten bringen. "Mit der Kombinationstherapie könnten diese Patienten vor einer Atemhemmung oder einem tödlichen Atemstillstand geschützt werden", erklärt der Experte.

Opiate wirken hemmend auf Nervenzellen, die die Information über Schmerz an das Zentralnervensystem weiterleiten. Daher haben sie schmerzlindernde Wirkung, die durch spezifische Rezeptoren in der Außenmembran zustande kommen, an die Opiate binden. Dabei wird der Botenstoff cAMP verringert. "Die Weiterleitung der Schmerzinformation und somit die Empfindung von Schmerz ist damit gedämpft beziehungsweise unterdrückt", führt Richter aus. "Leider lösen die Opiate aber auch eine Hemmung der Nervenzellen des Atemzentrums aus".

Das Forscherteam hat nachgewiesen, dass die Nervenzellen des Atemzentrums neben Opiatrezeptoren auch spezifische Rezeptoren wie den Typ 5-HT4a für das Neurohormon Serotonin ausbilden. Dieser Rezeptor erhöht den cAMP-Spiegel in den Zellen. Die Nervenzellen werden nach einer vorausgegangenen Opiatdepression wieder aktiviert. Wenn Ratten eine Droge, die den Rezeptor 5-HT4 aktiviert, verabreicht bekamen, wurde die Spontanatmung wieder angeregt und erreichte fast das Ausgangsniveau, das Schmerzempfinden blieb aber trotzdem herabgesetzt. "Das kann dadurch erklärt werden, dass die Nervenzellen der spinalen Schmerzbahnen im Gegensatz zu den respiratorischen Nervenzellen keine 5-HT4 Rezeptoren ausbilden", so Professor Richter.

"Für sich genommen, zeigen diese Befunde, dass der Stoffwechsel von Nervenzellen über verschiedene Rezeptoren verändert und die Wirkung einzelner Drogen über eine Stimulation anderer Rezeptoren wieder aufgehoben werden kann", führt der Mediziner aus. Als sensationelles Ergebnis bezeichnete der Forscher aber die Entdeckung, dass die sensiblen Nervenzellen der Schmerzbahn den 5-HT4a Rezeptor nicht besitzen. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass eine Mischtherapie mit Opiaten und 5-HT4a stimulierenden Drogen den Schmerz effektiv unterdrücken kann, ohne eine Atemdepression auszulösen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.sciencemag.org
http://www.humanmedizin-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Nervenzelle Opiat Rezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie