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HIV und Schwangerschaft - Drastische Senkung der kindlichen Ansteckungsrate

02.07.2003


Derzeit leben in Deutschland etwa 40.000 HIV-infizierte Menschen (Stand Ende 2002) mit einer Neuinfektionsanzahl von circa 2000 pro Jahr. Der Anteil der Frauen ist in diesem Kollektiv über die letzten zehn Jahre von etwa 12 % auf nunmehr 25 % angestiegen. Der größte Anteil der HIV-infizierten Frauen hat mittlerweile die Infektion über heterosexuellen Geschlechtsverkehr erworben. Häufig wird eine HIV-Infektion erst im Rahmen einer Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung diagnostiziert. Dies stürzt die betroffenen Frauen in einen schweren Konflikt und erfordert qualifizierte und differenzierte Beratung.



Im Bereich Kinderwunsch und Schwangerschaft ist in Deutschland über die Jahre ein deutlicher Wandel eingetreten. Durch die heute extrem verbesserte Lebensperspektive, die durch die Behandlung mit hochaktiven Medikamentenkombinationen erreicht wird, wünschen sich inzwischen viele HIV-infizierte Frauen bewusst ein Kind. Neben der eigenen deutlich längeren Lebenserwartung spielt hier sicherlich der große Erfolg im Bereich der Verhütung/Prophylaxe der kindlichen Ansteckung eine Rolle. Die Mutter-Kind-Übertragung (vertikale Transmission) konnte von 20 - 25 % auf 1 - 2 % gesenkt werden. Maßgeblich ist hierbei die medikamentöse antiretrovirale Behandlung der Schwangeren während der Schwangerschaft und die Entbindung durch Kaiserschnitt ca. 2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin (vor Einsetzen der Wehentätigkeit). Jede Einzelmaßnahme brachte ebenfalls eine deutliche Senkung der Mutter-Kind-Übertragung, so z.B. die alleinige medikamentöse Therapie 8 % anstatt 25 %, die konsequente Kaiserschnittentbindung ohne Medikamente ebenfalls zwischen 6 und 8 %. Die Kombination der beiden Maßnahmen führte zu der beachtlichen weiteren Senkung der kindlichen Ansteckungsrate auf 1 - 1,5 %.

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Im Rahmen der deutschen AIDS-Kongresse finden für Deutschland und Österreich Konsensus-Konferenzen zum Thema "HIV und Schwangerschaft" statt. In diesen Konferenzen werden in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Geburtshelfern, Internisten und Pädiatern aktuelle Behandlungsrichtlinien auf der Basis der Erfahrung der teilnehmenden Experten und aktueller Forschungsergebnisse erarbeitet und aktualisiert. Da die HIV-Therapie immer komplexer wird, sehen sich die Behandler und betreuenden Gynäkologen ständig mit neuen Problemen im Bezug auf die Anwendung neuer Medikamente in der Schwangerschaft und auch Resistenzentwicklungen gegen diese Medikamente konfrontiert. Aufgrund dieser Komplexität und der in der Schwangerschaft von HIV-positiven Frauen notwendigen Spezialuntersuchungen sollten alle HIV-positiven Schwangeren daher zumindest in einem spezialisierten Zentrum mitbetreut und auch dort entbunden werden. Darüber hinaus müssen alle Kinder HIV-positiver Mütter in einer Langzeitbeobachtung an einem spezialisierten pädiatrischen Zentrum betreut werden, um mögliche Spätschäden dieser Medikamente zu erfassen.

In der HIV-Ambulanz der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Standort Innenstadt werden seit zehn Jahren etwa 500 Patientinnen betreut. In 270 Fällen stand eine Schwangerschaft im Vordergrund der Betreuung, 170 Frauen entschlossen sich zum Austragen der Schwangerschaft. 175 Kinder HIV-positiver Mütter wurden bisher in der Frauenklinik geboren. Seit April 1995 kam es nur noch bei einem der HIV-exponierten Kinder zu einer HIV-Infektion. Im Rahmen der Betreuung HIV-positiver Frauen, bzw. Schwangerer besteht eine enge Zusammenarbeit mit den HIV-Schwerpunktpraxen Münchens, mit der HIV-Ambulanz der medizinischen Poliklinik sowie der Immundefektambulanz der Kinderklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital, so dass eine optimale Betreuung HIV-positiver Frauen gewährleistet ist.

Leider kommt es auch in München immer wieder zu HIV-Übertragungen von Müttern auf ihre Neugeborenen, die bei korrekter Betreuung fast in jedem Fall vermeidbar gewesen wären. In der Mehrzahl dieser Fälle wurde es versäumt, den betroffenen Müttern einen HIV-Test bereits zu Beginn der Schwangerschaft anzubieten. Die heute zur Verfügung stehenden, effektiven Prophylaxemaßnahmen können jedoch nur bei bekannter Infektion greifen.

Zur Information der Fachöffentlichkeit veranstaltet die HIV-Ambulanz der Frauenklinik daher in unregelmäßigen Abständen Symposien, in denen die aktuellsten Entwicklungen auf diesem Gebiet von den jeweiligen Experten vermittelt werden. Presseverteter sind zum nächsten Symposium am 5. Juli 2003 von ab 9.30 Uhr in München gerne willkommen.

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. med. Dipl. Chem.Thomas Grubert
Leiter der HIV-Ambulanz
Tel.: 089 5160-4285
Fax.: 089 5160-4580
Email: Thomas.Grubert@fk-i.med.uni-muenchen.de

S. Nicole Bongard | idw

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