Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schmerzstiller als Multitalent

30.06.2003


Lokalanästhetika wirken auch gegen Entzündungen und Thrombosen / Preisgekrönte Forschungsarbeiten der Universitätsklinik für Anästhesiologie



Warum sorgen Lokalanästhetika nicht nur für örtliche Betäubungen, sondern hemmen auch Entzündungen und schützen vor Thrombosen - und tragen damit zu einem besseren Heilungsprozess bei? Wissenschaftler der Heidelberger Universitätsklinik für Anästhesiologie konnten zeigen, dass die positiven Nebeneffekte vor allem auf einen Mechanismus zurückzuführen sind: Die Substanzen reagieren mit bestimmten Rezeptoren auf den Zelloberflächen und damit verbundenen Signalmolekülen im Zellinnern, den Gq Proteinen. Für seine weitreichenden Arbeiten bei der Entschlüsselung dieser Mechanismen wurde Dr. Dr. Markus Hollmann, Projektleiter der Arbeitsgruppe "Alternative Effekte von Lokalanästhetika", von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) mit dem August-Bier-Preis 2003 ausgezeichnet. Der Preis wird von der Firma AstraZeneca, Wedel, gestiftet und ist mit 5.200 Euro dotiert.

... mehr zu:
»Anästhesiologie »Protein »Rezeptor


Überall in unserem Körper befinden sich winzige Schmerzsensoren. Rund drei Millionen dieser Miniaturwarnsysteme geben den Schmerzalarm über Nervenbahnen an das Gehirn weiter. Wird ein Schmerzreiz ausgelöst, strömen Natriumionen durch kleine Kanäle in der Zellwand in die Nervenzelle ein. Dadurch kommt es zur elektrischen Erregung der Zelle. Das Signal wird an die nachfolgende Nervenzelle weitergeleitet und gelangt über das Rückenmark schließlich ins Gehirn. Lokalanästhetika stoppen die Weiterleitung des Schmerzreizes durch eine Blockade der Natriumkanäle. Doch nicht alle Wirkungen von Lokalanästhetika sind auf die Beeinflussung der Natriumkanäle zurückzuführen.

Gestärkte Immunabwehr durch Abbau von Sauerstoffradikalen

Lokalanästhetika docken an bestimmten Oberflächenrezeptoren der Körperzellen an oder dringen durch die Zellwand ins Zellinnere ein. Dort binden sie zusätzlich an kleine Partnermoleküle derselben Rezeptoren, die Gq Proteine. Die Rezeptoren und Gq Proteine werden somit auf beiden Seiten der Zellmembran blockiert, wie Experimente an Froscheiern gezeigt haben. Auch Untersuchungen an Abwehrzellen des menschlichen Immunsystems, sogenannten neutrophilen Granulozyten, belegen diesen generellen Wirkmechanismus. Obwohl diese Zellen keine Natriumkanäle besitzen, reagieren sie mit einer Reduktion von Sauerstoffradikalen, die bei der Immunabwehr, vor allem bei überschiessenden inflammatorischen Reaktionen mit Gewebezerstörung, eine Rolle spielen.


Damit lässt sich auch erklären, weshalb Lokalanästhetika bei Operationen eine aufflammende Entzündungsreaktion unterdrücken und somit die Genesung des Patienten positiv beeinflussen. Die molekularbiologischen Befunde der Heidelberger Forscher machen nun die Beobachtungen im klinischen Alltag besser verständlich. Darüber hinaus ergeben sich neue Anwendungsbereiche für Lokalanästhetika, die bei einer besseren Patientenversorgung während und nach Operationen zugute kommen dürften. Klinische Studien, in denen die neuen Wirkungen von Lokalanästhetika untersucht werden, sind bereits angelaufen.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de/anaes/
http://www.dgai.de/08_0_3_0ausschr_stat.htm

Weitere Berichte zu: Anästhesiologie Protein Rezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE