Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brustkrebs: Bessere Heilungschancen, bessere kosmetische Ergebnisse

27.06.2003


Eine Strahlentherapie nach der Operation ist die Voraussetzung für brusterhaltende Eingriffe. Wie Experten jetzt auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie in Essen berichten, sorgen neue Möglichkeiten der Planung und schonendere Therapieverfahren nun auch für bessere kosmetische Ergebnisse.



Statistisch gesehen erkrankt jede achte bis zehnte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Früher bedeutete diese Diagnose für die betroffene Frau in der Regel den Verlust ihrer Brust durch Amputation mit allen daraus resultierenden psychischen Belastungen. Zwischenzeitlich ist die brusterhaltende Therapie in ungefähr 70 Prozent der Fälle - Dank besserer Früherkennung - möglich.

... mehr zu:
»Bestrahlung »Brustkrebs


Da bei einer brusterhaltenden Operation vereinzelte Tumorzellen zurückbleiben und Monate bis Jahre später erneut zu einem Tumor heranwachsen können, ist die Nachbestrahlung unbedingt erforderlich. Stand früher primär die Heilung der Patientin im Vordergrund, können die Ärzte heute zunehmend auch kosmetische Aspekte berücksichtigen. Durch die Einführung der drei-dimensionalen Bestrahlungsplanung (siehe Bilder 1,2) ist es heute möglich gesundes Gewebe bestmöglich zu schonen und so ein optimales kosmetisches Ergebnis zu erzielen.

Virtuelle Simulation: Die Patientin bleibt zu Hause

In den letzten Jahren haben Experten Computersysteme entwickelt und stetig verbessert, mit deren Hilfe die Bestrahlung zunächst virtuell simuliert werden kann. Dazu werden die Daten einer Computertomographischen Aufnahme des Brustkorbes der Patientin auf den Bestrahlungsplanungscomputer, den virtuellen Simulator, überspielt. Der Rechner wandelt diese Daten in ein exaktes dreidimensionales Bild um. An diesem Modell kann der Arzt nun die Anordnung der Bestrahlungsfelder mit den exakten Winkeln planen. Ein weiteres Programm ermöglicht es dann, die Verteilung der Strahlendosis darzustellen und zu dokumentieren (siehe Abbildung).

Während bei herkömmlichen Bestrahlungstechniken oft in kleineren Bereichen der Brust Überdosierungen auftraten und zu Verhärtungen und damit einem kosmetisch unbefriedigendem Ergebnis führten, können diese mit den verfeinerten Techniken der drei-dimensionalen Bestrahlungsplanung vermieden werden.

Kann denn Spicken schonend sein?

Der Begriff wirkt aggressiver als die Therapie: Die so genannte Spickung ist ein wirkungsvolles Verfahren, die Brust bei einer Strahlentherapie zu schonen. Bei dieser Methode sticht der Arzt unter einer kurzzeitigen Vollnarkose an mehreren Stellen feine Katheter in die Brust. So wird die Tumorregion optimal erfasst. Anschließend folgt - bei liegenden Kathetern - eine CT-Untersuchung. Nun berechnet der Arzt mit Hilfe des Computers die Verteilung der Strahlendosis. Danach fahren die Strahlenquellen automatisch in die Schläuche ein und erhalten entsprechend der Berechnungen vom Computer das Kommando, wie lange sie an jedem einzelnen Punkt verweilen müssen. Damit kann eine maßgeschneiderte Dosis im "Tumorbett " deponiert werden. (siehe Bild 3,4,5,6)

In manchen Zentren wird die Spickung nach Abschluss der Bestrahlung von außen als zusätzliche umschriebene so genannte Dosisaufsättigung eingesetzt. So werden einerseits durch die Bestrahlung der gesamten Brust einzelne verstreute Tumorzellen abgetötet, zusätzlich wird aber an der Stelle des größten Risikos eine umschriebene Erhöhung der Strahlendosis erreicht. Davon versprechen sich Radioonkologen die bestmögliche Chance, den Brustkrebs dauerhaft zu verbannen.

Neuerdings setzen Ärzte diese Technik jedoch auch als alleinige Bestrahlungsform nach der Operation bei Patientinnen ein, deren Tumoren sehr klein waren und die auch sonst keine Risikofaktoren aufweisen. In diesen Fällen wird dann auf die Bestrahlung von außen verzichtet. Bislang sollte die alleinige Spickung aber nur in Studien erfolgen, bis hinreichend geklärt ist, ob durch eine solche Beschränkung der Behandlung auf die Tumorregion nicht das Rückfallrisiko in der Restbrust erhöht ist.

Kosmetisches Ergebnis, wissenschaftlich erfasst

Während das kosmetische Ergebnis nach einer Bestrahlung der Brust herkömmlicherweise nach optischen Kriterien, wie z.B. Form der Brust, Hautbeschaffenheit usw. erfasst wird, also im wesentlichen auf subjektiven Eindrücken beruhte, haben Radioonkologen der Charité Berlin nun ein Verfahren zur objektiven Beurteilung entwickelt. Sie untersuchten nach der Bestrahlung in definierten Abständen die Brust mit einer Computertomografie und führten Dichtemessungen durch, die Aufschlüsse über die Beschaffenheit des bestrahlten Gewebes geben. Sie stellten fest, dass in den Monaten nach der Bestrahlung bei manchen Patientinnen eine entzündliche Schwellung auftritt, die sich nach ca. acht Monaten jedoch zurückbildet. Narbige Verhärtungen - sogenannte Fibrosen - wurden bei den untersuchten Patientinnen nicht festgestellt.

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org

Weitere Berichte zu: Bestrahlung Brustkrebs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics