Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spezielle Wirkstoffe locken Aids-Erreger aus ihrem Versteck

25.06.2003


Grafik: Scheller


Die Erreger der Immunschwächekrankheit Aids können sich in Körperzellen verstecken und finden dort Schutz vor Medikamenten. Wissenschaftler von der Uni Würzburg sind jetzt dahintergekommen, wie sich die Viren aus ihren Schlupflöchern herauslocken lassen. Damit haben sie eine weitere verwundbare Stelle der Erreger entdeckt.

... mehr zu:
»HIV-Patient »Körperzelle »Virus

"Manche HIV-Patienten sprechen derart gut auf die zurzeit eingesetzte medikamentöse Kombinationstherapie an, dass sich in ihrem Blut keine Viren mehr nachweisen lassen", sagt der Würzburger Virologe Dr. Carsten Scheller. In diesen Fällen seien die Erreger aber nur scheinbar verschwunden: Sobald die Therapie unterbrochen wird, erreiche die Virusmenge im Körper wieder das alte Ausmaß. Das liegt daran, dass die in den Körperzellen ruhenden Viren - Forscher sprechen von einer latenten Infektion - dann wieder aktiv werden. "HIV kann jederzeit aus der latenten Phase in einen produktiven Vermehrungszyklus wechseln. Darum müssen die Patienten lebenslang therapiert werden", so Scheller.

Gelänge es, die latent infizierten Körperzellen durch eine Therapie zu beseitigen, wäre es unter Umständen möglich, HIV-Patienten vollständig zu heilen. Hierzu könnten die so genannten Caspaseinhibitoren einen wichtigen Beitrag leisten: Diese Wirkstoffe bringen latent infizierte Zellen dazu, HI-Viren zu produzieren, und machen sie damit angreifbar. Wie sie das tun? Sie verstärken die Wirkung körpereigener Substanzen, zum Beispiel des Botenstoffs TNF-alpha, die dafür bekannt sind, eine Reaktivierung von HIV auszulösen.


Für die Präsentation dieser Ergebnisse seiner Arbeit erhielt der Würzburger Forscher Mitte Mai 2003 auf dem Aids-Kongress in Hamburg einen mit 500 Euro dotierten Posterpreis. Der 1971 in Delmenhorst geborene Scheller hat in Bayreuth Biochemie studiert und kam 1999 zur Promotion ans Institut für Virologie und Immunbiologie nach Würzburg. Hier ist er als Arbeitsgruppenleiter in der HIV-Forschung tätig.

In Zukunft will Scheller versuchen, Kulturen aus Blutzellen von HIV-Patienten mit Caspaseinhibitoren zu stimulieren und, in Kombination mit Medikamenten, die Viren aus der Zellkultur zu eliminieren: "Falls das gelänge, wäre dies ein wichtiger Schritt hin zu einer möglichen klinischen Anwendung dieser Substanzen."

Weitere Informationen:

Dr. Carsten Scheller
Telefon 0931 - 201-49897
Fax 0931 - 201-49553
E-Mail: scheller@vim.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: HIV-Patient Körperzelle Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie