Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Enzymmangel möglicher Grund für Unfruchtbarkeit

18.06.2003


Endometriose-bedingte Infertilität durch fehlendes Molekül in der Gebärmutter


Endometriose ist die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit. 35 bis 50 Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen leiden unter der Krankheit. Dabei wächst das Gebärmuttergewebe auch außerhalb der Gebärmutter (Uterus) und breitet sich auf andere Organe aus; z.B. auf die Eileiter, die Außenwand des Uterus die Eierstöcke oder den Darm. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt, dass endometriose-bedingte Unfruchtbarkeit auf einen Mangel eines Enzyms zurückzuführen ist, das beteiligt ist an der Bildung des Moleküls L-Selectin. L-Selectin ermöglicht es dem Embryo, sich an der Gebärmutterschleimhaut "festzuhalten". Fehlt das Molekül, kann sich der Embryo nicht einnisten, es kommt zu keiner Schwangerschaft. Die Forscher fanden bei Frauen mit Endometriose sehr geringe Mengen des Enzyms, während der Zeit, in der die Gebärmutter für einen Embryo empfänglich ist.

Neben diesen Ergebnissen fanden die Forscher auch drei Gruppen von Genen, die eine Rolle bei der Entstehung von Endometriose spielen. Die erste und die dritte Gen-Gruppe kommen bei gesunden Frauen während der empfängnisbereiten Periode des Uterus in größeren Mengen vor, während die Werte bei Patientinnen mit Endometriose in dieser Zeit sinken. Zur ersten Gruppe gehören auch jene Gene, die für das oben erwähnte Enzym codieren. Gene der zweiten Gruppe sind bei gesunden Frauen in geringerer Zahl vorhanden, während sie bei Endometriose-Patientinnen vermehrt vorkommen. Endometriose entsteht also laut den Forschern, wenn die falschen Gene zur falschen Zeit aktiviert bzw. deaktiviert werden. Diese Disharmonie dürfte auch ein schlechtes Milieu für den Embryo schaffen und zusätzlich dazu beitragen, dass er sich im Uterus nicht einnisten kann. "Diese Studie unterstützt die Theorie, dass Frauen mit einem solchen anormalen Gewebe zu Endometriose neigen und in Folge zu Unfruchtbarkeit", bestätigte die verantwortliche Studienautorin Linda Guidice, Stanford-Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie und Leiterin des Centers for Research on Women’s Health and Reproductive Medicine in Stanford.


Die Erkenntnisse der Studie könnten zu einem neuen Diagnose-Verfahren für Endometriose führen, so Guidice. Derzeit kann die Diagnose nur durch Laparoskopie (Endoskopie des Bauchraums) oder durch das Öffnen der Bauchhöhle (Laparotomie) erfolgen. In Zukunft könnte es durch die neuen Erkenntnisse einen weniger invasiven Test geben, der auf der Bestimmung der Genaktivität basiert, hofft die Wissenschaftlerin. Guidice hält weiters fest, dass die Ergebnisse in größeren Studien mit Endometriose-Patientinnen verifiziert werden müssen, gibt sich aber dennoch hoffnungsvoll: "Wir haben nun die Chance, Medikamente zu entwickeln, um diesen Gen-Deffekt zu korrigieren und somit auch die endometriose-bedingte Unfruchtbarkeit zu behandeln."

Für die Studie wurden Proben der Gebärmutterschleimhaut von 15 nicht schwangeren Frauen entnommen und zwar während der Zeit, in der die Gebärmutter empfänglich für den Embryo ist: Vom 20. bis 24. Tag eines 28-Tage-Zyklus. Acht Proben stammten von Frauen mit Endometriose. An der Studie beteiligt waren Forscher der Stanford University, der University of California in San Francisco, der Vanderbilt University und der University of North Carolina in Chapel Hill. Gefördert wurde die Studie von den National Institues of Health (NIH) http://www.nih.gov und dem Office of Research on Women’s Health http://www4.od.nih.gov/orwh . (Ende)

Bettina Benesch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.stanford.edu
http://www.ucsf.edu
http://www.vanderbilt.edu

Weitere Berichte zu: Embryo Endometriose Gebärmutter Gen Unfruchtbarkeit Uterus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie