Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue OP-Technik für ein gutes Profil

17.06.2003


Menschen, deren Ober- und Unterkieferknochen unterschiedlich stark gewachsen sind, haben nicht nur Probleme beim Kauen und Sprechen. Auch der psychische Leidensdruck eines "Überbisses" ist enorm. Aufgrund neuer Operationstechniken ist die Korrektur des Profils inzwischen zu einem Routine-Eingriff geworden. "Entsprechend steigen die Fallzahlen", weiss der Münchener Gesichtschirurg Professor Gerhard Paulus.



Bis vor wenigen Jahren griffen die Chirurgen vor allem zum Skalpell, weil die Funktion des Kauens, Sprechens oder Schluckens eingeschränkt war. Diese Funktionalität ist nun nicht mehr der einzige Maßstab. Paulus: "Die Ästhetik des Gesichtes wird für die Patientinnen und Patienten immer wichtiger."

... mehr zu:
»Sensibilitätsstörung


Der Eingriff hinterlässt keine Spuren.

Ist der Oberkiefer stärker gewachsen als der Unterkiefer, sprechen die Experten von einer "Prognathie des Oberkiefers". Der Oberkiefer steht deutlich vor, die oberen Zähne beißen über die unteren. Liegt der Fall umgekehrt, handelt es sich um eine "Prognathie des Unterkiefers". Menschen, die von solchen Fehlstellungen betroffen sind, gehen meistens zunächst zum Kieferorthopäden, weil sie Probleme beim Kauen haben. Doch massive Fehlstellungen des Kiefers sind mit einer Zahnspange nicht zu beheben. Der Orthopäde überweist darum zum MKG-Chirurgen, nachdem er die Zahnreihe begradigt hat.

Die Gesichtschirurgen operieren fast ausschließlich von der Mundhöhle aus. Der Eingriff hinterlässt daher keinerlei sichtbaren Narben. Die Ärzte legen den Kieferknochen frei, durchtrennen ihn und verlagern ihn nach vorne oder nach hinten. Wenn es die Gesichtsanatomie erfordert, bearbeiten sie auch beide Kiefer, um ein harmonisches Profil zu schaffen.

Damit er in der neuen Position einwächst, wird der Knochen durch Platten festgeschraubt. Dank dieser neuen Technik - im Fachjargon "Osthesynthese" genannt - können Patienten schon unmittelbar nach dem Eingriff den Mund wieder öffnen, sprechen und kauen.

Komplikationen sind selten.

Gleichwohl sind auch bei Routine-Operationen Komplikationen nicht auszuschließen. Dazu gehören vor allem Sensibilitätsstörungen nach dem Eingriff. Forschergruppen aus Krefeld und Hamburg prüften eineinhalb Jahre nach einer operativen Umstellung des Oberkiefers, bei 40 Patienten, ob diese an solchen Sensibilitätsstörungen litten. Sie fragten nach subjektiven Empfindungsstörungen und verglichen die Antworten mit den Ergebnissen neurologischer Tests an der Oberlippe, den Wangen und der Gaumenschleimhaut. Ergebnis: An der Gesichtshaut maßen die Forscher nur bei einem Patienten eine Sensibilitätsstörung. Bei jedem vierten Patienten wurden Sensibilitätsstörungen im Mund gemessen, aber nur jeder Zehnte bemerkte sie. Betroffen waren Fähigkeiten wie etwa die Unterscheidung spitz-stumpf, nicht aber die Berührungsempfindung. "Im Bereich der Gesichtshaut fanden wir nach 18 Monaten nahezu keine Sensibilitätsstörungen", resümiert Dr. Christoph Lenzen von der Klinik für MKG-Chirurgie in Krefeld die Ergebnisse, "wobei die normale Sensibilität der Gaumenschleimhaut später erreicht wird."

Eine Ärztegruppe von der Universitätsklinik Würzburg hat über 500 Patienten nach Umstellungs-Operationen am Unterkiefer nachuntersucht, bei denen der Eingriff mindestens vier Jahre zurück lag. Über Sensibilitätsstörungen berichteten 25 Prozent der Patienten, insbesondere dann, wenn das knöcherne Bett des Unterkiefernervs (dem unteren Ast des Trigeminus-Nervs) bei dem Eingriff geöffnet wurde. "In der Tat", bestätigt auch Professor Paulus, "ist das Risiko einer irreversiblen Sensibilitätsstörung bei Eingriffen am Unterkiefer höher als am Oberkiefer."

Zweiter Eingriff wird überflüssig.

Bislang verwendeten die Chirurgen Platten und Schrauben aus Titan, die sie meist wieder herausnahmen, wenn der Knochen verheilt war. Inzwischen sind Ostheosynthese-Systeme aus synthetischen Materialien verfügbar, die vom Körper selbst abgebaut werden. Dies erspart den Patienten einen weiteren Eingriff.

Zwei Fliegen mit einer Klappe.

Die modernen Operationsmethoden gestatten es den MKG-Chirurgen darüber hinaus, Kieferfehlstellungen und Schönheitsfehler der Nase bei einem einzigen Eingriff zu korrigieren. Sie verlagern zunächst den oder die Kieferknochen und bringen dann die Nase in die gewünschte Form. Der große Vorteil dieses Vorgehens: es erspart nicht nur dem Patienten eine zweite Operation, sondern der Chirurg kann beide Korrekturen aufeinander abstimmen.

Reimport einer alten Technik.

Eine Operationstechnik, die ein ungarischer Chirurg Ende der zwanziger Jahre entwickelte, hält im Bereich der Gesichtschirurgie nun wieder Einzug im "alten Europa" - als Reimport aus den USA. Bei der so genannten "offenen Nasentechnik" schneidet der Operateur den Nasensteg quer auf und klappt ihn hoch. Er hat so einen perfekten Überblick über den Knorpel und kann seinen Eingriff besser kontrollieren als bei der bisher üblichen Operationsmethode, bei der die Ärzte von der Innenseite der Nase aus operieren.

Rückfragen an:

Prof. Dr. Dr. Gerhard Walter Paulus
Arzt für Mund-, Kiefer- und Gesichts-Chirurgie/Plastische Operationen
Arabellastraße 15, 81925 München
Tel.: 089 - 916-001, Fax: -312
E-mail: prof.paulus.muenchen@t-online.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org

Weitere Berichte zu: Sensibilitätsstörung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten