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Kinderradiologie: So wenig Röntgen wie möglich

27.05.2003


Der Trend zu weniger Röntgenaufnahmen und reduzierter Strahlendosis, der seit Jahren im Bereich der Kinderradiologie stattfindet, setzt sich fort. Röntgenuntersuchungen und Aufnahmen mit dem Computertomographen (CT) werden nur noch dann gemacht, wenn sie sich nicht vermeiden lassen.



In den vergangenen 15 Jahren ist die Strahlenbelastung von Kindern in der Medizin um etwa die Hälfte gesunken. Dazu haben nicht nur verbesserte Geräte und empfindlichere Film-Folien-Kombinationen sondern vor allem auch das gewandelte "Strahlenbewusstsein" unter den Radiologen beigetragen. Diese sind durch Leitlinien und durch Vorschriften in der Röntgenverordnung dazu angehalten, nach dem ALARA-Prinzip (= As Low AS Reasonably Achievable) zu verfahren: Untersuchungen mit ionisierenden Strahlen sollen die Ärzte nur dann einsetzen, wenn sie tatsächlich erforderlich sind. Darüber hinaus gilt es, die Strahlenexposition "so niedrig wie möglich" zu halten. Denn Kinder sind strahlenempfindlicher als Erwachsene.



Bei Durchleuchtungsuntersuchungen ermöglichte die Entwicklung von Geräten mit gepulster Durchleuchtung, die Strahlenbelastung auf zehn Prozent zu reduzieren. "Allerdings wird generell immer weniger geröntgt, weil es wesentlich schonendere und zum Teil auch aussagekräftigere Methoden für die Diagnostik gibt. Vor allem beim Röntgen des Kopfes sollte die Computertomographie nur noch für Notfälle, z.B. nach einem Unfall, eingesetzt werden, weil damit sehr schnell Befunde erhoben werden können", sagt Dr. med. Alfred Eldad Horwitz Kinderradiologe am Institut für Röntgendiagnostik des Klinikum Krefeld. Grundsätzlich können alle Kinderradiologen heute nach der Devise verfahren "alles was kein Notfall ist, kommt mit wenigen Ausnahmen nicht in die mit höherer Strahlenexposition einhergehende Computertomographie".

Laut Horwitz hat die Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) die Notwendigkeit von Röntgenuntersuchungen erheblich reduziert, zum Teil auch fast vollständig abgelöst: Ein größerer Teil der Diagnosen kann bei Kindern aufgrund ihreres geringeren Körperfett-Anteils mittels Sonografie erhoben werden ohne dass Untersuchungen mit anderen bildgebenden Verfahren erforderlich sind. Hinzu kommt, dass die Kinderradiologen in der Sonografie besonders gut ausgebildet sind.

So hat das Hüftscreening bei Neugeborenen zur Abklärung angeborener Fehlbildungen der Hüften (z.B. der Hüftluxation), das ausschließlich mittels Ultraschall durchgeführt wird, die Röntgenuntersuchung der Hüften fast vollständig abgelöst. Um Einblicke in den Schädel von Neugeborenen und Säuglingen zu erhalten, wird zunächst ausschließlich die Sonografie eingesetzt, um danach zu entscheiden, ob Untersuchungen mit anderen Verfahren notwendig sind. Auch um Erkrankungen an Nieren, Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse zu ermitteln, wird zunächst die Sonographie bevorzugt. "Wurden früher an größeren Kinderkliniken vier bis fünf Röntgenuntersuchungen der Nieren pro Tag durchgeführt, so ist es heute die gleiche Anzahl pro Jahr, weil man mit Hilfe der Sonographie - unter Umständen in Kombination mit der Szintigraphie - bei Kindern zu genauso eindeutigen Ergebnisse kommen kann", erklärt der Radiologe.

Die Computertomographie ist jedoch nach wie vor führend, wenn Lungen-Erkrankungen diagnostiziert werden müssen, bei denen herkömmliche Röntgen-Übersichtsaufnahmen nicht ausreichen, um auch feinste veränderte Strukturen exakt erkennen zu können.

Sollen dagegen Erkrankungen wie Tumore, Entzündungen, Blutungen oder Fehlbildungen im Kopf, an den großen Bauchorganen oder am Bewegungsapparat ermittelt werden, lassen sich diese durch die Magnetresonanztomographie (MRT) am besten darstellen. Der Nachteil dieser Methode: Bei Säuglingen und Kleinkindern müssen diese Untersuchungen meistens unter Narkose durchgeführt werden, damit die kleinen Patienten still liegen. Auch bei der teuren Magnetresonanztomographie sollte es zu einem rationellen Einsatz kommen: "immer dann, wenn die Sonographie zur Diagnostik nicht ausreicht".

Daß der Trend zur MRT auch weiterhin zunehmen wird, zeigt sich auch bei der Diagnostik von Erkrankungen des Herzens. Dort wird neben der Echokardiographie (Sonographie am Herzen) die Herz-Katheter-Untersuchung immer weniger angewendet.

Rückfragen an:

Dr. med. Alfred Eldad Horwitz
Abteilung Kinderradiologie
Institut für Röntgendiagnostik
Klinikum Krefeld, Lutherplatz 40
47805 Krefeld
Tel.: 02151 - 322362, Fax: -321953
E-mail: dr.horwitz@klinikum-krefeld.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org
http://www.klinikum-krefeld.de

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