Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fortschritte in der Parkinsonforschung

14.05.2003


Ursache schwerer Bewegungsstörungen auf der Spur /


Anwendung in wenigen Jahren möglich


Mit neuen Erkenntnissen zur Ausprägung einer der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, dem Morbus Parkinson, wartet eine Gruppe von Pharmazeuten der Johann Wolfgang Goethe-Universität auf, die die Ergebnisse gemeinsam mit verschiedenen französischen Forschergruppen erarbeitet und publiziert hat (Nature Medicine 2003, Advance Online Publication (AOP) vom 12. Mai 2003; E. Bezard et al.).

Bei der üblichen Behandlung mit L-DOPA, dem klassischen und bewährten Standardtherapeutikum, entwickelt über 70 Prozent der Patienten über einen längeren Behandlungszeitraum häufig schwere Bewegungsstörungen, sogenannte Dyskinesien.


Diese Bewegungsstörungen waren therapeutisch bisher kaum in den Griff zu bekommen und haben die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigt. Den Frankfurter und französischen Forschern gelang es nun, im Rahmen aufwändiger Modellversuche dieses Krankheitsgeschehen nachzubilden und die Abhängigkeit der Bewegungsstörungen von einem bestimmten Rezeptorsubtyp offen zu legen.

Die Parkinsonerkrankung ist gekennzeichnet von einem Verlust an Neuronen, die auf den Neurotransmitter Dopamin ansprechen. Dopamin reagiert im zentralen Nervensystem mit verschiedenen Proteinuntergruppen, den Subrezeptoren. Einer dieser Subrezeptoren, der Dopamin-D-Rezeptor, wird bei Vorhandensein dieser Bewegungsstörung besonders stark ausgebildet und scheint für diese Nebenwirkung hauptverantwortlich zu sein.

Durch neue Inhibitoren (Antagonisten) dieses Rezeptors können die Bewegungsstörungen bei Versuchstieren zwar eindrucksvoll und eindeutig zurückgedrängt werden, allerdings beeinträchtigen sie gleichzeitig den
Behandlungserfolg mit L-DOPA.

Der Einsatz eines partiellen Agonisten, der teilweise in der Lage ist den Rezeptor zu blockieren, ihn aber auch gleichzeitig stimulieren kann, führte zu einer dramatischen Verbesserung der Bewegungsstörungen, ohne dabei den Behandlungserfolg durch L-DOPA zu schmälern.

Die Perspektiven, die mit diesem Konzept aufgezeigt wurden, geben den geplagten Patienten Hoffnung auf eine verbesserte Therapie ihrer Parkinsonerkrankung ohne diese stark beeinträchtigende Nebenwirkung.

Die vielversprechende Substanz (BP-897) befindet sich bereits in der Klinischen Prüfung und könnte in einigen Jahren bereits zur Verfügung stehen.

Kontakt: Prof. Holger Stark; Institut für Pharmazeutische Chemie; Campus Riedberg; Marie-Curie-Str. 9; 60439 Frankfurt; Tel.: 069 / 798 29302; Fax: 069 / 798 29258; E-Mail: h.stark@pharmchem.uni-frankfurt.de


Dr. Ralf Breyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nm

Weitere Berichte zu: Bewegungsstörung L-DOPA Rezeptor Subrezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie