Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leukämie: Gereinigte Stammzellen verbessern Heilungs-Chancen

11.04.2003


Krebsspezialisten des Universitätsklinikums präsentieren neues Verfahren / Therapie erfolgreich angewendet

... mehr zu:
»Antikörper »Immunzelle »Stammzelle

Privatdozent Dr. Martin Bornhäuser und Prof. Dr. Gerhard Ehninger ist es in den vergangenen Monaten gelungen, zwölf erwachsenen Leukämiepatienten hochaufgereinigte blutbildende Stammzellen erfolgreich zu übertragen. Damit heilten die Krebsspezialisten des Universitätsklinikums an der TU Dresden Menschen, für die sich keine gewebeverträglichen Spenderzellen fanden. Nach den bisherigen positiven Erfahrungen gehen die Leukämie-Experten davon aus, dass das neue Verfahren schon bald zur klinischen Routine gehört.

Es waren die Stammzellen ihres Sohnes, die die Krebsspezialisten der Medizinischen Klinik I der 43-jährigen Würzburgerin Ursula Eitelwein übertrugen. Trotz der direkten Verwandtschaft kein Routinefall: Auch die Zellen des Sohnes sind für die Mutter nicht gewebeverträglich - so wie bei einem knappen Drittel aller Leukämiefälle, für die sich keine geeigneten Spender in der Familie oder im weltweiten Netz der Fremdspenderdateien finden lassen. Um das Leben der Frau zu retten, übertrugen der Leiter der Transplantationseinheit, Privatdozent (PD) Dr. Bornhäuser, und Klinikdirektor Prof. Dr. Ehninger erfolgreich hochaufgereinigte Stammzellen. Bei diesem neuen Verfahren trennten Dresdner Krebsexperten die für die Patientin gefährlichen Immunzellen von den blutbildenden Stammzellen des Spenders. Hätten die Ärzte diese Immunzellen mit übertragen, wäre es zu schwersten Abwehrreaktionen bei der Patientin gekommen, die häufig tödlich verlaufen. Die Erwartungen der Leukämiespezialisten haben sich voll erfüllt - ihre Patientin überstand die todbringende Krankheit. Obwohl sich die Stammzellen in dem neuen Verfahren zuverlässig trennen lassen, bedeutet dies nicht, dass nun jeder Mensch als Spender in Frage kommt: "Es müssen die nächsten Verwandten sein, also Eltern oder Kinder", sagt Prof. Ehninger.


Magnetpartikel und Antikörper trennen Stammzellen von Immunzellen

Um Leukämiekranke zu heilen, sind den Patienten je nach Körpergewicht etwa 400 bis 800 Millionen Stammzellen zu transplantieren. Finden sich keine gewebeverträglichen Zellen, müssen zuerst die gefährdenden Immunzellen abgetrennt werden. Dazu bedienen sich die Mediziner eines Tricks: Sie setzten Antikörper auf die gespendeten Stammzellen an, die mit kleinsten magnetischen Partikeln versehen sind. Zumeist heften sich gleich mehrere dieser für Menschen harmlosen Antikörper an eine einzelne Stammzelle. Immunzellen dagegen bleiben unbehelligt. Leitet man danach die in Plasma aufbereiteten Zellen an einem Magneten vorbei, sammeln sich dort die Stammzellen - die Immunzellen dagegen fließen weiter. Danach schalten die Ärzte den Magneten aus und leiten die Stammzellen in ein gesondertes Gefäß. In rund drei Stunden lassen sich so die benötigten Zellen gewinnen - trotz ihrer großen Zahl reduziert sich dabei das Volumen der Spende auf lediglich 50 Milliliter.

Das magnetische Trennverfahren wird bereits seit Jahren für medizinische Analysen genutzt - allerdings gab es lediglich Geräte, die sehr geringe Mengen verarbeiten konnten. Mittlerweile bietet ein Hersteller einen Apparat an, der auch die für die Transplantation benötigten 400 bis 800 Millionen Stammzellen bewältigen kann. Ein solches Gerät steht auch im Dr.-Mildred-Scheel-Haus des Universitätsklinikums. In diesem Gebäude behandeln Klinikdirektor Prof. Ehninger und sein Ärzteteam vor allem Leukämiepatienten.

Spender "produzieren" in fünf Tagen Stammzellen

Die Leukämiespezialisten gewinnen die benötigten Stammzellen heute nicht mehr aus dem Knochenmark, sondern entnehmen sie dem Blut. Fünf Tage vor einer Spende erhält der Spender ein Wachstumshormon, das die Produktion dieser Zellen anregt. Sein gesamtes Blut wird dann einem speziellen Verfahren "gewaschen". Bei dieser Apherese gewinnen die Ärzte des Universitätsklinikums in drei bis vier Stunden die Stammzellen. Zu diesem Zeitpunkt haften daran aber noch die für den Leukämiekranken gefährlichen Immunzellen, die im Nachgang durch das neue Trennverfahren ausgesondert werden.



Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden, Medizinische Klinik und Poliklinik I
PD Dr. Martin Bornhäuser, Prof. Dr. Gerhard Ehninger
Tel. 0351 4584190, Fax 0351 4585362

Birgit Berg | idw
Weitere Informationen:
http://www.oncocenter.de

Weitere Berichte zu: Antikörper Immunzelle Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie