Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Therapie der Parkinson-Krankheit im Früh- und Spätstadium

10.04.2003


Das Klinikum der Universität München leistet bei den Parkinson-Patienten im Früh- und Spätstadium eine effektive Diagnostik und Behandlung, die anlässlich des Parkinsontages am 11. April 2003 zusammengefaßt werden



Die Parkinson-Krankheit ist die häufigste neurologische Erkrankung des fortgeschrittenen Lebensalters: derzeit leiden rund 250.000 überwiegend ältere Menschen in Deutschland an der bisher unheilbaren Erkrankung des zentralen Nervensystems. Parkinson gilt als klassische Alterskrankheit, doch die Betroffenen sind zunehmend jünger, immer mehr Menschen unter 40 Jahren erkranken am Parkinson-Syndrom.



Die Parkinson-Erkrankung ist eine Krankheit, bei der es zu einem fortschreitenden Verlust bestimmter Zellen (dopaminproduzierender Zellen) des Gehirns kommt. Dadurch kann das Hormon Dopamin nicht mehr in ausreichender Menge produziert werden. Ohne die richtige Menge an Dopamin kann sich der Mensch nicht mehr richtig bewegen. Es kommt zu den klassischen Symptomen mit Bewegungsarmut bzw. -verlangsamung (Akinese), Muskelsteifheit (Rigor) und Zittern (Tremor).

"PARKINSON-AMBULANZ"

In der "Parkinson-Ambulanz" der Neurologischen Klinik in Großhadern werden Patienten mit Parkinson-Syndromen aller Krankheitsstadien betreut. Wesentliche Aspekte sind hierbei
Diagnose im Frühstadium unter Hinzuziehung moderner bildgebender Methoden. Damit lässt sich frühzeitig die "echte" Parkinson-Erkrankung von "atypischen" Parkinson-Syndromen (zum Beispiel Blickkrämpfen oder Multisystematrophie) unterscheiden - entscheidend für die Einleitung der adäquaten Therapie.

- Ersteinstellung der medikamentösen Behandlung: Es gilt heute als gesichert, dass durch eine optimale Ersteinstellung der Verlauf der Erkrankung, insbesondere das Auftreten von Komplikationen im Spätstadium, positiv beeinflußt werden können. Daher ist ein Schwerpunkt der Ambulanz die adäquate Ersteinstellung von Parkinson-Patienten unter Berücksichtigung neuester Erkenntnisse.

- Spätkomplikationen: Trotz optimaler Therapie treten nach einer Erkrankungsdauer von 5 - 15 Jahren in unterschiedlichem Ausmaße Komplikationen auf. Ein weiterer Schwerpunkt der Parkinson-Ambulanz ist daher die Behandlung dieser komplizierten Spätstadien der Erkrankung, bei der in der Regel komplexe medikamentöse Therapieschemata für jeden Patienten individuell erarbeitet werden müssen. In Einzelfällen werden auch besondere Behandlungsformen angewandt, z.B. die subkutante Dauerinfusion mit Apomorphin. Patienten, die medikamentös nicht mehr ausreichend behandelbar sind, werden nach individueller Indikationsstellung einer Tiefenhirnstimulation zugeführt.

Operative Behandlungsmöglichkeit - die Tiefenhirnstimulation

Eine effektive medikamentöse Behandlung der Parkinson-Krankheit ist seit den 70er Jahren mit dem Medikament L-Dopa verfügbar. Die medikamentöse Behandlung der Parkinson-Erkrankung ist in der Regel über viel Jahre so erfolgreich, dass der Patient kaum eine Beeinträchtigung erleidet. Jedoch kann es nach fünf bis zehn Jahren zu Unregelmäßigkeiten der Bewegungsfähigkeit kommen, die sich zunächst durch andere Verteilung der Medikamentengabe bessern lassen. Im weiteren Verlauf sind diese Schwankungen jedoch kaum beherrschbar und werden sogar von Zuständen mit massiver Überbeweglichkeit gekennzeichnet. So schwankt der Patient zwischen Unterbeweglichkeit (Akinese) und deutlicher Überbewegung, wodurch eine Teilnahme am normalen Leben in vielen Fällen nicht mehr möglich ist. Bei der Parkinson-Erkrankung wird das Gehen stockend, die Schritte werden kurz, die Haltung gebeugt und wenn der Patient zur Ruhe kommt, tritt meistens ein lästiges Zittern (Tremor) der Hände und Beine hinzu. "Neue Erkenntnisse über die Funktion einzelner Hirnareale und Fortschritte der Mikroelektronik haben eine Behandlung von Bewegungsstörungen mit der elek-trischen Tiefenhirnstimulation ermöglicht", so Privatdozent Dr. Kai Bötzel. "Sie gilt heute schon als anerkannte neurochirurgische Behandlung fortgeschrittener Parkinson-Erkrankungen. Seit 1997 führen wir diese Operationen in der Neurochirurgischen Klinik in Großhadern durch." Im Gehirn wird stereotaktisch eine Sonde plaziert, die auf Dauer in dem Kerngebiet belassen wird und über ein Kabel mit einem unter der Haut im Brustbereich eingesetzten Impulsgeber verbunden wird. Die Besserung der Akinese und des Tremors zeigt sich besonders in einer Normalisierung des Gehens und einer Besserung der Handbewegungen. Die Patienten gewinnen an Bewegungsfreiheit, da sie nicht mit plötzlich auftretenden Zuständen von Unbeweglichkeit rechnen müssen. Bei manchen jüngeren Patienten kann die Tiefenhirnstimulation die Arbeitsfähigkeit sichern oder sie wiederherstellen. Auch reduziert sich durch die Operation der Medikamentenbedarf bis auf die Hälfte, wodurch eine Kostenersparnis eintritt. Durch die Tiefenhirnstimulation ist die Therapie der Bewegungsstörungen um ein sehr wirksames Werkzeug erweitert worden. Da Nebenwirkungen und Komplikationen selten, und wenn sie auftreten, in der Regel beherrschbar sind, kann die Behandlung als risikoarm gelten.

RICHTUNGSWEISENDE FORSCHUNG

Die Wissenschaftler am Klinikum der Universität München forschen derzeit unter anderem an:

- der Genetik der Erkrankung, von der man weiß, dass ein Teil der sehr jungen Parkinson-Patienten (unter 40 Jahren) eine erbliche Erkrankung hat

- der Gehirnveränderungen, die der Parkinson-Erkrankung zu Grunde liegt

- der Neuroprotektion, also dem vorbeugenden Schutz der Zellen, die bei der Parkinson-Erkrankung aus unbekannter Ursache absterben

- der Tiefenhirnstimulationsbehandlung, die sowohl den Tremor, als auch die Unterbeweglichkeit dieser Patienten bessert.

Darüber hinaus arbeiten die Neurologen, Neurochirurgen und Neuropathologen im "Kompetenznetz Parkinson", einem Zusammenschluss von 19 Universitätsabteilungen, die sich schwerpunktmäßig mit Parkinson-Syndromen beschäftigen. Ziel ist die standardisierte Befunderhebung, die Durchführung von wissenschaftlichen Untersuchungen und die Umsetzung der neuesten Erkenntnisse in die praktische Behandlung sowohl auf universitärem wie auch auf Versorgungslevel.

S. Nicole Bongard | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-parkinson.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen