Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Blick ins Herz entlarvt die Krankheit

09.04.2003


Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg entwickeln neues Verfahren zur Früh-Diagnostik des primären Lungenhochdrucks



Hoher Blutdruck ist weit verbreitet, gut erforscht und selbst vom Laien einfach zu messen. Ganz anders verhält es sich mit dem Lungenhochdruck. Die Messung ist dem Experten vorbehalten, der mit Hilfe eines über das Herz eingeführten Katheters den Druck in den Lungengefäßen bestimmt. Ärzte und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg bieten als weltweit erstes Zentrum eine Untersuchung für Familien an, bei denen diese Erkrankung gehäuft vorkommt. Durch eine einfach, wenig belastende Ultraschallmethode, die Stress-Echokardiographie, wird der Lungenhochdruck frühzeitig festgestellt.

... mehr zu:
»Hypertonie »Lungenhochdruck »PPH


"Eine Diagnose zum frühen Zeitpunkt erhöht voraussichtlich die Chance, dass der Patient auf Medikamente gut anspricht", erklärt Dr. Ekkehard Grünig, ärztlicher Mitarbeiter der Abteilung für Kardiologie, Pulmologie und Angiologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Denn wird die Erkrankung zu spät festgestellt, überleben die Patienten meist nur noch zwei bis drei Jahre. Dann können auch die zur Verfügung stehenden Medikamente wie Kalziumantagonisten oder Prostazykline ihre Wirkung nur noch beschränkt entfalten.

Luftnot und Brustschmerz sind erste, aber späte Krankheitszeichen

Der seltene primäre Lungenhochdruck (Primäre Pulmonale Hypertonie, PPH) kann in jedem Lebensalter plötzlich auftreten. In Deutschland sind etwa 1.000 Patienten erkrankt; doch wesentlich mehr tragen die genetische Veranlagung, oft ohne es zu wissen. Erste Krankheitszeichen sind vor allem Luftnot, Brustschmerzen oder unklare Ohnmachtsanfälle. Dann aber ist die Erkrankung schon weit fortgeschritten und nur noch schwer zu behandeln. Zusätzlich vergehen meist Monate, bis die richtige Diagnose gestellt worden ist. Die Erforschung der seltenen PPH hat große Bedeutung für eine weitaus größere Gruppe von Patienten, die an dem sehr viel häufigeren sekundären Lungenhochdruck (Pulmonale Hypertonie) leiden. In Deutschland sind davon etwa ein Drittel der Patienten mit Herzmuskelschwäche und chronischer Bronchitis betroffen.

"Um den hohen Blutdruck in den Lungenarterien festzustellen, untersuchen wir das Herz mit Ultraschall in Ruhe und unter Belastung", berichtet Dr. Grünig. Insgesamt 200 Patienten und 400 Angehörige hat das Heidelberger Team bislang getestet. Mittlerweile kommen Patienten und ihre Familien aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland zur Familienuntersuchung nach Heidelberg. Wie aussagekräftig die Methode ist, konnten die Wissenschaftler durch genetische Tests belegen: Wer eine Veranlagung zum Lungenhochdruck hatte, zeigte im Stress-Echokardiographie-Test fast immer einen erhöhten Druck. "Die genetische Anlage bewirkt offensichtlich, dass sich die Muskeln der kleinen Lungengefäße unter Belastung nicht so stark wie bei einem gesunden Menschen erweitern können." Im späteren Stadium der Erkrankung wachsen die kleinen Blutgefäße regelrecht zu und lassen sich durch Medikamente kaum noch erweitern.

Bislang sind nur bei sechs Prozent der Patienten mit PPH eine familiäre Häufung der Erkrankung beschrieben worden. Die Heidelberger Wissenschaftler sind jedoch davon überzeugt, dass in vielen Fällen Erbanlagen entscheidend sind. "Wir haben bei 30 Prozent der Patienten festgestellt, dass mehrere Familienmitglieder betroffen sind. Bei weiteren 50 Prozent gibt es ebenfalls Hinweise für eine Veranlagung", berichtet Dr. Grünig. Bei einigen Familien mit PPH war ein Gen für Wachstumsfaktoren verändert. Am Heidelberger Klinikum konnte durch die enge Kooperation des Herzspezialisten mit der Arbeitsgruppe von Dr. Bart Janssen, Institut für Humangenetik, ein weiterer Genort identifiziert werden.

Europäisches Forschungsnetz: "Vorsorgeuntersuchung" für Angehörige

Um die Erforschung und Therapie der schweren Erkrankung voranzutreiben, haben sich Wissenschaftlergruppen in Deutschland, aber auch in Europa und den USA, zu Forschungsnetzwerken zusammengeschlossen. Die Initiative ging wesentlich von den Universitätsklinika Gießen und Heidelberg aus. Seit März wird das Projekt "Frühdiagnostik und Genetik der PPH" von der Europäischen Union gefördert, in dem alle großen europäischen Lungenhochdruckzentren zusammenarbeiten; es wird von der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Werner Seeger am Universitätsklinikum Gießen koordiniert.

Die beteiligten Zentren bieten den Familienmitgliedern von Patienten mit angeborener Pulmonaler Hypertonie eine "Vorsorgeuntersuchung" an, die klinische und genetische Tests umfasst. Dabei wird der Lungendruck in Ruhe und unter Belastung mit Hilfe des Ultraschalls ermittelt und weitere Funktionstests der Lunge und des Herzens durchgeführt. Das Heidelberger Zentrum schult Ärzte der anderen Zentren in der Durchführung der Stress-Echokardiographie und weiterer klinischer Spezialuntersuchungen. Die genetischen Tests werden an Humangenetik-Instituten in Heidelberg und im englischen Leicester durchgeführt. Die Wissenschaftler hoffen zudem, weitere Gene zu finden, die für die Entwicklung des primären Lungenhochdruckes maßgeblich sind.

Dr. Annette Tuffs | idw

Weitere Berichte zu: Hypertonie Lungenhochdruck PPH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften